Tausende Mitarbeiter von Consolidated Freightways verlieren am „Labor Day“ ihren Job
US-Spedition gibt ohne Vorwarnung auf

Das Unternehmen kämpft zwar seit zwei Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten, aber die Schließung am Montag kam völlig überraschend. Die Firma mit 30 000 Trucks und 350 Verladestationen in Nordamerika wird liquidiert.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Die Nachricht erreichte die 15 500 Mitarbeiter am "Labor Day", dem "Tag der Arbeit" - einem der wichtigsten Feiertage in den USA: Ihr Arbeitgeber Consolidated Freightways Corp. (CF) ist pleite, der Betrieb wird mit sofortiger Wirkung eingestellt. CF gehört mit einem Jahresumsatz von mehr als 2 Mrd. $ zu den größten Speditionen der USA.

Wer die Neuigkeiten aus dem Munde von Konzernchef John Brincko hören wollte, rief eine gebührenfreie Nummer an und lauschte der dort aufgezeichneten Nachricht: "Ich habe eine extrem dringende und traurige Nachricht für Sie - Ihr Arbeitsverhältnis ist beendet." Niemand brauche am Dienstag zur Arbeit zu kommen. Die Beschäftigten wussten zwar, dass es dem Unternehmen nicht gut geht. Doch dass das Ende so nah war, glaubte niemand.

Wer am Montag, dem Feiertag, Dienst hatte, stand bereits vor verschlossenen Türen; die Trucks blieben unbeladen an den Rampen stehen. "Es ist, als ob man seiner Frau am Valentinstag sagt, dass man sich scheiden lässt", sagte Carlos Ramos von der Teamsters-Gewerkschaft. Die will versuchen, für die Arbeitern wenigstens die ausstehenden Löhne der letzten zwei Wochen und Auszahlungen für die angesammelten Urlaubstage zu erstreiten.

Mehr als vier Fünftel der CF-Mitarbeiter erhalten ihre Papiere sofort, nur eine kleine Gruppe von Managern darf zunächst bleiben. Sie soll das Unternehmen ordnungsgemäß liquidieren.

Obwohl die traditionsreiche Spedition mit Sitz in Vancouver im US-Bundesstaat Washington eine Reihe verlustreicher Quartale hinter sich hat, kam das endgültige Aus ohne Vorwarnung. Das 73 Jahre alte Unternehmen steckt seit dem Jahr 2000 in finanziellen Schwierigkeiten. Das Geschäftsjahr 2001 endete mit einem Verlust von 104,3 Mill. $; im ersten Quartal 2002 lag das Minus bei 36,5 Mill. $. Nicht erneuerte Trucks und veraltete Computersysteme deuteten auf ernsthafte Probleme.

Vor zwei Wochen folgte dann die Ankündigung, die Veröffentlichung der Zahlen für das zweite Quartal werde verschoben. Die Folge: Der Kurs der Aktie fiel ins Bodenlose, als Penny-Stock stand der Ausschluss von der Nasdaq bevor. Consolidated Freightways gehörte zudem zu den 16 Konzernen, deren Führungskräfte bis zum Stichtag am 14. August nicht die von der Börsenaufsicht SEC verlangten eidesstattlichen Versicherungen abgegeben hatten. Die Konzerne sollten beeiden, dass die Unternehmensbilanzen der vergangenen Quartale korrekt sind.

Die Kündigung von Bürgschaften gab schließlich den Ausschlag für das Ende. Dadurch sei eine zusätzliche Finanzierungslücke von 30 bis 35 Mill. $ entstanden, sagte ein CF-Sprecher. Gespräche mit Banken und anderen potenziellen Kreditgebern hätten zu keinem Ergebnis geführt.

Zwar hat CF Gläubigerschutz nach Artikel 11 des US-Konkursrechts beantragt. Aber dieser Schutz, der normalerweise die Sanierung einer Firma ermöglichen soll, werde nur die schnelle Abwicklung der Geschäfte erleichtern, sagte der Konzernsprecher.

CF betreibt 350 Verladestationen und rund 30 000 Fahrzeuge in Nordamerika. Das Unternehmen ist die drittgrößte so genannte Less-than-truckload-Spedition, die kleinere Fracht von verschiedenen Firmen sammelt und so die Fahrzeuge füllt. US-Marktführer ist hier Yellow Corp. vor Roadway Corp. - Beide Firmen werden von der Pleite des Konkurrenten profitieren.

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