Tausende Passagiere betroffen
Können Flugpassagiere bei Streiks Regressansprüche stellen?

ddp/vwd FRANKFURT. Die Lufthansa-Piloten machen ernst. Nachdem die Tarifgespräche am frühen Mittwochmorgen erneut ergebnislos vertagt wurden, hat die Pilotenvereinigung Cockpit für Donnerstag einen 24-stündigen Ausstand an allen deutschen Flughäfen angekündigt. Beim ersten Streik am Freitag vergangener Woche waren rund drei Viertel von 500 Lufthansa-Flügen ausgefallen. Etwa 30.000 Passagiere waren betroffen. Sie mussten sich - wenn sie ihren Abflug nicht gleich auf einen anderen Termin verschoben hatten - stundenlang in Geduld üben oder auf die Bahn umsteigen.

Linienflug oder Pauschalreise?

Welche Rechte und Ansprüche Flugpassagiere im Falle eines Streiks haben, hängt davon ab, ob sie einen Linienflug oder eine Pauschalreise gebucht haben. Auf der glücklicheren Seite sind grundsätzlich die Pauschalreisenden. "Sie haben auf jeden Fall Ansprüche", betont der Frankfurter Reiserechtsexperte Jack Bechhofer. In Frage kommen dabei die Minderung und der Schadenersatz.

Fünf Prozent pro Stunde

Bei der Minderung gilt: Eine Verzögerung bis zu vier Stunden muss der Charter-Passagier nach allgemeiner Rechtsprechung hinnehmen. Ab der fünften Stunde allerdings stehen ihm pro Stunde fünf Prozent des Tages-Reisepreises zu, maximal aber 20 Prozent des Gesamtreisepreises. Bei einer 2.000 Mark teuren Pauschalreise, die zehn Tage dauern soll, stehen dem Kunden also ab der fünften verspäteten Stunde zehn Mark zu.

"Nutzlos aufgewandte Urlaubszeit"

Darüber hinaus kann er beim Reiseveranstalter den materiellen Schaden geltend machen, der ihm durch die Verzögerung entstanden ist - so etwa Getränke am Flughafen oder Telefonkosten. Ein Anspruch auf Schadenersatz für "nutzlos aufgewandte Urlaubszeit" gibt es laut Bechhofer hingegen nicht, "da den Reiseveranstalter für den Streik der Piloten keine Schuld trägt".

Vorsicht bei Reiserücktritt

Möglich ist immer - und zwar für Pauschalreisende wie für Passagiere von Linienflügen - der Rücktritt von der Flugreise. Dabei läuft der Kunde allerdings Gefahr, anfallende Stornokosten zahlen zu müssen oder im schlimmsten Fall den gesamten Flugpreis zu verlieren. "Hier kommt es auch auf die Kulanz des Veranstalters beziehungsweise der Fluggesellschaft an", sagt Bechhofer.

Schadenersatz für entstandene Aufwendungen

Linienpassagiere sehen nach Auskunft des Reiserechtsexperten "normalerweise relativ wenig Geld". So sei eine Preisminderung wegen langer Wartezeiten nach der allgemeinen Rechtsprechung nicht vorgesehen. Immerhin besteht ein Anspruch auf Schadenersatz für die zusätzlich entstandenen Aufwendungen, also Verpflegung, Telefonkosten oder im Extremfall auch Übernachtungskosten. Handelt es sich allerdings um einen nicht angekündigten, wilden Streik, wird "höhere Gewalt" vermutet. Der Fluggast hat dann keinen Anspruch auf Schadenersatz.

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