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Taschen zu und Hosen voll?

Schwere Zeiten für Gründer: Nach dem Internet-Crash sitzen viele Wagniskapitalfonds auf ihrem Geld.

Konnten sie im Boom Ende der neunziger Jahre gar nicht schnell genug auf den New-Economy-Zug aufspringen, zögern sie jetzt mit jeglichem neuen Engagement in Start-up-Unternehmen. Was einst innerhalb von Tagen entschieden wurde, wird nun monatelang akribisch geprüft. Wie sollen junge Unternehmer darauf reagieren?

Das A und O, darüber waren sich jetzt Teilnehmer einer Podiumsdiskussion in Leipzig einig, ist Vertrauen. Die "Boygroups" des Internet-Booms - glatte, mit allen Wassern gewaschene Harvard-Absolventen und Ex-McKinsey-Berater mit dem Verkaufen von Businessplänen als Kernkompetenz - haben ausgedient. Gefragt sind wieder solide, glaubwürdige Jungunternehmer mit Branchenkenntnissen und technologischem Hintergrund. Doch auf den Punkt kommen müssen sie schon: Wer nicht auf den ersten zwei Seiten des Businessplans klar macht, was der Knackpunkt an seiner Geschäftsidee ist, kann nach wie vor nicht damit rechnen, dass sich noch jemand durch die restlichen 30 Seiten ackert.

Stimmen muss nun auch das Controlling - von Anfang an sollen die jungen Gründer ihre Kosten und ihr Wachstum im Griff haben, fordern die Investoren. Schließlich ist es der Gründer-Fehler Nummer eins, die eigenen Fähigkeiten und Chancen maßlos zu überschätzen und die Risiken und die Konkurrenz sträflich zu unterschätzen.

Doch selbst der Muster-Gründer, der all das beherzigt, hat es heute schwerer als vor zwei oder drei Jahren, Wagniskapital zu bekommen. "Taschen zu und Hosen voll", lautet der Spott über die rasend schnell gewachsene Investorenszene. In der Tat, viele Venture-Kapitalisten haben sich aus der Finanzierung von Start-up-Firmen ganz zurückgezogen - sei es, weil sie selbst am Ende sind, sei es, weil sie das Risiko scheuen, nachdem sie sich mit Internetfirmen die Finger verbrannt haben oder sei es, weil sie das gebunkerte Geld für Folgefinanzierungen ihrer Portfolio-Unternehmen brauchen. Doch, auch das eine Botschaft des Podiums, es gibt noch Geld für gute Gründer - auch wenn es schwerer zu finden ist als bisher.

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