Tat von langer Hand geplant
Drama in Friedensschule unblutig beendet

Ein Geiseldrama an einer Schule in Waiblingen (Baden-Württemberg) ist am Freitagabend nach sechseinhalb Stunden voller Angst unblutig zu Ende gegangen.

HB/dpa WAIBLINGEN. Der 16 Jahre alte bewaffnete Täter gab nach Verhandlungen mit der Polizei schließlich auf und ließ seine beiden letzten Geiseln, zwei elf und zwölf Jahre alte Jungen, frei. Zuvor hatte er schon zwei andere Geiseln gehen lassen. Bewaffnet mit einer Luftdruckwaffe hatte sich der Jugendliche zusammen mit seinen Opfern am Nachmittag im Computerraum der Friedensschule im Waiblinger Stadtteil Neustadt verschanzt. Er forderte eine Million Euro, ein Fluchtfahrzeug sowie ein neues Handy.

Die Polizei setzte nach Aussage eines Sprechers auf eine Taktik der Deeskalation. "Das Szenario ist kalendermäßig abgelaufen", sagte Landespolizeipräsident Erwin Hetger am Abend vor der Presse. In die Verhandlungen habe die Polizei auch einen guten Bekannten des Jugendlichen eingebunden.

Der Geiselnehmer habe seine Tat von langer Hand geplant und sie aus Geltungsbedürfnis verübt, sagte Hetger. "Es war keine Spontantat. Der Täter hat mit Freunden darüber geredet." In seiner Wohnung sei auch ein Buch mit Aufzeichnungen über Geiselnahmen gefunden worden. Außerdem habe er Probleme und Schulden gehabt. Als Motiv nimmt die Polizei Geltungsbedürfnis an. Der Täter wurde festgenommen. Er soll am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Der Jugendliche hatte seit dem Nachmittag in seiner ehemaligen Schule mehrere Schüler in seiner Gewalt gehalten. Der Täter sei sich der ernsten Lage bewusst gewesen, erklärte am Abend ein Polizei- Sprecher in der ARD. Es war zunächst unklar, ob es ihm tatsächlich um das geforderte Lösegeld in Höhe von einer Million Euro ging oder um das Aufsehen, das mit einer solchen Tat verbunden sei.

Schüler der Friedensschule berichteten, der Täter habe keinen Abschluss erhalten und sei zuvor schon von mehreren Schulen geflogen. Die Jugendlichen zitierten den mutmaßlichen Täter mit den Worten, dass er noch "ein großes Ding" an der Schule loslassen und sich "rächen" wolle. Der 16-Jährige gilt als Bundeswehr-Fan, der regelmäßig Tarnkleidung und eine schusssichere Weste trage. Er soll bei einer Security-Firma gearbeitet und sich mit dieser Aufgabe gebrüstet haben.

Das Drama hatte gegen 15.00 Uhr begonnen. Nach Aussage einer Schülerin, die bei der Geiselnahme freigelassen wurde, hatten sich die zunächst vier noch festgehaltenen Geiseln "freiwillig" gemeldet. Der Täter sei in den Computerraum gekommen und habe die Lehrerin gefragt, ob er ins Internet dürfe, sagte die Zwölfjähriger dem Radiosender "Hit-Radio Antenne 1". Anschließend habe er seine schusssichere Weste geöffnet, eine Waffe gezogen und die Schüler der sechsten Klasse bedroht. Danach habe er gesagt, "wer Angst habe, kann rausgehen". Vier Schüler hätten sich darauf hin freiwillig zum Bleiben gemeldet. Die Lehrerin kam kurze Zeit danach frei.

Die Friedensschule ist ein Schulzentrum mit Grundschule, Hauptschule mit Werkrealschule und Realschule. Derzeit werden dort rund 750 Schüler unterrichtet.

Die Geiselnahme in Waiblingen rief auch die Schreckensbilder aus Erfurt im April dieses Jahres in Erinnerung. Ein 19-jähriger Amokläufer hatte an seiner ehemaligen Schule, dem Gutenberg- Gymnasium, 16 Menschen erschossen. Unter den Toten waren 12 Lehrer, zwei Schüler, eine Sekretärin und ein Polizist. Der Amokläufer hatte sich nach dem Massaker selbst getötet.

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