Tausende sind obdachlos: Erdbeben in China fordert mindestens 260 Todesopfer

Tausende sind obdachlos
Erdbeben in China fordert mindestens 260 Todesopfer

Bei einem verheerenden Erdbeben in Nordwestchina sind am Montag mindestens 260 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 1000 Menschen wurden verletzt.

HB/dpa PEKING. Es ist die größte Erdbebenkatastrophe in der Region Xinjiang seit der Gründung der Volksrepublik 1949. Viele Tausend Menschen sind obdachlos und mussten die Nacht bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt im Freien verbringen. "Wir brauchen dringend Nahrung und Zelte", sagte Yu Shupu in dem schwer betroffenen Stadt Chongku Qiake. "Nichts ist bisher hier angekommen."

Mehr als 10 000 Menschen mussten allein in dieser Gemeinde draußen campieren. Viele können nicht in ihre beschädigten Häuser zurück. "4000 von ihnen haben ihr Haus ganz verloren." Auch die Mittelschule stürzte ein. Die Kinder saßen gerade im Unterricht, als um 10.03 Uhr (3.03 Uhr MEZ) die Erde bebte. "Etwa 20 Schüler kamen ums Leben", sagte Yu Shupu, der für die Gemeinde arbeitet. Immer wieder gibt es Nachbeben. "Die Menschen haben Angst und sind nervös." Die Gemeinde liegt in der schwer betroffenen Region von Bachu und Jiashi östlich von Kashgar an der Seidenstraße.

Die Erdstöße erreichten eine Stärke von 6,8 auf der Richterskala und waren überall in der vornehmlich moslemisch bewohnten Region nahe der Grenze zu Tadschikistan zu spüren. Mehrere tausend Häuser sind in Bachu und Jiashi eingestürzt oder beschädigt worden. "Viele Menschen wurden in ihren Häusern von den Trümmern erschlagen." Die Rettungsarbeiten liefen, aber viele Erdbebenopfer mussten sich selber helfen. In Chongku Qiake versuchten einige Familien, die Toten zu begraben, da nach uigurischer Tradition keine Leichen über Nacht aufgebahrt werden sollen. "Vielfach sind auch ganze Familien ums Leben gekommen", berichtet Yu Shupu. Die Stimmung ist schlecht. Die Menschen trauern. "Wir können nicht alle sofort beerdigen."

Auch im Ort Alagen nahe Bachu mussten mehrere tausend Menschen bei eisigen Temperaturen von bis zu zehn Grad unter Null im Freien campieren. "Wir brauchen Zelte", hieß es auch hier. Viele Menschen seien verletzt und müssten versorgt werden. Etwa 360 000 Menschen leben in der landwirtschaftlichen und rückständigen Erdbebenregion östlich von Kashgar. "Es kommt häufiger vor, dass wir in Xinjiang Erdbeben haben, aber dieses Mal haben wir viele Tote und Verletzte", sagte der Sprecher des Erdbebenamtes in Kashgar.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) drückte in einem Schreiben an seinen chinesischen Amtskollegen, Tang Jiaxuan, sein Beileid aus. "Wir hoffen auf Rettung für die Vermissten und auf baldige Genesung für die Verletzten", schrieb Fischer.

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