Tausende im Streik
Ost-Arbeitgeber wollen die IG-Metall verklegen

Die Metallarbeitgeber in Ostdeutschland haben erhebliche Zweifel, ob das Ergebnis der Urabstimmung für den Streik nach demokratischen Regeln zu Stande gekommen ist". Sie wollen klagen.

ap/HB CHEMNITZ. Tausende Stahl- und Metallarbeiter haben am Montag in Ostdeutschland mit ihrem Streik für die 35-Stunden-Woche begonnen. Nach Angaben der IG Metall legten 11 400 Beschäftigte in 14 Betrieben geschlossen die Arbeit nieder. Gewerkschaftschef Klaus Zwickel forderte die Arbeitgeber vor 2 500 VW-Beschäftigten in Zwickau zum Einlenken auf. Die Arbeitgeber kündigten an, die Urabstimmung für den Streik gerichtlich überprüfen zu lassen.

"Wir haben erhebliche Zweifel, ob das Ergebnis der Abstimmung nach demokratischen Regeln zu Stande gekommen ist", sagte der Präsident des Verbandes der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie (VSME), Bodo Finger, in Dresden. An der Urabstimmung hatten sich laut IG Metall 11 513 Gewerkschaftsmitglieder beteiligt, 79,7 % von ihnen waren für Streiks. In Sachsen gibt es insgesamt 125 000 Metaller. Es frage sich, ob eine Minderheit derart eine Mehrheit bestimmen könne, sagte Finger und sprach von einem Missbrauch der Tarifautonomie. Sein Verband werde beim Arbeitsgericht Frankfurt, am Hauptsitz der IG Metall, Klage einreichen.

In der Volkswagen-Motorenfertigung Chemnitz hatten 120 Beschäftigte bereits mit der Nachtschicht zu Montag mit dem Ausstand begonnen. Am frühen Morgen legten auch 2 800 Beschäftigte der EKO Stahl GmbH in Eisenhüttenstadt ihre Arbeit nieder. Mit der Nachtbelegschaft des Elektrostahlwerks Brandenburg sollte am späten Montag auch das 15. tarifgebundene Unternehmen in den Ausstand treten. Zwickel sagte, 13 Jahre nach der deutschen Einheit sei die Angleichung der Arbeitszeit überfällig. Die IG Metall richte sich auf einen langen Konflikt ein. Streikleiter Hasso Düvel forderte von den Arbeitgebern "ein verhandlungsfähiges Angebot".

VSME-Präsident Finger sprach von einem sehr engen Verhandlungsspielraum, deutete aber auch eine Kompromisslinie an: So gebe es die Möglichkeit, als tarifvertragliche Wochenarbeitszeit eine Bandbreite von 35 bis 40 Stunden zu vereinbaren. Jeder Betrieb könnte dann über die tatsächliche Arbeitszeit selbst entscheiden. Einen solchen Arbeitszeitkorridor gibt es in der westdeutschen chemischen Industrie bereits seit mehreren Jahren.

Kritik an der IG Metall übten auch Politiker der Union. CDU-Chefin Angela Merkel sagte, der Streik werde tausende weitere Stellen kosten, da die längere Arbeitszeit der einzige Standortvorteil der Branche im Osten sei. CSU-Wirtschaftsexperte Johannes Singhammer sprach von einem "gigantischen Arbeitsplatzvernichtungsprogramm".

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