Tarifkonflikt
Kommentar: Schröders Helfer aus Hannover

Gerhard Schröder kann sich zurücklehnen. Er braucht die IG Metall nicht mehr auf eine friedliche Tarifrunde einzuschwören. Denn der angedrohte große Arbeitskampf in der Metallindustrie fällt aller Voraussicht nach aus. Dafür darf sich Schröder wieder einmal bei seinem Freund und Lieblingsgewerkschafter Hubertus Schmoldt bedanken. Der Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie scheint gewillt, wie schon im Jahr 2000, auch diesmal die erste Lohnzahl in die Welt zu setzen.

Es wird sich, davon kann man bei der Chemiegewerkschaft ausgehen, um keinen Billigabschluss handeln. Realistisch sind eine Drei vor dem Komma und eine niedrige Zahl dahinter. Bei diesem Ergebnis aber wird es für die IG Metall schwer, ihre Mitglieder davon zu überzeugen, dass das letzte Mittel nötig ist - der große, unbefristete Arbeitskampf. An dessen Ende nämlich müssten mindestens vier Prozent stehen. Weniger wäre gemessen am Aufwand ein Misserfolg. Einen Abschluss in dieser Höhe aber lässt die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen nicht zu, was auch die Beschäftigten spüren. Und deshalb werden sie es sich zweimal überlegen, ob sie in einer Urabstimmung ihrer Gewerkschaft das Mandat zur unbegrenzten Eskalation erteilen. Die IG-Metall-Spitze wird dieses Mandat vermutlich auch gar nicht mehr einfordern wollen. Denn nichts fürchten Gewerkschaftsfunktionäre mehr, als bei der Urabstimmung eine Schlappe zu erleiden.

Zwar hat die IG Metall gestern mit ihren bundesweiten Warnstreiks begonnen. Doch Symbolik und Realität klaffen weit auseinander. Ein Tarifabschluss in der Metallindustrie ist näher, als es die Bilder protestierender Metaller nahe legen. Die IG Metall wird versuchen, noch im April zum Ergebnis zu kommen und dabei ein paar Zehntel mehr herauszuschlagen als die Kollegen von der Chemie. Die Arbeitgeber werden ihr diese Friedensdividende am Ende zähneknirschend zubilligen. Und Schröder wird sich erkenntlich dafür zeigen, dass er ungestört seinen Wahlkampf führen kann.

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