„Team 2006“ als Trittbrett für Talente
Völler setzt gegen Litauen auf seine Vize-Weltmeister

Nach der großen Talentschau beim Neubeginn gegen Bulgarien setzt Rudi Völler beim erhofften Traumstart in die EM-Qualifikation wieder ganz auf seine bewährten WM-Kräfte.

dpa/HB FRANKFURT. Der DFB - Teamchef berief für das Auftaktspiel am 7. September (19.30 Uhr/live ARD) in Kaunas gegen Außenseiter Litauen gleich 18 Vize-Weltmeister in seinen 20-köpfigen Kader. "Das ist das wichtigste Länderspiel in diesem Jahr, weil für alle in Deutschland schon klar ist, dass wir gewinnen werden. Dies ist eine große Gefahr", begründete ein einmal mehr als Warner auftretender Völler am Donnerstag in Frankfurt am Main den totalen Verzicht auf Experimente. Personifiziert wird die Marschroute durch die Rückholaktion des Münchners Thomas Linke.

Lediglich der Hamburger Abwehrspieler Ingo Hertzsch und Stürmer Alexander Zickler vom FC Bayern München hatten nicht zum WM-Aufgebot gezählt. Von den in der vergangenen Woche beim mäßigen 2:2 in Sofia gegen Bulgarien getesteten Talenten wurde selbst Senkrechtstarter Arne Friedrich nicht erneut berufen. Der 23-jährige Berliner soll sich wie die übrigen Hoffnungsträger zunächst im neuen "Team 2006" bewähren, das am 6. September in Mönchengladbach gegen eine Auswahl aus der Türkei ihr erstes Spiel bestreitet. "Spieler wie Friedrich, der der absolute Senkrechtstarter in dieser Saison ist, wird damit vielleicht der Gefallen getan, dass er die Möglichkeit bekommt, seine Qualitäten unter seinesgleichen zu zeigen. In der Nationalmannschaft würde er vielleicht nicht zum Einsatz kommen", erläuterte Völler.

Beim ersten Pflichtspiel nach der Weltmeisterschaft zählt für den 42-Jährigen Erfahrung mehr als Perspektive für die WM 2006. Darum heißt es etwa in der Abwehr Linke statt Friedrich. "Es ist wichtig, dass Thomas dabei ist", betonte der Teamchef, der in der Abwehr weiterhin auf die verletzten Stammkräfte Jens Nowotny, Marko Rehmer und Christian Wörns verzichten muss. Der 32-jährige Linke soll der Nationalmannschaft auch nach seinem 41. Länderspiel weiterhin als "Stand-by-Akteur" zur Verfügung stehen. "Wenn ich ihn brauche, rufe ich ihn an, und er wird auf der Matte stehen", berichtete Völler.

Mit dem Neu-Münchner Michael Ballack für den nach der WM-Endrunde zurückgetreten Bremer Marco Bode könnte Völler gegen Litauen sogar mit seiner WM-Finalelf antreten. Doch der Teamchef wiegelte ab: "Es gibt keine Sentimentalitäten. Es geht darum zu bestehen und drei Punkte zu holen." Sein erklärtes Ziel ist die Direkt-Qualifikation für die Europameisterschaft vom 12. Juni bis 4. Juli 2004 in Portugal, wozu Platz eins in Gruppe 5 nötig ist. "Wir sind Favorit, damit müssen und können wir leben. Das heißt aber nicht, dass wir automatisch Gruppensieger werden", warnte Völler. Er erwartet "ein hartes Stück Arbeit", um der Favoritenrolle gegen Litauen und die weiteren Gruppengegner Schottland (mit dem ehemaligen Bundestrainer Berti Vogts), Island und Färöer-Inseln gerecht zu werden.

Nach der Absagenflut gegen Bulgarien kann Völler bis auf Rehmer, Nowotny und Wörns sowie den langzeitverletzten Neu-Münchner Sebastian Deisler im ersten Pflichtspiel nach der WM personell aus dem Vollen schöpfen. Die gegen Bulgarien noch aus Verletzungsgründen fehlenden Stammkräfte Oliver Kahn, Dietmar Hamann, Torsten Frings und Oliver Neuville sowie die WM-Teilnehmer Christian Ziege, Jörg Böhme und Frank Baumann stehen alle wieder zur Verfügung.

Völler wird seinen Kader bereits am kommenden Dienstag in Neu- Isenburg zusammen ziehen, um ihn intensiv auf die Partie in Litauen vorzubereiten. Der 42-Jährige will keinen Schlendrian dulden. "Es wäre fatal, wenn einer von uns die Partie auf die leichte Schulter nimmt. Da werde ich sofort dazwischen hauen", kündigte der Teamchef an. Am Freitag, einen Tag vor dem Spiel, erfolgt von Frankfurt aus die Anreise nach Kaunas. Noch am Samstagabend erfolgt der Rückflug nach Deutschland - möglichst mit drei Punkten im Gepäck.

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