Tarifrunde
Lohnpoker vor der Entscheidung

High Noon im Lohnpoker. Überraschend schnell steht die Tarifrunde 2002 vor der Entscheidung.

Nachdem die Zeichen zunächst auf einen quälend langen Tarifkonflikt mit der Gefahr des Arbeitskampfes standen, deutet nun alles auf eine friedliche Einigung am Verhandlungstisch hin. Schon nächste Woche wollen die IG Metall und die Chemiegewerkschaft einen Abschluss in Deutschlands zwei wichtigsten Industriezweigen erzielen. Das sind zunächst gute Nachrichten. Denn nichts hätte dem beginnenden Aufschwung mehr geschadet als ein milliardenteurer Flächenstreik.

Die spannende Frage ist nun, wer von beiden der Vorreiter sein wird und wie hoch er dabei die Messlatte hängt. Obwohl die Chemie als Erste mit einem Termin für den möglichen Abschluss aufs Tempo drückte, hat sie den Wettlauf noch nicht gewonnen. Denn mit einer Flut an Verhandlungsterminen versuchen die Metalltarifparteien, ihren zunächst hoffnungslos scheinenden Rückstand aufzuholen. Mit Erfolg.

Beim schwierigsten Brocken, dem gemeinsamen Entgelttarifvertrag für Arbeiter und Angestellte, haben sie die Zielgerade erreicht. Geht es in diesem Tempo weiter, dann ist ein Pilotabschluss am kommenden Mittwoch und damit vor der Chemie nicht ausgeschlossen. Immerhin beansprucht die IG Metall die Vorreiterrolle im Tarifgeschäft, und es hat sie mächtig gewurmt, dass sie diese Position vor zwei Jahren an die Kollegen von der Gewerkschaft BCE abgeben musste.

Den Arbeitgebern ist tunlichst davon abzuraten, diesen Wettlauf für taktische Winkelzüge zu nutzen. Billiger wird es kaum, wenn sie das Ende der Tarifrunde hinauszögern. Sie müssen darauf hoffen, dass in der entscheidenden Verhandlungsnacht jede der beiden Gewerkschaften mit Blick auf Wachstum und Arbeitsplätze Vernunft zeigt. Den Kanzler jedenfalls haben die Gewerkschaften nicht enttäuscht. Sein Appell, auf einen Arbeitskampf zu verzichten, findet offenbar Gehör.

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