Tarifverhandlungen
IG-Metall will mit Textilstreiks Autoindustrie treffen

Nach dem Scheitern der dritten Verhandlungsrunde für die deutsche Textilindustrie will die IG Metall mit Warnstreiks bei Zulieferbetrieben die Automobil-Industrie treffen.

Reuters MÜNCHEN. Nach dem Scheitern der dritten Verhandlungsrunde für die 190 000 Beschäftigte der deutschen Textilindustrie will die IG Metall mit Warnstreiks bei Zulieferbetrieben die Automobil-Industrie treffen. Wenn Hersteller von textilen Vorprodukten wie Sitzbezügen bestreikt würden, müssten die Autobauer mit Produktionsstörungen rechnen, warnte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern. Nach Beratungen der bayerischen Tarifkommissionen würden die Streiks voraussichtlich am 11. September beginnen. Welche Betriebe wie lange bestreikt werden sollen, sei aber noch nicht klar. Ein Audi-Sprecher erklärte, ein Streik bei den Textil-Zulieferern könne die Auto-Produktion stilllegen.

Am Dienstag waren die Gespräche zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften der Textilbranche in Bad Nauheim ergebnislos abgebrochen worden. Ein neuer Verhandlungstermin wurde nicht vereinbart. In Hessen und Rheinland-Pfalz wurden am Freitag bereits erste Betriebe bestreikt. Die Gewerkschaften fordern nach eigenen Angaben eine Lohnerhöhung von fünf Prozent, die Arbeitgeber hätten 3,5 % mit einer Laufzeit von 24 Monaten geboten. Als unerfüllbar bezeichnete Neugebauer die Forderung der Arbeitgeber nach Öffnungsklauseln zum Absenken der tariflichen Mindesteinkommen durch betriebliche Vereinbarungen.

Mit der Bestreikung der Autozulieferbetriebe wolle die bayerische IG Metall mit wenig Aufwand große Wirkung erzielen, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft. Die Betriebe hätten oft extrem kurze Lieferzeiten von zum Beispiel drei Stunden. Deshalb würde ein Streik bei diesen Unternehmen unmittelbar auf die Produktion der Autobauer durchschlagen. Der Audi-Sprecher bestätigte das. Wenn einer der Audi-Zulieferer betroffen sei, könnte die Produktion zum Stillstand kommen. "Autositze kann man nicht nachträglich einbauen". Ein BMW-Sprecher sagte, ohne Informationen darüber, welche Betriebe bestreikt würden, könne er die Konsequenzen für die Produktion nicht abschätzen. Bis zu einem gewissen Grad könne der Konzern die Lieferungen von Vorprodukten auch umschichten.

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