Team-Check: Gruppe D
Mindestens einer ist der Dumme

Tschechien, Holland, Deutschland - nach der Auslosung der Gruppe D für die Euro 2004 machte schnell das Wort von der "Todesgruppe" die Runde. Über das vierte Gruppenmitglied Lettland verlor von Anfnag an kaum einer ein Wort. Dabei wird ausgerechnet der EM-Neuling möglicherweise zum Zünglein an der Waage, zumal mindestens zwei der großen Drei mächtig taumelnd den Weg nach Portugal angetreten haben.

DÜSSELDORF. Die Niederländer wie die Deutschen bekamen von der heimischen wie der internationalen Presse und ihren Fans nach den letzten Testspielen vor dem Euro-Start mächtig ihr Fett weg. Oranje blamierte sich gegen Belgien (0:1), die Färöer-Inseln (3:0) und Irland (0:1), das DFB-Team verspielte in Rumänien (1:5) und gegen Ungarn (0:2) viel Kredit. Allein bei den Tschechen konnte man nach dem 2:0 gegen Estland von einer gelungenen Generalprobe sprechen. Doch daraus Rückschlüsse auf die wirkliche Leistungsstärke der drei Teams zu ziehen wäre falsch. Denn alle haben fraglos ihre - wenn auch durchweg unterschiedlichen - Qualitäten. Doch klar ist auch: Mindestens einer wird am Ende der Dumme sein.

Die Tschechen bevorzugen den gepflegten, aber zugleich bodenständigen Qualitätsfußball. Der Hurra-Stil liegt ihnen gar nicht. Und doch zerreißen sie sich für ihr Land. Obwohl mit zahlreichen hochkarätigen Individualisten besetzt, ist Ihr Spiel beseelt von einem reinen Gemeinschaftsgeist und einem unschuldigen Nationalstolz, der wie ein starkes unsichtbares Band das Team zu einer geschlossenen Einheit zusammenschnürt.

Kopf des Teams ist der 31 Jahre alte Kapitän Pavel Nedved. Der Mittelfeldstar von Juventus Turin ist Dreh- und Angelpunkt und wurde 2003 als zweiter Tscheche nach Josef Matopust (1962) zu "Europas Fußballer des Jahres" gekürt. Aber auch ansonsten gibt sich im Mittelfeld der Tschechen, dem Prunkstück der Mannschaft, das who-is-who des europäischen Fußballs die Klinke in die Hand: Karel Poborský hat schon bei vergangenen Turnieren seine Qualitäten bewiesen und stellt auf der rechten Seite er eine permanente Bedrohung dar. Nicht umsonst wurde der PFC CSKA Moskva-Mittelfeldspieler Jirí Jaro?ik die teuerste Neuverpflichtung eines russischen Klubs, und Liverpools Vladimír ?micer bringt die nötige Härte in ein Mittelfeld, das vor Qualität nur so strotzt. Komplettiert wird das überragende Angebot durch Dortmunds Tomá? Rosický: Blitzschnell und mit perfekter Technik ausgestattet verfügt er über die nötigen Qualitäten, um mit einem einzigen genialen Pass ein Spiel zu drehen.

Allerdings ist seit dem Ende der 28 Monate währenden Superserie von 20 Länderspielen ohne Niederlage die Euphorie im Land des Europameisters von 1976 etwas verflogen. Ende März verlor die Elf von Trainer Karel Brückner mit 1:2 in Irland, dann musste sein Team in Prag sogar eine 0:1-Heimpleite gegen Japan einstecken. Zumindest im letzten Test gegen Estland zeigte die Formkurve dann wieder nach oben.

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