Tauchboot schippert an der Leine
U-Boote für die Freizeitunterhaltung

Baltic Submarine baut derzeit Touristik-U-Boote, in denen 20 Passagiere Platz haben. Doch anders als bisherige Tauchboote werden die neuen Boote von einem Begleitschiff über Kabel mit Luft und Strom versorgt. Diese Konstruktion sorgt dafür, dass die Unterwasserfahrt länger dauern kann und zudem komfortabler ist.

ROSTOCK. 20 000 Meilen unter dem Meer könnten die Boote im Laufe ihres 15-jährigen Einsatzes schaffen. Aber der Kapitän hat nichts mit dem geheimnisvollen Nemo von Jules Verne zu tun, sondern er ist Angestellter eines Hotels oder eines Reiseveranstalters mit einem Führerschein, der erst noch geschaffen werden muss. Die Passagiere sind keine Schiffbrüchigen, die zufällig an Bord gespült wurden, sondern Touristen, die eine einstündige Fahrt durch die Unterwasserwelt gebucht haben. Und dabei legen sie eine Strecke von einem bis höchstens 1,8 Kilometer zurück. Die Rede ist von Tauchbooten für die Freizeitunterhaltung. Bauen will sie die Rostocker Baltic Submarine Germany GmbH.

Nach den Plänen des geschäftsführenden Gesellschafters Jörn Lutat und seines im Unterwasserschiffbau erfahrenen Technikers Uwe Stabenow sollen die zivilen U-Boote mit bis zu 20 Passagieren Rundfahrten in Tiefen zwischen 25 und 50 Metern absolvieren. Tiefere Rundfahrten hätten keinen Zweck, sagen Lutat und Stabenow, denn da unten sei es zu dunkel. Auch sei bis 50 Metern Wassertiefe ein normaler Tauchereinsatz für Hilfs- oder Rettungsarbeiten ohne größere Probleme möglich.

Für die technische Konstruktion machte sich das Rostocker Unternehmen die Erfahrungen mit bereits gebauten Touristik-U-Booten zu Nutze. Diese Boote basierten oft auf Bauplänen von militärischen U-Booten. Das Problem ist aber, dass im Marinebau überaus teure Komponenten verarbeitet werden - Baukosten spielen dort nur eine untergeordnete Rolle. Außerdem hat es sich herausgestellt, dass es für Schiffe mit Plätzen für 40 Passagiere nur wenige Reviere gibt, die sich von der Nachfrage her lohnen. Folglich sind kleinere Schiffe für maximal 20 Passagiere ausreichend, doch die wurden bislang nach den gleichen technischen Prinzipien gebaut. Damit sind sie teuer in der Anschaffung und angesichts halbierter Einnahmen unwirtschaftlich im Betrieb.

Baltic Submarine will deshalb beim Bau auf vorhandene Standardkomponenten wie Motoren, Getriebe und ähnliches zurückgreifen und nur die wasser- und druckdichten Gehäuse speziell fertigen lassen. Das spart Kosten. Der Clou aber ist, dass Baltic Submarine das U-Boot "an die Leine" nimmt. Über Kabel wird das Tauchboot von einem Begleitboot, das sich auf der Wasseroberfläche befindet, mit Strom und Atemluft versorgt. 5 000 Liter Luft werden pro Minute in das aus 20 Millimeter-dickem Stahl gefertigte Boot gepumpt. Die Abluft strömt direkt in das Wasser hinter dem Boot.

Damit hat das U-Boot eine fast unbegrenzte Einsatzdauer, einen deutlich verringerten Wartungsaufwand und eine problemlosere Kommunikation mit dem Begleitboot. Außerdem biete es den Passagieren mehr Komfort, da der Raum für die großen Antriebsbatterien eingespart werde, preist das Unternehmen an. Mit einem Rumpfdurchmesser von 2,10 Metern bietet das Boot eine Höhe, die einen halbwegs aufrechten Gang zulässt. Jeweils zwei Passagiere sitzen Rücken an Rücken quer vor den Acrylfenstern, die einen Durchmesser von 80 Zentimetern haben.

Ein wesentlicher Aspekt sei die Sicherheit, sagt Techniker Stabenow. So wird Notsauerstoff für 72 Stunden mitgeführt. Kommt es hingegen zum Notfall beim Begleitschiff, kann das U-Boot mit Hilfe einer eigenen Batterie eigenständig manövrieren. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei drei Knoten, das sind 5,5 Stundenkilometer. Aufgetaucht wird konventionell mit Hilfe von Pressluft, die das Wasser aus den Tauchtanks drückt, oder im Falle eines Versagens durch Abwurf von Festgewichten, die das Boot dann automatisch auftauchen lassen.

Um Risiken auszuschließen, hat sich Baltic Submarine der Hilfe der Klassifikationsgesellschaft Germanischer Lloyd (GL) versichert. Die technische Grundkonzeption der Rostocker Tauchboote sei möglich und machbar, urteilt GL-Sprecher Claus-Peter Davenport. Es bedürfe noch kleiner Modifikationen. Davenport bestätigt, dass Baltic Submarine eine offizielle Anfrage zur Begutachtung und Klassifikation der Tauchboote gestellt habe. Schon vor der Phase der Konstruktion sei eine derartige Begutachtung sinnvoll.

Auf der Internationalen Tourismus- Börse (ITB) in Berlin wurden nach Lutats Worten die ersten Kontakte geknüpft. Zehn ernsthafte Anfragen würden derzeit bearbeitet. Die Projektkosten für ein U-Boot für 16 Passagiere einschließlich Begleitboot und Unterhaltung beziffert Lutat auf rund 500 000 Euro. Unter der Annahme eines Fahrpreises von 40 bis 50 Euro, einer Auslastung von durchschnittlich zehn Fahrgästen, sechs Fahrten pro Tag und einer achtmonatigen Betriebszeit pro Jahr kommt Lutat rechnerisch für den Betreiber auf etwas über 200 000 Euro Vorsteuergewinn. Das erste Schiff soll unter Begleitung des Germanischen Lloyd Ende 2004 ausgeliefert werden.

Für den größten deutschen Reiseveranstalter, die Tui AG, Hannover, steht eine aktive Beteiligung an den Tauchbooten derzeit nicht zur Debatte, meint Tui-Sprecher Robin Zimmermann. Dies sei eher eine Angelegenheit für die Reiseagenturen vor Ort, die Ausflüge organisieren, oder für Finanzinvestoren, die die Boote dann an Agenturen verchartern. Skeptisch zeigt sich Zimmermann allerdings über die Preisvorstellungen von 40 bis 50 Euro. Dies sei eine Schmerzgrenze, die Touristen zu zahlen bereit seien. Denn je nach Angebot würden für diesen Preis bereits halbtägige Ausflüge und nicht nur einstündige Rundfahrten angeboten. "40 Euro sind schon eine Menge Geld", resümiert Zimmermann.

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