Tarifsystem in der Kritik
Politiker nehmen Bahn unter Beschuss

Zwei Wochen nach dem Start des neuen Tarifsystems sieht sich die Deutsche Bahn wachsender Kritik aus der Politik ausgesetzt. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU - Bundestagsfraktion, Dirk Fischer, beklagte in der "Bild am Sonntag" ("BamS"), es gebe "klar ersichtliche Mängel".

HB/dpa BERLIN. Die alte Bahncard müsse sofort wieder eingeführt und die Stornogebühren müssten erheblich gesenkt werden. Der Verkehrsexperte der Grünen-Fraktion, Albert Schmidt, mahnte ebenfalls dringende Verbesserungen an: "Bahn-Chef Mehdorn sollte so schnell wie möglich handeln."

Hartmut Mehdorn, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, wies die Kritik in einem Gespräch mit dem "Focus" erneut zurück. Die Stiftung Warentest habe "durch realitätsfremde und einseitige Testbeispiele gezielt negative Ergebnisse herbeigetestet". Mehdorn bezeichnete Aussagen des Fahrgastverbandes Pro Bahn, jeder zweite Kunde zahle zu viel, als "in höchstem Maße geschäftsschädigend". "Für alles, was jetzt wieder einbricht, werden wir Pro Bahn verantwortlich machen."

Veränderungen am neuen System hatte die Bahn bislang frühestens in einem Jahr in Aussicht gestellt. Auch darüber wächst im Bundestag der Unmut. SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler forderte in der "BamS" eine Bestandsaufnahme nach einem Vierteljahr. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Horst Friedrich, vertrat die Ansicht, mit einem modernen Kostenrechnungssystem könne die Bahn schon im nächsten halben Jahr sehen, wo nachgesteuert werden müsse.

Das Bundesverkehrsministerium hält sich allerdings mit Kritik an der Bahn zurück. 14 Tage nach der Einführung sei es zu früh zu sagen, das neue System funktioniere nicht, erläuterte ein Ministeriumssprecher am Sonntag der dpa. Er verwies zudem darauf, dass das Preissystem Sache des Unternehmens sei. Minister Manfred Stolpe (SPD) sagte dem "Focus", wenn der Kunde das neue System nicht akzeptiere, "werden wir im Rahmen unserer rechtlichen Möglichkeiten Gespräche führen".

Das neue Tarifsystem der Bahn gilt seit dem 15. Dezember. Neben Vergünstigungen für Gruppen und Familien sollen vor allem Frühbucher mit Rabatten belohnt werden. Kritiker halten das neue System für zu kompliziert und beklagen, dass auch viele Bahnangestellte nicht mit den neuen Tarifen zurechtkämen. Im Weihnachtsverkehr hatten sich zum Unwillen der Fahrgäste lange Schlangen an den Schaltern gebildet.

Ins Kreuzfeuer der Kritik war die Bahn auch durch das Verkehrschaos an Weihnachten geraten, als es vor allem in Norddeutschland wegen Eisregens und blockierter Strecken Verspätungen von mehreren Stunden gegeben hatte. Eine generelle Einstellung des Zugverkehrs bei derartigen Witterungsbedingungen sei aber nicht geplant, erklärte die Deutsche Bahn und wies eine anders lautende Meldung von "Focus" zurück.

Mehdorn hatte dem Magazin gesagt, andere Verkehrsträger hätten bei dem schlechten Wetter ihren Betrieb einfach eingestellt. "Vielleicht sollten wir das künftig auch tun, wenn ich sehe, dass derjenige, der alles versucht, verprügelt wird, und derjenige, der nichts tut, fein raus ist." Die Bahn betonte, dies sei lediglich eine "rhetorische Überlegung" gewesen und in Vorabmeldungen verkürzt wiedergegeben worden.

Vorschläge des Fahrgastverbandes Pro Bahn, bei Eisregen Dieselloks einzusetzen, bezeichnete Mehdorn darüber hinaus als "Schwachsinn". Bei blockierten Strecken und umgestürzten Bäumen bringe auch der Einsatz von Dieselloks nichts.

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