Team Österreich
Niederlage in der vierten Dimension

Der Gegner der Deutschen träumt vom Viertelfinale und einem Sieg wie 1978 bei der Weltmeisterschaft in Argentinien - Trainer Josef Hickersberger versucht, die Euphorie zu bremsen.

WIEN. Rosalinde Haller sieht und hört wie ein normaler Mensch. Aber sie tut das auch im Traum. Frau Haller sagt, in "der vierten Dimension". Weshalb sie "normaler Mensch" gern spezifiziert: "Ich bin ein sehendes und hörendes Medium." Sprich, sie ist Astrologin, Parapsychologin, Energetikerin, Kartenlegerin. Und, natürlich, Hellseherin. Frau Haller wurde am Wochenende von ihren Landsleuten gefragt, ob sie in Dimension vier den Ausgang der Partie Österreich gegen Deutschland erblickt habe. Ja, habe sie, antwortete Frau Haller. "Deutschland schießt mindestens zwei, eventuell drei Tore. Für Österreich ist ein Treffer durchaus drin, ein zweiter allerdings kaum."

Aus dem Einzug ins Viertelfinale wird es für die Elf ihres Landes folglich nichts. Denn Rosalinde Haller hatte zu einem früheren Zeitpunkt im Traum auch vom Ausfall eines "wichtigen Spielers bei den Italienern gehört. Am Morgen danach rissen dem Kapitän der "Azzurri", Fabio Cannavaro, die Bänder am Knöchel. Der Weltmeister hat seitdem ein Spiel verloren und eines Remis gespielt. Ein 0:2 der Österreicher ist also wahrscheinlich, eventuell endet die Partie 1:2, oder 1:3. Unter besonderen Umständen könnte auch ein 2:3 oder 2:2 zustande kommen. Aber auf gar keinen Fall geht das Spiel 3:2 aus. Ein zweites "Cordoba" wird es demnach nicht geben.

Cordoba. Das Wunder. Im letzten Gruppenspiel bei der WM 1978 besiegte Österreich, bereits ausgeschieden, den damals amtierenden Weltmeister in der Provinzhauptstadt zwischen Pampa und Chaco mit 3:2. Alle, die wie Rosalinde Haller ein Doppelleben in der Transzendenz führen, deuten es als ein Zeichen, dass sich das "Wunder von Cordoba" nun just zum 30. Mal jährt. Anders aber als das Medium träumen sie von einer Wiederholung zum Jahrestag. Auf den Fanzonen in der Wiener Innenstadt loten die Österreicher seit Tagen lustvoll die Möglichkeit aus, alles Erstrebenswerte im Fußball an einem Abend erreichen zu können: Den ungeliebten "Fußball-Bruder" zu besiegen, ihn damit aus dem Turnier zu werfen, und sich auf den Wogen dieses außerordentlichen Triumphes ins Viertelfinale tragen zu lassen. Ein lokale Wettfirma bietet zudem seit gestern die "Cordoba-Wette an. Wer auf ein 3:2 setzt, erhält den Einsatz 78-fach zurück. Und ein "Cordoba-Snack" ist im Umlauf. Wer ihn bestellt findet zwei Weißwürste und drei Käsekrainer auf seinem Teller.

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