Team Portugal
Ein Ensemble von seltener Klasse

Portugal hat sich bisher problemlos durch die Euro 2008 gespielt, fürchtet aber die Physis der Deutschen und die Weitschüsse von Schweinsteiger - Ronaldo: "Deutschland ist die schwerste Hürde"

fha/TENERO/NEUCHÂTEL.Jens Lehmann hat zwar nicht viel gespielt in der abgelaufenen Saison beim FC Arsenal, aber er hat dennoch gut zugehört bei den Teambesprechungen. "Ein ganz gutes Rezept" gegen Cristiano Ronaldo hätten seine Mitspieler da immer gefunden, sagt der deutsche Nationaltorwart im Hinblick auf das EM-Viertefinale gegen die Portugiesen mit ihrem Superstar von Manchester United. Lehmann wird es natürlich nur intern verraten und leise Zweifel sind ohnehin geboten. Immerhin schoss Ronaldo in den Ligaspielen gegen Arsenal vorige Saison zwei Tore (eines davon allerdings per Elfmeter, gegen Lehmann, der in dem betroffenen Spiel Manuel Almunia ersetzte).

Der Respekt vor dem momentan besten Fußballer der Welt ist natürlich groß. Und was die Ausgangslage für Deutschland nicht gerade einfacher macht: "Portugal hat leider auch noch andere gute Spieler", wie Lehmann sagt. Recht entspannt marschierten die Südwesteuropäer bislang durch das Turnier, nach zwei Siegen gegen die Türkei und Tschechien stand der Gruppensieg fest, weshalb Trainer Luiz Felipe Scolari zum bedeutungslosen Match gegen die Schweiz (0:2) nur noch eine B-Elf auf das Feld schickte.

Die Portugiesen sind also ausgeruht, was sie ziemlich beruhigt. So wie Deutschland nämlich traditionell vor den individuellen Qualitäten der Südländer bangt, so fürchten diese die überlegene Physis der Deutschen. Portugal stellt mit einer Durchschnittsgröße von gut 1,80 Meter eines der kleinsten Teams bei dieser EM, schon im Spiel gegen Tschechien hatte es gewisse Probleme mit dem direkten, hohen Spiel der Mitteleuropäer. Und dann sind da noch die Weitschüsse von Bastian Schweinsteiger, dem ganz persönlichen Angstgegner von Keeper Ricardo. dem er im WM-Spiel um Platz drei und auch einmal mit dem FC Bayern gegen Sporting Lissabon nahezu identische Tore ins Netz setze.

All das mag die eigentlich zu favorisierenden Portugiesen dazu bewegen, Deutschland wie Cristiano Ronaldo als "die schwerste Hürde" zu bezeichnen. Oder wie Scolari den Gegner zu loben: "Ich mag ihre Art Fußball zu spielen, ihre Taktik und wie sie sich auf dem Platz bewegen", sagt der Coach, der mit Brasilien im WM-Finale 2002 das Deutschland von Rudi Völler bezwang und kommende Saison beim FC Chelsea Michael Ballack trainieren wird.

Dort wird er ein ähnlich gutes Ensemble beieinander haben wie jetzt in Portugal. Die "selecção" hat allenfalls kleinere Schwachstellen, wie den in der Strafraumbeherrschung flatterhaften Ricardo. Vor ihm spielt mit Pepe (Real Madrid) und Ricardo Carvalho (Chelsea) das wohl beste Innenverteidigerpaar dieser EM. Die Außenverteidiger Paulo Ferreira (Chelsea) und Bosingwa (künftig Chelsea) sind solide wie auch Mittelfeldabräumer Petit. Neben ihm agiert mit João Moutinho eines der größten Talente auf seiner Position, und dann wird es spektakulär: Regisseur Deco kann mit "einem einzigen Pass eine ganze Abwehr aushebeln" (Bundestrainer Löw). Über Cristiano Ronaldo muss man nach 42 Toren für Manchester in der abgelaufenen Saison nicht viel sagen. Auf dem anderen Flügel hat Scolari die Wahl zwischen Simão, Quaresma und Nani (Marktwert: je 20 Millionen Euro). Selbst die ewige Problemposition des Mittelstürmers scheint mit Nuno Gomes (bereits zwei Torvorlagen bei dieser EM) hinreichend gut besetzt. Vor allem diese Offensive, sagt Löw, "wird schon auch ein Thema bei uns sein".

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