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Tausende Schiiten wollen nach Nadschaf marschieren

Tausende von irakischen Schiiten wollen einem Aufruf von Großajatollah Ali el Sistani folgen und nach Nadschaf marschieren, „um die Amerikaner zu vertreiben“. Der gesundheitlich angeschlagene Geistliche will offensichtlich auch selbst an dem Marsch teilnehmen.

dpa NADSCHAF/KERBELA. Tausende von irakischen Schiiten wollen einem Aufruf von Großajatollah Ali el Sistani folgen und nach Nadschaf marschieren, "um die Amerikaner zu vertreiben". Der gesundheitlich angeschlagene Geistliche will offensichtlich auch selbst an dem Marsch teilnehmen.

Einer seiner Anhänger in der Nachbarstadt Kerbela erklärte am Mittwoch, es stünden bereits Dutzende von Bussen bereit, um Freiwillige in die Pilgerstadt zu bringen. In einer Erklärung El Sistanis hieß es, Ziel des Marsches sei es, "Blutvergießen zu verhindern, den Schrein des Imam Ali Ibn Abi Talib zu retten sowie die Belagerung und die Präsenz bewaffneter Kämpfer zu beenden".

Die Getreuen des radikalen Predigers Muktada el Sadr, dessen Milizionäre sich in der Moschee verschanzt haben, begrüßten El Sistanis Rückkehr aus London und versuchten, den geplanten Marsch als Hilfsaktion für die El-Sadr-Anhänger darzustellen. Ministerpräsident Ijad Allawi hieß den Geistlichen im Namen der Übergangsregierung willkommen.

Der arabische Nachrichtensender El Dschasira berichtete, El Sistani sei am Mittag auf dem Landweg aus Kuwait im südirakischen Basra eingetroffen und wolle sich am Donnerstag auf den Weg nach Nadschaf machen. Er hatte sich in London einer Herzoperation unterzogen.

Augenzeugen beobachteten am Mittwoch in Sadr-City, Kadhimija und anderen vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadtteilen Bagdads, wie sich Menschen versammelten, um gemeinsam nach Nadschaf zu fahren. Am Nachmittag erreichte sie jedoch die Nachricht, dass der friedliche Protestmarsch gen Nadschaf erst am Donnerstag beginnen solle. Unklar war, wie die dort stationierte US-Armee auf den Ansturm der Schiiten reagieren würde.

Der Belagerungsring der US-Armee und der irakischen Soldaten rund um die Moschee in Nadschaf war in der Nacht zum Mittwoch noch enger gezogen worden. Verteidigungsminister Hasem el Schaalan hatte am Dienstag erneut mit der Erstürmung des Heiligtums gedroht. Die Sadr- Anhänger gaben sich am Mittwoch kampfbereit und verschlossen nach eigenen Angaben die sechs äußeren Türen des Moschee-Bezirks. Während die US-Armee erneut Stellungen der Milizionäre bombardierte, erklärte ein Sprecher der Miliz: "Die Mahdi-Armee wird kämpfen." Zugleich betonte er jedoch, die Milizionäre seien bereit, auf mögliche Forderungen El Sistanis einzugehen. Ein anderer Sprecher sagte laut El Dschasira, die "Mahdi-Armee" werde ihre militärischen Operationen im Süd-Irak einstellen.

Die Polizei in Nadschaf nahm unterdessen bei ihrer Suche nach Muktada el Sadr einen seiner engsten Vertrauten fest. Wie ein Polizeisprecher berichtete, wurde Ali Smeisem zusammen mit einem Anführer der Milizionäre in Nadschaf außerhalb des heiligen Bezirks festgenommen. "Bei dem Verhör konzentrieren wir uns auf die Frage, wo sich Muktada el Sadr und seine Helfer zurzeit aufhalten", sagte der Sprecher. Außerdem nahm die Polizei mehrere Anführer der "Mahdi- Armee" in einem Büro der Sadr-Anhänger in der Pilgerstadt fest. In ihrem Besitz hätten sich mehrere antike Gegenstände befunden. Es bestehe der Verdacht, dass es sich um Schätze aus der Imam-Ali- Moschee handelt.

Auch im westirakischen Falludscha wurde am Mittwoch gekämpft. Bei einem US-Luftangriff starben nach Angaben von Ärzten vier Zivilisten. Sieben weitere Menschen seien verletzt worden.

Angehörige eines im Irak entführten italienischen Journalisten richteten einen Appell an die Entführer, der von El Dschasira ausgestrahlt werden sollte. Die italienische Regierung wies die ultimative Forderung der Entführer, die Truppen aus dem Irak abzuziehen, zurück.

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