Tchibo-Gesellschafter treten bei Allianz gemeinsam auf
Familie Herz legt Streit für Beiersdorf bei

Die lange Zeit zerstrittene Hamburger Kaufmannsfamilie Herz ist offenbar entschlossen, sich die Mehrheit an der Kosmetikperle Beiersdorf zu sichern. Gegenüber dem anderen Großaktionär, der Allianz, treten die Eigentümer der Tchibo-Holding jetzt geschlossen auf.

HAMBURG. Die beiden zerstrittenen Geschwistergruppen der Hamburger Kaufmannsfamilie Herz, der das Kaffee- und Zigarettenimperium Tchibo gehört, rücken zusammen. Sie wollen ihre Beteiligung am Beiersdorf-Konzern von 30 % auf eine komfortable Mehrheit ausbauen. So zieht die Herz-Familie gegenüber dem anderen Beiersdorf - Großaktionär, der Münchener Allianz-Versicherung, jetzt an einem Strang. Bislang drohte die Mehrheitsübernahme an der Zersplitterung der Familie zu scheitern.

Zusammengeführt hat die Herz- Familie der Münchener Rechtsanwalts Reinhard Pöllath, Aufsichtsratsmitglied der Tchibo-Holding. Ein Insider: "In Sachen Beiersdorf ist sich die Familie zehn Schritte näher gekommen." Die Allianz hat ihre Beteiligung am Beiersdorf-Konzern jüngst auf 43,6 % aufgestockt und denkt über eine Veräußerung nach. Dabei steht der Versicherungsriese, wie es aus Unternehmenskreisen heißt, nicht unter Zeitdruck. Neben den immensen stillen Reserven des im Kern 1938 aus jüdischem Besitz von der Allianz erworbenen Beiersdorf-Pakets will die Assekuranz, wie es heißt, auch den Paketzuschlag abschöpfen. Von daher sei es unwahrscheinlich, dass die Allianz, wie jüngst in einer WestLB-Studie angeführt, einen Teil des Pakets behält.

Der Tchibo-Konzern mit einem Gesamtumsatz von 5,4 Mrd. Euro im Jahr 2000 hält 100 % an der Kaffee- und Gebrauchsartikelkette Tchibo (Tchibo, Eduscho) , 75 % am drittgrößten deutschen Zigarettenkonzern Reemtsma ("West") sowie 30 % an der Kosmetikperle Beiersdorf AG (Nivea, Tesa).

Anfang 2001 hatten die Brüder Michael, Wolfgang und Joachim, die zusammen 50,5 % an der Tchibo Holding AG halten den ältesten Bruder Günther aus der Führung der Tchibo Holding verdrängt und den Familienkonflikt damit offensichtlich werden lassen. Günter und Schwester Daniela, besitzen zusammen 39,6 % der Anteile und sind nicht im Aufsichtsrat der Tchibo Holding vertreten. Die restlichen 9,9 % liegen bei Mutter Ingeborg, die sich aus dem Geschwisterzwist heraushält. Seither herrschte offiziell Funkstille zwischen den Geschwistern. Ohne Absprache mit Günter Herz wurde der langjährige Reemtsma-Chef Ludger Staby Anfang 2001 für ein Jahr zum Vorstandsvorsitzenden der Holding berufen. Stabys Vertrag wurde mittlerweile bis zum 30. Juni dieses Jahres verlängert.

Als sichtbare Zeichen für eine Entspannung der Auseinandersetzungen nennen Tchibo-Unternehmenskreise die jetzt erfolgte Ernennung von John Karakadas auf die seit einem Jahr verwaiste Position des Vorstandssprechers der Kaffee- und Gebrauchsartikeltocher Tchibo Frisch-Röstkaffee. Diese sei ohne die stillschweigende Zustimmung von Günter Herz kaum vorstellbar.

Ein weiteres Signal sei das Vorgehen bei Reemtsma (West). Beim Verkauf ließe sich die Familie Herz Zeit, so dass jetzt der französisch-spanische Konzern Altadis (Gauloises) sein Angebot nachbessern konnte und zu der vorher führenden Imperial Tobacco (John Players) aufgeschlossen hat. Die an vier spanischen Börsen und an der Börse von Paris notierte Altadis will dem Vernehmen nach auf der Bilanzpressekonferenz in Paris am 28. Februar Stellung zum Reemtsma-Angebot nehmen.

Auch die britische Gallaher Group (Benson&Hedges) soll "phantasievolle Modelle" unterbreitet haben, heißt es aus Tchibo-Kreisen. Demgegenüber reagiere die unter staatlichem Einfluss stehende Japan Tobacco (Camel), schwerfällig. Damit sei zweifelhaft, ob sie im Bieterprozess mithalten könne.

Die künftige Macht- und Aufgabenverteilung in der Tchibo Holding ist nach Ansicht von Beobachtern derzeit trotz der Entspannung im Familienstreit offen.

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