Tausch der Anleihen in Aktien
Von Marconi bleibt am Ende nicht viel übrig

Aktionäre können sich mit dem Krisenplan des Telekomausrüsters nicht anfreunden: am Montag fiel die Aktie um fast 40 %. Damit hat sie in Jahresfrist praktisch ihren gesamten Wert verloren.

fs LONDON. Gerüchte über die geplante Umschuldung des krisengeschüttelten Telekom-Ausrüsters Marconi ließen am Montag die Aktie noch einmal drastisch stürzen. Das Marconi-Papier fiel im Laufe des Tages um fast 40 % auf gut 1,5 p. Damit haben Marconi-Aktionäre innerhalb eines Jahres fast 98 % ihres Kapitals verloren.

Am Ende dürfte für die Inhaber der Papiere sogar der Totalverlust stehen. Wie es aussieht, wird Marconi bis Ende dieser Woche ein Abkommen mit seinen Gläubigern unterzeichnen, das einen so genannten "Debt for Equity Swap" vorsieht. Dem Vernehmen nach verzichten die Anleiheinhaber und Banken-Gläubiger von Marconi auf Zahlungen in Höhe von 3 Mrd. Pfund (gut 4,76 Mrd. Euro). Im Gegenzug erhalten sie die Kontrolle an der Gesellschaft. Die bisherigen Aktionäre dürften damit leer ausgehen. Einen ähnlichen Tausch hatte schon der Kabelnetzbetreiber NTL vor Monaten ausgehandelt, um die Firma (vorläufig) vor dem Ende zu retten.

Der Telekomausrüster Marconi hatte einst Geldreserven von fast 2,6 Mrd. Pfund. Mitte der 90er Jahre firmierte das Rüstungs- und Elektronik-Konglomerat noch unter dem Namen GEC und war von Lord Arnold Weinstock gut im Markt platziert. Mit der Übernahme von Lord George Simpson im Jahr 1996 wendete sich das Blatt. Er verkaufte den Verteidigungs-Bereich, benannte GEC um und kaufte auf dem Höhepunkt der Technologie-Welle Startups zu hohen Preisen, vor allem in den USA. Die Quittung für Lord Simpson kam mit einiger Verspätung: Mit dem Fall der Aktienmärkte stürzte erst der Kurs von Marconi und schließlich er selbst. Im September 2001 hinterließ er einen Scherbenhaufen, der seitdem nur noch schlimmer wurde. Das gleiche Unternehmen, das im Jahr 2000 mit gut 35 Mrd. Pfund an der Börse bewertet wurde, brachte gestern nicht einmal ein Tausendstel davon auf die Waagschale.

Bei Marconi verhandelt die Geschäftsführung noch immer darüber, den Aktionären 1 Prozent an der Firma zu überlassen. Diese Initiative dürfte aber am Widerstand der Gläubiger scheitern. Zu den größten Aktionären gehören der Fondsmanager der Schweizer Bank UBS, Global Asset Management (3,8 %), der US-Direktbroker Charles Schwab und die Fondstochter der Versicherungsgruppe Legal & General (2,52 %). Am Montag hielten sich Gerüchte im Markt, dass die Aktionäre eine Art Optionsschein erhalten, um die neuen Aktien günstiger zu erwerben.

Marconi schuldet 31 Banken insgesamt rund 2,3 Mrd. Pfund. Zu dem Konsortium gehören unter anderem die Citigroup, Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland. Obwohl die Gesamtsumme in die Milliarden geht, liegen die Einzel-Investitionen unter 50 Mill. Pfund. Desweiteren stehen vier verschiedene Anleihen im Gesamtwert von 1,7 Mrd. Pfund aus. Um den Plan so umzusetzen wie gewollt, werde das Marconi-Vermögen und die Verbindlichkeiten in eine neu zu gründende Tochtergesellschaft Marconi Corporation übertragen. An der werden die Anleiheinhaber und Banken die Mehrheit halten.

Die Marconi-Führung bekommt nach Ansicht von Analysten mit der neuen Struktur eine Atempause, aber nicht viel mehr. Ben Cohen von der Investment-Bank UBS Warburg: "Diese Industrie hat noch große Schwierigkeiten vor sich, die ganze Branche steht vor einer Konsolidierung." Sollte Marconi seine Kunden behalten können, könne das Management die Wende schaffen. Allerdings " ist es bis dahin noch ein weiter Weg." Denn von Schuldenfreiheit ist Marconi weit entfernt. Auch nach dem Deal bleiben dem einstigen Schwergewicht Schuldenbis zu 1 Milliarde Pfund.

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