Tausende Menschen protestierten gegen das Attentat
Ein Toter nach mutmaßlichem Eta-Anschlag

dpa SAN SEBASTIAN. Bei der Explosion einer Autobombe sind am Freitag in der nordspanischen Kleinstadt Hernani ein Polizist getötet und ein anderer verletzt worden. Die Behörden machten die baskische Untergrundorganisation Eta für den Terroranschlag verantwortlich. Vier Verdächtige wurden nach der Tat festgenommen. Zwei von ihnen gelten als Mitglieder eines Eta-Kommandos. Aus Protest gegen den neuen Anschlag gingen Tausende Menschen auf die Straße.

Der 15-Kilo-Sprengsatz detonierte, als die Beamten in der Nacht versuchten, ein verdächtiges Auto von der Fahrbahn zu entfernen. Ein anonymer Anrufer hatte die Polizei zuvor wegen angeblicher Ausschreitungen von Eta-Anhängern alarmiert, bei denen der Wagen als Straßenbarrikade benutzt worden sei. In Wirklichkeit wurden die Beamten aber in eine Falle gelockt. Als sie das Auto untersuchten, ließen die Terroristen die Bombe per Fernzündung hochgehen. Hernani bei San Sebastian ist eine Hochburg der Eta-Sympathisanten.

Verdächtige wurden festgenommen

Wenige Stunden nach dem Anschlag nahm die Polizei bei einer Großrazzia die Verdächtigen fest. Das Attentat wurde als Vergeltungsschlag nach der Festnahme von 15 Mitgliedern der Eta-nahen Jugendbewegung "Haika" in dieser Woche gewertet. Diese gilt als "Brutstätte" von Eta-Terroristen. Bei Demonstrationen von "Haika"-Anhängern kam es in San Sebastian am Freitag zu Straßenkämpfen mit der Polizei. Neun Randalierer wurden nach Fernsehberichten festgenommen, zwei Beamte verletzt.

Der getötete Polizist, Inaki Totorika, war 25 Jahre alt und Mitglied der regierenden nationalistischen Partei (PNV). Die Detonation riss ihm beide Beine ab. Sein 36-jähriger Kollege wurde leicht verletzt und konnte das Krankenhaus bereits verlassen. Beide Beamten gehören der autonomen baskischen Polizei ("Ertzaintza") an. Diese wurde erstmals seit fünf Jahren Ziel eines Eta-Anschlags.

27 Menschen sind seit Dezember 1999 ums Leben gekommen

Seit der Aufkündigung ihrer 14-monatigen Waffenruhe im Dezember 1999 sind bei Eta-Attentaten 27 Menschen getötet worden, vier davon in diesem Jahr. Die spanische Polizei befürchtet, dass die Organisation ihre Terroroffensive vor den Regionalwahlen im Baskenland am 13. Mai noch verstärken und dazu die am Mittwoch in Frankreich gestohlenen 1,6 Tonnen Sprengstoff einsetzen wird.

Spanische Ermittler kritisierten in diesem Zusammenhang die Fahrlässigkeit der Behörden im Nachbarland. Dort werde der Kampf gegen den Terrorismus nicht ernst genug genommen. Das Innenministerium in Madrid habe Frankreich bereits vor einem Monat vor möglichen Überfällen der Eta auf Sprengstoffdepots gewarnt. Die dortigen Behörden hätten die Sicherheitsvorkehrungen aber nicht verschärft. Mit dem bei Grenoble erbeuteten Sprengstoff könne die Eta mindestens ein Jahr lang weiter morden, schätzen Experten.

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