Team Telekom hofft auf einige Etappensiege
Alle Augen blicken auf Armstrong

Anquetil hatte einen Poulidor, Merckx und Hinault einen Zoetemelk und Indurain einen Rominger: Es waren stets große Duelle, die der Tour de France einen besonderen Reiz gaben. Zuletzt hieß der Kampf um die Krone des Radsports Lance Armstrong gegen Jan Ullrich. Im 99. Jahr ihres Bestehens droht der Frankreich-Rundfahrt allerdings gähnende Langeweile. Die Überlegenheit des dreimaligen Siegers Armstrong könnte die 89. Große Schleife, die am 28. Juli in Paris endet, zu einer Ein-Mann-Show machen.

dpa/HB LUXEMBURG. Selten wurde ein Toursieger mit so viel Vorschuss-Lorbeeren ins neue Rennen geschickt wie diesmal Lance Armstrong. Die Fachwelt ist sich vor der am Samstag in Luxemburg beginnenden kürzesten Tour seit 1905 - 21 Etappen mit einer Gesamtlänge von 3 275,5 km - einig: Ohne Jan Ullrich scheint der vierte Sieg in Folge für den Texaner nur reine Formsache zu sein. Telekom-Routinier Udo Bölts, zum ersten Mal nach zehn Jahren nicht selbst dabei, befürchtet: "Das wird eine langweilige Angelegenheit."

Greg LeMond, wie sein US-Landsmann dreimaliger Toursieger und in der Vergangenheit oft kritischer Kommentator der Armstrong- Leistungen, ist sich sicher: "Lance holt den vierten Sieg in Folge und ich werde nicht neidisch sein." Telekom-Manager Walter Godefroot fragt wie Eddy Merckx rhetorisch: "Wer soll ihn schlagen?" Jens Voigt, im Vorjahr Etappensieger in Seraing und einen Tag in Gelb, weiß sogar: "Lance will die Tour sechs Mal hintereinander gewinnen und dann abtreten."

Nur Überheblichkeit, "ein Fieberschub, ein Sturz oder ein rabenschwarzer Tag", wie Ex-Sprinter Marcel Wüst zu bedenken gibt, könnten Armstrong auf den 3276 km zwischen Luxemburg und Paris einen Strich durch die Rechnung machen. Armstrongs Haupt-Konkurrenten - an erster Stelle werden die Spanier Igor Gonzalez de Galdeano, Joseba Beloki und Oscar Sevilla, der Kolumbianer Santiago Botero oder der Franzose Christophe Moreau genannt - stehen vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Auf Geheiß der Tour-Organisation darf die Wüst-Mannschaft Coast trotz sportlich nachgewiesener Qualifikation nicht in den Kampf eingreifen.

Aus deutscher Sicht konzentriert sich alles auf den Weltranglisten-Spitzenreiter Erik Zabel (Unna) und den Offensiv-Fahrer Jens Voigt (Berlin). Der Telekom-Kapitän, diesmal von Gian Matteo Fagnini (Italien) und dem neuen deutschen Meister Danilo Hondo (Cottbus) eskortiert, peilt sein siebentes Grünes Trikot in Folge und weitere Etappensiege (bisher elf) an. Zabel soll nicht nur auf der ersten Etappe, dem Tag seines 32. Geburtstages, Grund zum Feiern haben. Die Australier Robbie McEwen und Stuart O'Grady, den er im Vorjahr an der Spitze der Punktwertung erst am letzten Tourtag ablöste, rechnet er zu den härtesten Konkurrenten im Kampf um Grün.

"Diesmal werden wir eine völlig andere Tour bestreiten", kündigte Telekom-Teamsprecher und Ex-Profi Olaf Ludwig an. Das taktische Konzept "Alle und Alles für Ullrich" existiert bei der kürzesten Tour seit 1905 nicht. Der Patient aus Merdingen bangt nach absolvierter Reha um die volle Belastbarkeit seines operierten Knies. Erst eine Untersuchung in der Uni-Klinik Freiburg soll ergeben, ob Ullrich endlich wieder ins Training auf der Straße einsteigen kann. Nur die entscheidenden Bergetappen will sich der Olympiasieger, der ein Kommentatoren-Angebot für die Tour ablehnte, als Fernseh-Zuschauer zumuten.

"Es tut doch sehr weh, nicht dabei zu sein", sagt der Olympiasieger, der 2002 vermutlich zum ersten Mal in seiner siebenjährigen Profi-Karriere die Saison ohne ernsthafte Wettkämpfe beenden wird. Die Teilnahme an der Vuelta, die er 1999 im Jahr seines ersten Tour-Verzichts gewann, um anschließend zum ersten Mal Zeitfahr-Weltmeister zu werden, wird er wegen seines Trainings- Rückstandes kaum noch schaffen. Sie beginnt am 7. September. "Das wird knapp", sagte sein Manager Wolfgang Strohband am Mittwoch.

Je zwei Bergankünfte in den Pyrenäen und Alpen, eine auf dem gefürchteten Mont Ventoux, sechs Steigungen der höchsten Kategorie, dazu mit dem Prolog 112 km Einzelzeitfahren plus 67,5 km Mannschaftszeitfahren: Das sind die Eckdaten der Tour, die zwei Jahre nach Freiburg am dritten Tag (Luxemburg-Saarbrücken) wieder einen Deutschland-Abstecher macht.

Dort soll sie den ramponierten Radsport mit weißer Weste präsentieren. Wegen verschärfter Kontrollen und der mahnenden Ereignisse des vergangenen Giro, auf die Sponsoren mit Rückzugsdrohungen reagierten, könnte die Tour "vielleicht die sauberste seit Jahren" werden. Das vermutet zumindest Telekom-Oldie Jens Heppner.

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