Tat auf Video festgehalten
Entsetzen über Mord an US-Journalist

Die Ermordung des US-Journalisten Daniel Pearl durch pakistanische Extremisten hat weltweit Entsetzen und Trauer ausgelöst.

afp ISLAMABAD. Einen Monat nach seiner Entführung ging beim US-Konsulat in der Hafenstadt Karachi ein Video ein, das die Enthauptung des 38-jährigen Korrespondenten des "Wall Street Journal" zeigt. US-Präsident George W. Bush sprach am Freitag von einem "barbarischen Akt", der die USA in ihrem Kampf gegen den Terrorismus bestärke. Regierungen und internationale Organisationen zeigten sich tief betroffen. Pearl war am 23. Januar auf dem Weg zu einem Interview mit einem Moslemführer verschleppt worden. Er hinterlässt seine schwangere Ehefrau.

Nach Angaben pakistanischer Ermittler wurde das Band dem US-Konsulat in Karachi am Donnerstagabend Ortszeit durch einen für das FBI arbeitenden pakistanischen Journalisten übergeben. Ein pakistanischer Ermittler sagte der Nachrichtenagentur AFP, Pearl sei plötzlich der Kopf abgeschlagen worden, während er in die Videokamera sprach. Auf dem dreiminütigen Band seien von den Tätern lediglich die Hände zu sehen. Offenbar seien mindestens zwei Menschen an der Ermordung beteiligt gewesen. Wann Pearl getötet wurde, ging aus den Aufnahmen nicht hervor.

US-Außenamtssprecher Richard Boucher kündigte eine enge Zusammenarbeit mit Pakistan bei der Verfolgung der Täter an. Bush sagte während seines Staatsbesuchs in China, "barbarische Akte" wie dieser bestärkten die USA in ihrer Absicht, die Welt von den "Urhebern des Terrors" zu befreien. Der Familie sprach er sein Beileid aus. Er bedauere vor allem Pearls ungeborenes Kind. Pearls Familie erklärte im kalifornischen Sherman Oak: "Danny war unser geliebter Sohn, Bruder, Onkel, Ehemann und Vater eines Kindes, das er nie kennenlernen durfte".

Die Bundesregierung äußerte sich "zutiefst bestürzt" über die Bluttat. In einem Beileidsschreiben an Pearls französische Frau Marianne nannte Frankreichs Präsident Jacques Chirac die Tat "Terrorismus von der grausamsten Sorte". Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan und der EU-Außenbeauftragte Javier Solana äußerten sich "tief betroffen" über den Tod Pearls. Die EU-Kommission erklärte, die Bluttat stelle einen Schlag gegen die Pressefreiheit auf der ganzen Welt dar und richte sich gegen "die Fundamente" der Demokratie.

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf zeigte sich "tief betroffen" und kündigte die Verfolgung der Verantworlichen an. Auch radikale islamische Parteien in Pakistan verurteilten die Ermordung Pearls als "anti-islamisch". Der "brutale Mord an einem unschuldigen Mann" widerspreche den Prinzipien des Islam, erklärte die ultraradikale Partei Jamiat Ulema-i-Islam.

Pearls Kollegen beim "Wall Street Journal" zeigten sich "verzweifelt" über den Mord. Den Tätern werde es nicht gelingen, Journalisten durch Gewalttaten von ihrer Arbeit abzuhalten. Die Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" erklärte, für die Medien sei es wichtiger denn je, aus gefährlichen Regionen zu berichten.

Daniel Pearl und seine Frau Marianne berichteten seit Anfang 2000 vom indischen Bombay aus insbesondere über die Welt des Islam. Der Korrespondent des "Wall Street Journal" arbeitete an einem Artikel über islamischen Extremismus in Pakistan und mögliche Verbindungen zum britischen "Schuhbomber" Richard Reid. Unbekannte verschleppten Pearl auf seinem Weg zu einem Interview mit dem militanten Moslemführer Ali Schah Gilani. Seine Entführer forderten von der US-Regierung die Befreiung pakistanischer Häftlinge aus der kubanischen US-Militärbasis Guantánamo. Die US-Regierung lehnte dies ab. FBI und pakistanische Polizei fahndeten einen Monat lang erfolglos nach Pearls Entführern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%