Tauschgeschäft um Internet und UMTS-Mobilfunk
Suez beteiligt sich an Europatweb

Der Versorger Suez Lyonnaise steigt groß bei der Internetholding des Luxus-Investors Bernard Arnault ein. Im Gegenzug beteiligt sich Arnault am UMTS-Konsortium des Versorgers. Damit sichert Arnault seinen Internetfirmen Zugang zum mobilen Internet. Suez verbessert seine Chancen in der Telekommunikation.

abo PARIS. Der Vorstandschef der Suez Lyonnaise S.A., Gérard Mestrallet, hat so gar nichts vom jungenhaften Charme seines Kollegen bei dem konkurrierenden französischen Versorger Vivendi S.A., Jean-Marie Messier. Doch in diesem Falle war der stets als seriöser Kaufmann auftretende Mestrallet wohl der cleverere Kaufmann. Er handelte mit dem Messier-Vertrauten Bernard Arnault für 300 Mill. Euro eine 30-%-Beteiligung an dessen Internet-Holding Europatweb S.A. aus und gewann Arnault gleichzeitig als Geldgeber für Suez' UMTS-Konsortium STG3.

Für Europatweb ist der Einstieg des Suez-Konzerns ein wichtiger Schritt. Zum einen bindet er die Internetbeteiligungen der Gruppe an den Konzern an, der Frankreichs wichtigstes Breitbandkabelnetz betreibt und vor kurzem für das Internet geöffnet hat. Zum zweiten dokumentiert er die Werthaltigkeit der Holding, an der in jüngster Zeit Zweifel aufgekommen waren.

Auf rund 1 Mrd. Euro beläuft sich nunmehr die außerbörsliche Kapitalisierung der Holding. Allerdings werden vor Suez' Einstieg die beiden schwersten Beteiligungen ausgegliedert: Liberty Surf S.A mit 410 Mill. Euro Börsenwert und das Bankprojekt Ze Bank S.A., in das bisher knapp 100 Mill. Euro geflossen sein sollen.

Wie diese werden auch die Beteiligungen an der Shopping-Website e-Luxury sowie der Webguide für die Old Economy, Akka Technologies, von Arnaults Familienholding übernommen. Bei insgesamt 500 Mill. Euro Investments in das bisherige Europatweb-Portfolio seit 1999 trotzt die Holding so dem Wertverfall von Internetfirmen und weist binnen zwei Jahren eine Wertsteigerung um mehr als das Doppelte auf.

Die verbleibenden rund 50 Beteiligungen verteilen sich auf vier Sektoren. Als Portale gelten etwa das Pariser Online-Metropolen-Magazin Zurban, die Kunstmarkt-Seite Artprice und die Musikseite Peoplesound. Als Online-Marktplätze führt Europatweb neben den unter Druck stehenden Auktions-Sites Aucland und QXL Seiten wie Immostreet (Makler) und Liquidation (Überschussbestände).

Erster größerer Kontakt mit der Internetwirtschaft

Unter den E-Commerce-Beteiligungen ragen die Hochzeits-Website Alafolie und der Online-Weinversand Wine&Co heraus. Dazu kommen Technologiebeteiligungen etwa bei Cassiopee, Globeflow, Linbox und Zooba. Für Suez-Lyonnaise ist die Allianz mit der Internetholding der erste größere Kontakt mit der Internetwirtschaft im engeren Sinne. So will die Versorgergruppe, die derzeit ihr Energiegeschäft in Europa neu positioniert, vor allem von Europatwebs Erfahrungen bei der Entwicklung von Geschäften und als Inkubator profitieren. Für diese Funktionen hat Europatweb im Laufe der Zeit eine Gruppe hochkarätiger Fachleute angeworben.

Weniger wichtig dürfte ein Aspekt sein, der beim Rivalen Vivendi bisher stets im Zentrum der strategischen Überlegungen stand: Suez schätzt die Notwendigkeit, das Breitbandkabel- und künftige UMTS-Netz mit Inhalten zu füllen, geringere Bedeutung bei.

Dennoch schätzen Beobachter, dass sich einige Europatweb-Angebote gut mit Inhalten verbinden lassen, wie sie Suez' Medienbeteiligungen bereitstellen, etwa die TF 1-Gruppe. Die unter dem Namen "Noos" geführte Kabelsparte von Suez hat erst vor wenigen Wochen begonnen, über ihr Breitbandkabelnetz auch den schnellen Internetzugang anzubieten. Sie kam damit auf den Markt, kurz nachdem Konkurrent France Télécom S.A. im Großraum Paris die ersten schnellen Anschlüsse nach dem ADS-Standard freischaltete.



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