„Tatwaffe Telefon“
Die neuen Tricks der „Anlagehaie“

Verbraucherschützer haben vor neuen Tricks dubioser Kapitalanlagehaie bei Immobiliengeschäften gewarnt. Nach einem telefonischen Erstkontakt, in dem Kunden mit angeblichen Umfragen zur Steuerbelastung geködert werden, vermittelten die Anbieter überteuerte Immobilienanlagen.

dpa BERLIN. "Ganz aktuell läuft seit einiger Zeit die Masche der "denkmalgeschützten Steuersparmodelle'", sagte der Finanzexperte der Berliner Verbraucherzentrale, Volker Pietsch. In einem dpa-Gespräch appellierte er an die Politik, vor dieser "gefährlichsten Kapitalanlage überhaupt" einen Riegel zu schieben. "Bisher wollte aber die Politik nicht hinschauen."

Zehntausende seien bereits Opfer dieser kriminellen Anbieter geworden und wegen hoher Kredite in den wirtschaftlichen Ruin getrieben worden. Nach Erkenntnissen von Pietsch, dessen Arbeitsgruppe "Grauer Kapitalmarkt" bundesweit das Treiben unseriöser Geschäftemacher beobachtet, sind seit längerem Hunderte von Vertriebsfirmen unterwegs, die zusammen mit Notaren, Bauträgern und auch Banken Immobilien und Kredite vermitteln.

Pietsch verwies darauf, dass telefonischer Erstkontakt nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verboten ist. "Schon daran erkennt man sofort einen absolut unseriösen Anbieter", sagte er. Verbraucher gingen mit den oft sympathisch klingenden Anrufern aber zu lax um und würden die "Tatwaffe Telefon" nicht erkennen.

Sind Kunden Pietsch zufolge in der vorgetäuschten Umfrage nach dem Spruch "Sie wollen doch sicher auch Steuern sparen" und einem ersten Treffen erst einmal geködert, versuchten Vermittler diese sogar noch während der notariellen Beurkundung beim Notar zu beruhigen, es handele sich nur um ein Angebot.

"Tatsächlich entsteht mit der Annahme des notariell beurkundeten Angebotes aber ein rechtsverbindlicher Kaufvertrag". Ein Rücktritt koste dann "astronomische Summen" und sei selten erfolgreich. Durch den vorgegaukelten Hinweis auf denkmalgeschützte Steuersparmodelle fühlten sich Verbraucher quasi in "staatlicher Obhut", so dass Zweifel verdrängt würden.

Viele mittlere Einkommensschichten würden Kredite von 75 000 Euro und mehr aufnehmen, um die zumeist "völlig überteuerten Schrottimmobilien" zu erwerben. Hoffnungen, Mieteinnahmen und Steuererstattungen würden die Kredite praktisch von selbst abzahlen, seien trügerisch, so Pietsch. "Die Vermittler, die oft um die 30 Jahre alt sind und nicht selten schon einen Porsche oder Ferrari vor der Tür stehen haben, arbeiten mit unseriösen Notaren und Bauträgern zusammen", sagte Pietsch.

"Mitternachtsnotare" seien zu jeder Zeit bereit für Beurkundungen. "Leider spielten lange auch Banken eine üble Rolle beim Abschluss von Kreditverträgen", sagte der Finanzexperte: "Die haben sich alle zusammen getan und Sanierungsgebiete, insbesondere in Ostdeutschland herausgesucht."

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