Teamgeist einer verschworenen Gemeinschaft siegt über Stars
Die Europäische Union düpiert die USA

Das Golf-Team von Kapitän Bernhard Langer verteidigt den Ryder Cup mit einem Rekordsieg.

HB DETROIT. Als Oberlehrer hat Golfprofi Colin Montgomery den Deutschen Bernhard Langer einst bezeichnet, weil dieser so unglaublich pedantisch sei. Ob Montgomery darüber spottete oder diesen Charakterzug in gewisser Weise sogar bewunderte, ist nicht bekannt. Doch beide haben letztlich davon profitiert in den vergangenen Tagen, in Bloomfield Hills bei Detroit. Dort düpierte Europa den Favoriten USA und gewann mit 18,5:9,5 Punkten den Ryder Cup. "Das war ein Meilenstein im Golfsport", sagte Langer, der erste deutsche Kapitän der Europa-Auswahl. Und es war der höchste Sieg Europas in der 77-jährigen Ryder-Cup-Geschichte.

Langer hatte sein Team, dem zur Titelverteidigung ein Unentschieden gereicht hätte, mit akribischer Vorbereitung zu dem großen Triumph geführt. Dem Schotten Montgomery gelang der entscheidene Putt, mit seinem Sieg gegen David Toms brachte er Europa uneinholbar mit 14,5:8,5 in Führung. Den Tränen nahe nahm Langer den Matchwinner in die Arme. "Wir hatten in der Vergangenheit das Glück, viele gute Kapitäne zu haben", sagte Montgomery, "aber keiner ist besser als Bernhard Langer. Ich wusste, dass er die Spieler zum Team formen kann. Genau das hat er auch geschafft." Für Langer ist der Sieg "das Größte, das ich je erlebt habe". Nach einem Schluck aus der Champagnerflasche ließ er sich auf den Schultern des Franzosen Thomas Levet, der einst sein Caddie war, durch die Menge tragen.

"Wir haben den Ryder Cup auf ein neues Niveau gehoben. Gott hat uns die Kraft gegeben", sagte Langer, ein gläubiger Christ, der in Florida lebt. Der Teamgeist einer verschworenen Gemeinschaft, die Langer innerhalb einer Woche auf höchstes Niveau trimmte und taktisch hervorragend einstellte, hatte über die Stars aus Amerika gesiegt. Vier der US-Golfer - Tiger Woods (2 Punkte), Phil Mickelson (1), Davis Love III (1,5) und Stewart Cink (1,5) - gehören zu den Top 10 der Weltrangliste, mit dem Iren Padraig Harrington aber nur ein Europäer. Dieser kam allein auf vier Punkte. Jeder der Europäer steuerte mindestens einen Punkt bei, während bei den USA Fred Funk und Kenny Perry ohne Punkt blieben. Der erfolgreichste Amerikaner war Chris Di Marco mit 2,5 Zählern. In Langers Team kamen fünf Spieler auf diese Punktzahl, die besten waren Sergio Garcia (Spanien) und Lee Westwood (England) mit je 4,5 Punkten.

Der Ire Paul McGinley lobte Langer: "Wir haben so viel von Bernhards Wissen profitiert. Seine Strategie auf dem Platz und seine Ratschläge waren so wie sein Feingefühl bei der Team-Auswahl. Er hat alles richtig gemacht." Vor allem das "Kursmanagement" sei phantastisch gewesen. Loch für Loch hatte Langer seinem Team die eigene Strategie erklärt und gezeigt, wo die Bälle auf den Grüns am besten zu platzieren waren, um leichter putten zu können - eine Vorbereitung, die sich auszahlte. "Die Europäer haben unglaublich viele Putts gelocht, damit haben sie uns ausgespielt", sagte Phil Mickelson enttäuscht.

Langer denkt nun sogar darüber nach, entweder als Spieler oder erneut als Kapitän beim Ryder Cup 2006 in Irland wieder Verantwortung zu übernehmen. "Ich bin gefragt worden, ob ich Kapitän bleiben will. Aber es gibt viele, die diesen Job verdient haben - und ich möchte keinen blockieren", sagte er. Da wären der Engländer Nick Faldo und der Waliser Ian Wosnam, die beide ihr Interesse bekundet haben. Doch nach dem Erfolg von Bloomfield Hills spricht alles für Langer.

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