Tarifstreit beigelegt
IG Metall erreicht die Vier vor dem Komma

Rund eineinhalb Wochen nach Beginn der Streiks in der Metall- und Elektroindustrie haben sich die Tarifparteien am Mittwoch im Pilotbezirk Baden-Württemberg auf einen zweistufigen Tarifabschluss geeinigt, der nach Einschätzung von Experten Gehaltsanhebungen im Volumen von knapp 3,5 % bedeutet.

rtr BöBLINGEN. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) begrüßte den Abschluss. Bei Volkswirten hieß es, positiv sei, dass die Streiks nach nur kurzer Dauer nun vorbei seien. Der Aktienmarkt drehte nach Bekanntgabe der Einigung leicht ins Plus. Experten warnten aber vor Gefahren für den Aufschwung, falls die Abschlüsse anderer Branchen nicht unter denen der Metaller liegen sollten.

Die IG Metall und der Arbeitgeberverband Südwestmetall teilten am Mittwochabend mit, man habe sich auf Lohn- und Gehaltsanhebungen ab Juni 2002 von 4,0 % geeinigt. Ab Juni 2003 gebe es nochmals 3,1 % mehr. Der Gesamtvertrag habe eine Laufzeit von 22 Monaten. Für März und April 2002 gebe es keine Anhebungen, für den Mai 2002 sei eine Einmalzahlung von 120 ? vereinbart worden. Für Betriebe in wirtschaftlicher Not sollen Abweichungen vom Tarifvertrag erlaubt werden. Die IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wollen nach Angaben von Gewerkschaftschef Klaus Zwickel bereits am Donnerstag über eine bundesweite Übernahme des Südwest-Abschlusses verhandeln.

Die Metallarbeitgeber in Südwestdeutschland bewerten den Tarifabschluss für das Jahr 2002 mit einem Volumen von 3,46 %. Arbeitgeber-Verhandlungsführer Otmar Zwiebelhofer sagte, für 2003 ergebe sich ein Kostenvolumen für die Firmen von 3,1 %.

Schröder sagte, die Aufwärtstendenz der deutschen Wirtschaft werde durch diesen Abschluss gestützt. "Ich freue mich also darüber, dass die Einigung gelungen ist." Die Laufzeit des Abschlusses erhöhe die Planbarkeit für die Unternehmen.

Beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hieß es, der Abschluss sei volkswirtschaftlich gerade noch verträglich. "Wenn die anderen gemäßigt darunter liegen, sehe ich keine Gefahr für den Aufschwung. Dann hätten wir mit einem blauen Auge nochmal die Kurve gekriegt", sagte der DIW-Chef Klaus Zimmermann der Nachrichtenagentur Reuters mkit Blick auf die ausstehenden Tarifverhandlungen in anderen Branchen. Positiv an der Metall-Vereinbarung sei, dass die Laufzeit relativ lang sei und dass es keine langen Streiks gegeben habe.

"Insgesamt ist das ein positiver Abschluss", sagte auch Daniela Etschberger von der Bank Dresdner Kleinwort Wasserstein. "Beide Seiten haben bis zu einem gewissen Grad erreicht, was sie wollten. Die IG Metall hat die Vier vor dem Komma, aber im Jahresdurchschnitt kommen 3,4 % heraus, und das ist immer noch eine gute Zahl." Sie glaube nicht, dass der Abschluss eine direkte Reaktion der Europäischen Zentralbank in der Frage der Zinspolitik nach sich ziehen werde.

Auch der Autohersteller DaimlerChrysler äußerte sich positiv zu dem Ausgang. "Wir begrüßen außerordentlich, dass durch den hart erstrittenen Kompromiss nun keine weiteren Beeinträchtigungen für die Fahrzeugauslieferungen entstehen. Die positive Perspektive für das Jahr 2002 bleibt damit erhalten", heiß es.

Während der Aktienmarkt positiv auf die Vereinbarung reagierte, notierte der Euro kaum verändert. Händler hatten zuvor mit Blick auf einen möglicherweise zu hohen Abschluss und Folgen eines langen Streiks vor Belastungen für die Wirtschaft im Euro-Raum gewarnt.

Die IG Metall in Baden-Württemberg wird nach Angaben ihres Verhandlungsführers Berthold Huber nach Pfingsten über die Annahme des Tarifkompromisses abstimmen lassen. Die Urabstimmung sei für Dienstag und Mittwoch kommender Woche geplant. Bis dahin werde nicht gestreikt. IG-Metall-Chef Klaus Zwickel ergänzte, der Arbeitskampf im Bezirk Berlin-Brandenburger werde am Donnerstag fortgesetzt. Dort gebe es noch keine Übernahme des Ergebnisses aus dem Südwesten, sagte Zwickel zur Begründung.

Bei den vor dreieinhalb Wochen in Ludwigsburg gescheiterten Verhandlungen hatten die Metallarbeitgeber zuletzt Einkommenserhöhungen ab Mai für 13 Monate von 3,3 % angeboten. Für die Monate April und März sollte rückwirkend ein Einmalbetrag von 190 ? gezahlt werden. Die IG Metall, die mit einer Forderung von 6,5 % in die Tarifrunde gegangen war, strebte zum Schluss einen Abschluss von vier Prozent an. Am Mittwoch waren die Gespräche von Arbeitsniederlegungen auch außerhalb der beiden Streikbezirke Baden-Württemberg und Berlin-Brandenburg begleitet worden.

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