Tarifgespräche gehen am Montag weiter
Lufthansa hält trotz Streik an Zielen fest

Die Lufthansa ist im ersten Quartal dieses Jahres tief in die roten Zahlen geflogen. Vorstandschef Jürgen Weber hofft jedoch weiter, dass der Pilotenstreik keine riesigen Löcher in die Kasse reißt. Unbeirrt vom Tarifkonflikt hält die Airline an ihrer Gewinnprognose fest. Analysten zweifeln dagegen, ob das Ziel erreicht werden kann.

hz/HB FRANKFURT/M. Die Deutsche Lufthansa AG, Köln/Frankfurt, hält ungeachtet des anhaltenden Tarifkonflikts mit den Piloten weiter an ihrem Gewinnziel für das laufende Jahr fest. Lufthansa-Chef Jürgen Weber will nach wie vor das operative Ergebnis auf dem Vorjahresniveau von rund 1 Milliarden Euro halten. Die Airline sprach von einem "ambitionierten Ziel" und stellte die Prognose unter den Vorbehalt einer "vernünftigen Einigung in vertretbarer Zeit" mit den Piloten.

Die Aussichten auf ein Ende des Tarifkonflikts haben sich unterdessen wieder etwas aufgehellt. Unternehmen und Piloten vereinbarten nach Angaben der Gewerkschaft, sich am Montag wieder an den Verhandlungstisch zu setzen. Streikende Piloten äußerten sich zuversichtlich, den Ausstand bald beenden zu können. Der zweite ganztägige Pilotenstreik innerhalb von acht Tagen hatte am Donnerstag erneut massive Störungen auf deutschen Flughäfen zur Folge.

Analysten: Ergebnisziel für Lufthansa in weite Ferne gerückt

Analysten und Fondsmanager äußerten ihre Zweifel, ob die Airline dieses Jahr ihr Ergebnisziel erreichen wird. Jürgen Pieper, Lufthansa-Analyst des Bankhauses Metzler, sieht das Vorjahresergebnis für die Lufthansa inzwischen in weite Ferne gerückt. Auch Boris Böhm, Fondsmanager bei Nordinvest in Hamburg, glaubt, dass es sehr schwer werde, die Prognosen noch zu erfüllen. An der Börse hatte die Lufthansa-Aktie trotz des zweiten ganztägigen Pilotenstreiks Auftrieb:Das Papier zählte am Donnerstag zu den Tagesgewinnern.

Ins laufende Jahr ging die Lufthansa jedoch mit einem Fehlstart. Im ersten Quartal rutschte der Konzern trotz eines Umsatzanstiegs nach Steuern mit 94 Millionen Euro in die Verlustzone. Im Auftaktquartal des Vorjahres war noch ein Plus von 5 Millionen Euro erzielt worden. Der Umsatz kletterte um 15,1 % auf 3,63 Milliarden Euro. Einige Händler setzten jedoch darauf, dass die Airline ihre Zahlen wegen des laufenden Tarifkonflikts besonders schlecht darstelle.

Der Piloten-Streik hat die Lufthansa in eine der schwersten Krisen ihrer Konzerngeschichte gebracht. Ein längerer Arbeitskampf könnte für den Konzern sehr teuer werden. Nach internen Berechnungen kostete der Arbeitskampf die Airline bereits wenigstens 60 Millionen Euro. Ein Abschluss mit den Piloten dürfte die Personalkosten der Lufthansa allein im ersten Jahr um mindestens 100 Millionen Euro in die Höhe treiben.

Einigungsdruck auf beiden Seiten wächst

Allerdings wächst der Einigungsdruck auf beiden Seiten. So führte der zweite ganztägige Piloten-Streik am Donnerstag zwar erneut zu Einschränkungen auf allen deutschen Flughäfen, das befürchtete Chaos blieb aber - wie beim Streik eine Woche zuvor - aus.

Lufthansa-Sprecher Klaus Walther bekräftigte die Bereitschaft des Konzerns zu einer Einigung. Die Verhandlungen waren am Mittwoch abgebrochen worden, nachdem die Piloten ein abermals verbessertes Angebot der Lufthansa abgelehnt hatten. Die Airline hatte für dieses Jahr eine Erhöhung der Festvergütung um 10,64 % sowie zwei Monatsgehälter als Gewinnbeteiligung vorgeschlagen. In den folgenden drei Jahren sollten die Piloten neben der Gewinnzulage Anpassungen im Rahmen der übrigen Tarifabschlüsse sowie strukturelle Verbesserungen um 3 % erhalten. Cockpit verlangt dagegen eine lineare Gehaltserhöhung von 24% im ersten Jahr sowie eine Gewinnbeteiligung von zwei Gehältern.

Die Lufthansa-Konzernspitze sieht inzwischen kaum mehr Spielraum bei den Verhandlungen. Die Airline fürchtet eine Nachschlagdiskussion mit den 51 000 Beschäftigten des Boden- und Kabinenpersonals, die in diesem Jahr nur eine vergleichsweise bescheidene Gehaltserhöhung von 3,5 % erhalten.

Bereits jetzt brodelt es augenscheinlich im Unternehmen. So demonstrierten am Donnerstag mehrere Hundert Mitarbeiter der Airline in Frankfurt gegen den Pilotenstreik. Auf Transparenten wurden die Tarifforderungen kritisiert.

In den Augen der Lufthansa beginnt die Streikfront zu bröckeln. "Der Notflugplan ist deutlich umfangreicher als am ersten Streiktag", hieß es bei der Airline. Das deute darauf hin, dass längst nicht mehr alle Piloten mit Feuereifer dabei seien. Die Pilotengewerkschaft wies dies kategorisch zurück: "Die Streikfront bröckelt nicht, im Gegenteil", sagte ein Sprecher. An dem erneuten Ausstand hätten nach seinen bisherigen Informationen mehr Piloten teilgenommen als am Streik in der vergangenen Woche.

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