Tausende Pakistaner melden sich zum "Heiligen Krieg"
"Wir werden sie ausradieren"

Die seit vier Wochen andauernden Luftangriffe der USA gegen Afghanistan haben den Taliban bis zum Äußersten entschlossene Kämpfer aus den Reihen pakistanischer Islamisten in die Arme getrieben. In den vergangenen Tagen stürmten rund viereinhalbtausend radikale Moslems die Grenze nach Afghanistan, um für die Taliban in den "Heiligen Krieg" zu ziehen.

afp QUETTA. In der Grenzprovinz Belutschistan rekrutieren vier Organisationen täglich neue Heerscharen von Kämpfern. Die Männer werden im Umgang mit Kalaschnikows trainiert und lernen, Bomben und Minen zu legen. Im Dschihad zu sterben ist für sie der glorreichste Tod. Wenn Washington Bodentruppen entsenden sollte, werden sämtliche pakistanischen Hilfstruppen aufmarschieren, warnt der Chef der Gruppe Markezaldawa Irshad Lashkerthiaba, Abu Usama: "Wir werden sie ausradieren."

Mit gekreuzten Beinen sitzt Abu Usama auf einem großen Kissen am Boden seines Büros, dessen Wände mit kriegerischen grell-farbigen Plakaten gepflastert sind. Über ihm hängt ein Bildnis des Fundamentalistenführers Osama bin Laden hoch zu Ross, wie er mit gezücktem Schwert in den Kampf zieht - gegen wen, ist unschwer zu erraten. Ein anderes Poster in schreiendem Grün, Blau und Rot stellt einen aufgeschlagenen Koran dar, durch dessen Seiten ein Maschinengewehr gebohrt ist. Porträts von Mudschahedin mit Panzerabwehrwaffen und Waffenbilder auf Hochglanzpapier vervollständigen die Galerie. In gebrochenem Englisch erläutert der von sieben Wachmännern flankierte Usama die Arbeit seiner Organisation, die jeden US-Bürger das Fürchten lehren dürfte. "Es ist unsere Pflicht, in den Dschihad zu ziehen", betont Usama. Denn nur der "Heilige Krieg" werde die USA zur Umkehr von ihrem Krieg gegen Afghanistan zwingen können.

Allein in Quetta, das etwa 50 Kilometer von der Grenze entfernt ist, sind nach Usamas Angaben mehrere tausend Pakistaner bereit zum Kampf an der Seite ihrer moslemischen Brüder, der Taliban. Welches Gewaltpotenzial die Stadt birgt, haben schon zahlreiche gewalttätige Proteste gegen die US-Luftangriffe gezeigt. "Die USA sollten nicht unterschätzen, wie viele Leute hier sind", sagt Usama. Jeden Tag meldeten sich neue Freiwillige in seinem Büro, das hinter einer Garage in einer der belebtesten Straßen Quettas liegt. Sie alle seien bereit zu sterben. Aber auch "viele Amerikaner werden sterben", prophezeit Usama. "Darauf sollten sie sich schon einmal vorbereiten."

Die islamistischen Extremisten sind gut organisiert. Nach Angaben des Markezaldawa-Verbands werden die "Heiligen Krieger" in Afghanistan ausgebildet. Dort gibt es Militärlager, in denen die Mudschahedin auch auf Sonderkommandos vorbereitet werden. Aber auch Lebensmittel und warme Kleidung werden aus Pakistan an die Taliban geliefert.

Die Kriegsbegeisterung vieler Pakistaner erklärt Usama damit, dass die USA nicht nur die Taliban, sondern "alle Moslems" angegriffen hätten. Zwar haben sich die arabischen Staaten nach den Terroranschlägen vom 11. September, als deren Drahtzieher Bin Laden gilt, mit den USA solidarisiert. Doch gehen die Bekundungen in den Augen Usamas lediglich auf die Staats- und Regierungschefs zurück und spiegeln nicht die Stimmung in der Bevölkerung wider.

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