Teamchef Rudi Völler nominiert Christian Ziege für die Fußball-EM nach – er soll seine ruhigen Kollegen mitreißen
Mann der lauten Töne

Vor wenigen Minuten hat Teamchef Rudi Völler verkündet, dass "der Christian Ziege zur Mannschaft stoßen wird". Christian Rahn, der linke Abwehrspieler vom Hamburger SV, wird das EM-Trainingslager verlassen, weil er angeschlagen ist. Ziege für Rahn also. Wenn man dieser Personalentscheidung eine gute Seite abverlangen mag, dann die, dass dem Teamchef eine Überraschung gelungen ist

HB FREIBURG. Ein Hauch von Yokohama zieht durchs Elztal. Die Bewohner der kleinen Schwarzwald-Gemeinde Winden sind in heller Aufregung, seit oben am Berg im Hotel Schwarzbauernhof die deutsche Fußballnationalmannschaft, der Vizeweltmeister, Quartier bezogen hat. Unten im Ortskern, wo gerade der Kiosk für die Mittagspause abgeschlossen wird, raunt ein Windener dem anderen zu: "Hascht g'heert, der Ziege kommt!" Die Bürger hier wissen eben, was wirklich wichtig ist. Vor wenigen Minuten hat Teamchef Rudi Völler verkündet, dass "der Christian Ziege zur Mannschaft stoßen wird". Christian Rahn, der linke Abwehrspieler vom Hamburger SV, wird das EM-Trainingslager verlassen, weil er angeschlagen ist. Er hat einen Muskelfaserriss in der Wade noch nicht vollständig auskuriert. "Das hat keinen Sinn gemacht", sagt Völler.

Das letzte Länderspiel, das Ziege bestritt, war das WM-Finale von Yokohama vor mittlerweile fast zwei Jahren. Es war Zieges 71. Einsatz für Deutschland, und niemand rechnete ernsthaft damit, dass der heute 32-Jährige überhaupt noch mal das Nationaltrikot überstreifen würde. Eine komplizierte Muskelverletzung, "völlig untypisch für einen Fußballer", erklärt Völler, hatte Ziege faktisch aus dem Ballsportbetrieb gezogen. Für seinen Verein Tottenham Hotspur stand er 2003 ganze 60 Minuten auf dem Rasen. In diesem Jahr absolvierte er drei komplette Spiele.

Für Völler ist das kein Grund, an Zieges "fußballerischen Qualitäten zu zweifeln". Zudem habe ihm der Spieler beim morgendlichen Telefonat noch versichert, "dass er brennt, dabei zu sein". Das mag wiederum mehrere Gründe haben. Unstrittig ist, dass sich Ziege seit seinem Debüt 1993 in der Nationalmannschaft immer sehr wohl gefühlt hat. Sein Verlangen, auch bei der EM in Portugal dabei zu sein, könnte aber auch daher rühren, sich für einen neuen Arbeitsgeber ins Gespräch bringen zu können. Manch einer glaubte, Ziege hätte seine aktive Karriere längst beendet. Bei den Spurs jedenfalls ist sein Vertrag ausgelaufen. Völler selbst gibt andere Gründe an. Er habe das Gefühl, dass Ziege mit seiner Turniererfahrung dem relativ jungen Team helfen könne. "Durch seine positive Art kann er bei einem so langen Turnier die anderen mitreißen", sagt Völler. Das habe er zuletzt in Asien gemerkt. Bei fünf der sieben WM-Spiele kam Ziege zum Einsatz.

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