Tarifprojekt "5000 mal 5000"
Annäherung nach VW-Angebot zum Tarifprojekt

Volkswagen und die IG Metall haben sich in den neuen Tarifgesprächen über das Beschäftigungsprojekt "5 000 mal 5 000" nach Angaben aus Verhandlungskreisen in zentralen Punkten angenähert.

Reuters HANNOVER. Das von VW vorgelegte Kompromissangebot sei von der Gewerkschaft als Grundlage für eine mögliche Einigung gewertet worden, hieß es am Montag am Rande der Verhandlungen in Hannover. Eine Verständigung auf die Grundzüge in den Streitfragen Arbeitszeit und Bezahlung noch am Montag sei nicht mehr auszuschließen. Der VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Volkert bestätigte Fortschritte. Die Gewerkschaft rief für den Abend ihre große Tarifkommission zusammen, um über den Fortgang der Verhandlungen zu sprechen.

Auf die Frage, ob es Annäherungen in den Streitfragen gebe, sagte Volkert in einer Verhandlungspause: "Es sieht so aus." Offiziell gab es bis zum späten Nachmittag von beiden Verhandlungskommissionen keine Stellungnahme.

VW will mit dem Projekt in Wolfsburg und Hannover bis zu 5 000 neue Stellen überwiegend für Arbeitslose mit einem einheitlichen Bruttolohn von 5 000 DMark schaffen. Die vor zwei Monaten zunächst gescheiterten Gespräche waren am Montagmorgen in einem Hotel am Flughafen Hannover-Langenhagen wieder aufgenommen worden.

Gewerkschaft bekräftigt ihre Forderungen

VW-Verhandlungsführer Josef Senn kündigte zu Beginn vor Journalisten am Morgen ein Kompromissangebot des Autokonzerns an, mit dem die wesentlichen Streitfragen zur Arbeitszeit und zur Bezahlung ausgeräumt werden sollten. Er nannte aber keine Details. IG Metall-Bezirkschef Hartmut Meine bekräftigte zu Beginn die Forderung der Gewerkschaft nach einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 35 Stunden und einer Bezahlung nicht unter dem Niveau des Flächentarifvertrags der Metallindustrie.

Einzelheiten über das VW-Angebot wurden auch bis zum Nachmittag nicht bekannt. Die Vorschläge würden die von VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz bereits vorige Woche im "Handelsblatt" genannten Punkte für einen Kompromiss präzisieren, hieß es. Demnach geht VW bei den bisherigen Streitpunkten Arbeitszeit, Bezahlung und Erfüllung von Produktionszielen entscheidend auf die Gewerkschaft zu. Sowohl eine durchschnittliche 35 Stundenwoche als auch eine Bezahlung auf dem Niveau des Flächentarifvertrages wollte Hartz sicher stellen. Zudem sollten zusätzliche Bonuszahlungen angeboten werden, die sich am Erfolg der Produktion und an persönlichen Leistungen orientieren sollten. Qualifizierungsmaßnahmen sollen nach dem Willen von VW nicht auf die Wochenarbeitszeit angerechnet werden. Im Juni hatte VW noch eine Arbeitszeit inklusive Qualifikation von 42,5 Wochenstunden gefordert.

Die IG Metall beriet am Mittag die Vorschläge zunächst intern in ihrer Verhandlungskommission zusammen mit dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft, dem Tarifexperten Jürgen Peters. Am Nachmittag kamen die Kommissionen von VW und IG Metall erneut zusammen.

Betriebsräte anderer Automobilkonzerne hatten am vergangenen Wochenende erneut davor gewarnt, eine Bezahlung unterhalb der Flächentarifverträge zu akzeptieren. Peters erklärte, VW wisse, dass die IG Metall das beschäftigungspolitisch wichtige Modell bei schlechteren Bedingungen als im Flächentarifvertrag vorgesehen nicht akzeptieren könne.

Die von VW geforderte Umstellung der Bezahlung auf ein so genanntes Programmentgelt wurde von der IG Metall bislang abgelehnt. VW möchte, dass die Beschäftigten für ihren Lohn so lange arbeiten, bis eine bestimmte Produktionsmenge erfüllt ist. Der Konzern kündigte aber an, dass Verzögerungen durch Maschinenausfälle oder Materialfehler, die VW zu verantworten habe, nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen sollen.

IG Metall-Bezirkschef Meine hatte vor Verhandlungsbeginn Hoffnungen auf eine schnelle Einigung gedämpft. "Wir erwarten in der Tat schwierige Verhandlungen. Wir sind uns einig, dass wir uns einigen werden, aber sicherlich nicht noch heute", sagte Meine.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%