Taschencomputer werden zu Diktiergeräten
Spracherkennung erobert die Amtsstube

"PC zum Diktat". Der Computer am Arbeitsplatz sollte die Sekretärin ersetzen. Doch daraus wurde nichts. Der diktierte Brief war voller Fehler, die Erkennungsrate zu niedrig. Diktiersoftware hat sich bislang nur bei Rechtsanwälten und Medizinern bewährt, weil hier der Umfang der verwendeten Wörter überschaubar ist und der Computer am wenigsten Fehler machte.

MÜNCHEN. Von ihrem Anspruch, jedem Computernutzer das Schreiben von Briefen per Spracheingabe zu ermöglichen, haben sich die Anbieter von Diktiersoftware wie Scansoft oder IBM dennoch nicht ganz verabschiedet. Sie versuchen durch Verbesserungen bei der Spracherkennung und Spracheingabe, die Software weiterhin für möglichst viele Nutzer interessant zu machen.

So hat Scansoft bei seiner neuesten Version des Diktierprogramms "Dragon Naturally Speaking 7" , die jetzt vorgestellt wurde und Ende Juni in den Handel kommt, vor allem das Wortschatztraining verbessert. Mit der neuen Version ist auch die Spracherkennung per Taschencomputer möglich. Das Programm setzt Diktate, die mit dem Pocket-PC aufgenommen wurden, bei der Synchronisierung mit dem PC automatisch um.

Zusätzlich wurde ein so genanntes Erkennungscenter geschaffen, über das die Software bereits Dokumente, die auf dem PC gespeichert sind, statistisch auswertet und die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der bestimmte Worte einander folgen. "Mit solchen Methoden gelingt es den Herstellern, die Umwandlung von Sprache in Text mehr und mehr zu verbessern", erläutert Reinhard Karger, Leiter des deutschen Demonstrationszentrums für Sprachverarbeitung bei der Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) in Saarbrücken, den Trend. Nützlich ist dies vor allem für Büros, die sich immer mit der gleichen Thematik beschäftigen, so dass die Software die geläufigen Begriffe sozusagen über das statistische Erfassen der vorhandenen Dokumente selbst lernt und einen fachspezifischen Sprachschatz aufbaut. "Wenn sich dann die Sprecher noch die Zeit nehmen und das System auf ihre Stimme trainieren, dann bringen die heutigen sprecherabhängigen Diktiersysteme Leistungen, die sich durchaus sehen lassen können", sagt der DFKI-Forscher.

Kein Wunder, dass Scansoft als nächste größere Anwendergruppe die Beamten in der Verwaltung ins Visier genommen hat. So war der Ort, an dem das US-Softwarehaus mit Sitz in Peabody (Massachusetts) die neueste Version seiner Spracherkennungssoftware vorstellte, mit Bedacht gewählt. Im neuen Technischen Rathaus hinter dem Münchner Ostbahnhof ist das Baureferat der Bayerischen Landeshauptstadt zu Hause. Dort gibt es jede Menge Berichte zu schreiben.

Neben dem Diktieren von Texten hofft Scansoft künftig auch vom wachsenden Bedarf an Sprachtechnik im Auto sowie in der Telekommunikation zu profitieren. Durch die Übernahme der Sprachtechnologien von Lernout & Hauspie (Natural Speaking) und dem niederländischen Philips-Konzern (Spracherkennung und-ausgabe im Auto) hat sich das Softwarehaus zu einem führenden Anbieter entwickelt.

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