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Tausende Jugendliche feiern Einheitsfeste

Für den 3. Oktober rechnet Dresden mit mehr als 100 000 Besuchern. Die Parteien streiten sich indessen um die Verdienste an der Deutschen Einheit.

dpa BERLIN/DRESDEN. Ungeachtet der Feiern zum zehnten Jahrestag der Deutschen Einheit haben sich Union und SPD am Montag erneut ihre Verdienste an der Vereinigung streitig gemacht. CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz sagte, die SPD habe damals alles versucht, den Einigungsprozess zu bremsen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte, er werde sich zu den Angriffen von Altkanzler Helmut Kohl (CDU) nicht äußern. Brandenburgs SPD-Chef Matthias Platzeck wies Kohls Äußerungen über ein Versagen der SPD bei der Einheit zurück. In Dresden und der Gedenkstätte Marienborn feierten tausende Jugendliche schon am Vortag des 3. Oktober die Deutsche Einheit. An diesem Dienstag findet in Dresden der zentrale Festakt statt.

Der ehemalige CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble nannte den Parteienstreit über die Einheit überflüssig. "Die Deutsche Einheit gehört nicht einer Partei, auch nicht einem Politiker. Die Wiedervereinigung gehört vielmehr allen Deutschen, und sie ist im übrigen auch ein Ergebnis der europäischen Einigung", sagte Schäuble im Bayerischen Rundfunk. Auch Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) sagte, für den Streit habe er nur bedingt Verständnis. Er beschuldigte aber Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), als niedersächsischer Regierungschef gegen die Wirtschafts- und Währungsunion gestimmt zu haben. CDU-Chefin Angela Merkel hatte eine Debatte über den Anteil der Parteien an der Vereinigung befürwortet.

"Historische Leistung verknüpft mit dem Namen der Union"



Polenz sagte, die Tür zur Einheit habe nur einen Spalt breit und wenige Wochen lang offen gestanden. "Diese historische Leistung wird immer mit dem Namen der Union verknüpft bleiben." Schäuble gab SPD - Generalsekretär Franz Müntefering die Schuld am Parteienstreit. Dessen Äußerungen über den Beitrag Kohls zur Wiedervereinigung seien "albern" gewesen. Kohls Leistung bleibe unbestreitbar. Platzeck sagte zu Kohls Vorwürfen: "Ich finde nichts schräger als das, was da in den letzten Tagen zu hören war."

Rund 12 000 Mädchen und Jungen feierten am Montag in Dresden das "1. Kinder-, Schüler- und Jugendfest". Am einstigen deutsch-deutschen Grenzübergang Marienborn trafen sich 400 Jugendliche aus Sachsen- Anhalt und Niedersachsen zu einem Begegnungsfest mit Sport, Musik und Filmen. Für die Nacht zum Dienstag war dort ein Kreuzweg zum Gedenken an die Maueropfer geplant. Die Jugendlichen wollten dabei die Namen der Toten an Mauer und Stacheldraht verlesen. Auf dem Gelände der Kontrollstelle, die teilweise noch erhalten ist, befindet sich seit dem 13. August 1996 die Gedenkstätte Deutsche Teilung.

Vor dem Reichstag in Berlin sollte der Tag der Deutschen Einheit um Mitternacht mit zehn Gongschlägen eingeläutet werden. Bereits am Sonntag waren mehrere tausend Berliner zum Auftakt der dreitätigen Feier ans Brandenburger Tor geströmt. Am Dienstag werden zu "Deutschlands Fest" rund um das Tor rund 250 000 Menschen erwartet.

Den Auftakt der Feiern in Dresden am Dienstag bildet ein ökumenischer Gottesdienst in der Kreuzkirche, die im Wendeherbst 1989 Ort der Dresdner Friedensgebete war. Zum Festakt in der Semperoper werden Staatsoberhäupter, Regierungschefs und hochrangige Gäste aus zehn Staaten erwartet. Hauptredner ist Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac. Sprechen werden auch Bundespräsident Johannes Rau, Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) und der letzte DDR- Ministerpräsident Lothar de Maiziere (CDU). Dass Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) nicht auf die Rednerliste gesetzt worden war, hatte in den vergangenen Monaten für politischen Zündstoff gesorgt.

Zur Einheitsfeier rechnet Dresden mit mehr als 100 000 Besuchern. Vorgesehen sind unter anderem eine Raddampfer-Parade auf der Elbe und das Musik-Spektakel "Rock für Germany" mit den Prinzen, Karat, City, Echt, Peter Maffay und Udo Lindenberg. Die zentrale Feier zur Deutschen Einheit wird jährlich von dem Bundesland ausgerichtet, das den turnusmäßigen Vorsitz im Bundesrat hat.

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