Team Türkei
Weinen kann man noch nach dem Schlusspfiff

Der Orient , das weiß man spätestens seit "Sindbad" und den "Geschichten aus 1001 Nacht", ist reich an Wundersamem. Der Fußball hat den alten Legenden nun ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Die ungewöhnliche Leidensfähigkeit der türkischen Elf.

WIEN. 408 Minuten hat die türkische Nationalmannschaft inklusive Nachspielminuten bei der Europameisterschaft bisher absolviert. Und nur neun Minuten hat sie dabei in Führung gelegen und nun doch das Halbfinale erreicht. "Wir sind von Allah gesegnet", schrieb die türkische Zeitung "Sabah" nach dem Sieg gegen Kroatien. "In der Geschichte des Fußballs hat noch keiner soviel Glück gehabt wie wir."

Tatsächlich dürfte es Fußballhistorikern schwer fallen, etwas Vergleichbares zu finden. Im dritten Spiel hintereinander haben die Türken nun schon den Kopf aus der Schlinge gezogen. Im Dauerregen von Basel lagen sie gegen die Schweiz 0:1 zurück und gewannen in letzter Sekunde noch 2:1, in Genf schossen sie gegen die Tschechen in der letzten Viertelstunde gleich drei Tore zum 3:2 Sieg. Und am Freitag folgte als bisheriger Höhepunkt das Drama von Wien: Rückstand gegen Kroatien in der 119. Minute, Ausgleich in der Nachspielzeit der Verlängerung und Sieg im Elfmeterschießen.

Damit haben sich die Spieler von Trainer Fatih Terim endgültig den Ruf erarbeitet, nie schön und selten richtig gut zu spielen, aber stets das letzte Wort zu haben. Eine wirklich schlüssige Erklärung gibt es dafür nicht. Und auch Kroatiens Trainer Slaven Bilic stand am Freitag fassungslos vor einem Phänomen. "Sie haben Qualität in der Mannschaft und das besondere Etwas, das du im Fußball brauchst. Wenn sie weiter so ein unglaubliches Glück haben, können sie sogar ins Finale einziehen."

Fatih Terim grinste genüsslich, als er auf die Worte von Bilic angesprochen wurde. "Er hat Recht", sagte der türkische Nationaltrainer. "Wir haben das besondere Etwas. Ich sage zu meinen Spielern immer: Gebt nie auf. Habt keine Angst zu verlieren. Eine Partie ist erst dann zu Ende, wenn der Schiedsrichter pfeift." Und so handelten sie auch nach dem Führungstreffer der Kroaten. "Ich habe gesehen, dass einige Spieler auf dem Boden lagen. Da habe ich Arda gesagt, er soll den Ball aus dem Tor holen und weitermachen", sagte Terim.

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