Teams gefährdet
Rezession bedroht Formel 1

Noch hält der PS-Boom an, doch die Rezession und die explodierenden Kosten machen der Formel 1 zunehmend zu schaffen.

dpa HAMBURG. Zwar sind nach dem Einstieg von Toyota in der noch jungen WM-Saison nunmehr sieben der zehn größten Autokonzerne in der "Königsklasse" des Motorsports dabei. Doch etliche Sponsoren haben ihre millionenschweren Engagements reduziert oder sind ganz ausgestiegen. Betroffen und bedroht sind vor allem die kleinen Teams.

Die Pleite des Prost-Rennstalls war ein erstes Warnzeichen, das der Präsident des Automobil-Weltverbandes (FIA), Max Mosley, erkannt hat. Und auch andere Führungskräfte sehen die Spar-Notwendigkeit ein. "Jeder hat kapiert, dass Kostendämpfung wichtig ist", sagt BMW - Sportdirektor Gerhard Berger. Auf Mosleys Initiative hin beschloss die FIA in der vergangenen Woche, dass ab der Saison 2004 die Teams nur noch einen Motor pro Fahrer und Rennwochenende benutzen dürfen. 30 bis 50 Mill. ? sollen die Motorenhersteller durch die Maßnahme pro Jahr einsparen. Außerdem sollen die teuren Testfahrten zwischen den Rennen eingeschränkt werden.

Doch ob die galoppierenden Kosten damit eingefangen werden, ist fraglich. Die großen Rennställe können noch gelassen bleiben, sie erfreuen sich weiterhin ungeteilter Aufmerksamkeit von potenten Geldgebern. Nach Expertenschätzungen investieren die Autokonzerne DaimlerChrysler (McLaren-Mercedes), Ford (Jaguar), Renault, Fiat (Ferrari), Honda (Jordan und BAR), BMW (Williams) sowie Toyota allein rund 1,5 Mrd. Dollar in die Teams und ihre Autos.

Die Etats der Rennställe sind entsprechend gigantisch, auch wenn über die genauen Zahlen nur spekuliert werden kann. Das Gesamtbudget aller elf Teams liegt nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 1,7 und 2,1 Mrd. Dollar. Die Rangliste führt Neuling Toyota mit 330 bis 400 Mill. Dollar an, wobei etliche Anfangsinvestitionen der Japaner in ihrem Etat berücksichtigt sind. Ferrari lässt such das Projekt Titelverteidigung rund 250 Mill. Dollar kosten, McLaren - Mercedes fährt mit rund 220 Mill. Dollar mit. BMW liegt mit geschätzten 210 Mill. Dollar dicht dahinter.

Auch beim Sponsoring können sich die großen Teams nicht beklagen. Immerhin haben sie weitere so genannte Global Player als Haupt- oder Nebensponsoren oder als Ausrüster gewonnen. So prangt das Logo des Telekommunikationsriesen Vodafone bis 2004 auf Michael Schumachers Dienstfahrzeug. Rund 75 Mill. Dollar sollen die Briten Ferrari zahlen, schätzt das Sportbusiness-Magazin "Sponsors". Der Unterhaltungs-Elektronikkonzern Panasonic tritt bei Toyota als Hauptsponsor auf, das Kosmetikunternehmen Wella ist auch dabei.

Geld wird dringend benötigt, auch weil ab 2006 die Tabakindustrie nicht mehr in der Formel 1 werben darf. Die Teams wollen daher stärker an der Vermarktung des Produkts partizipieren. Die Pleite des inzwischen verkauften Prost-Rennstalls zeigte, dass vor allem für die kleinen Teams wie Minardi, Arrows oder Sauber, denen Dollar-Etats allenfalls in zweistelliger Millionen-Höhe zur Verfügung stehen, immer größere Schwierigkeiten haben, das Abenteuer zu finanzieren. Sie stecken in einem Teufelskreis: ohne Sponsoren kein Geld für Entwicklungen, ohne technische Entwicklungen kein Erfolg, ohne Erfolg keine Medienpräsenz, ohne diese keine Sponsoren. Ein Engagement von Global Playern ist für die "Underdogs" in weiter Ferne.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben aber auch viele Unternehmen ein größeres Kostenbewusstsein entwickelt in puncto Sportsponsoring. Die Vorstandsetagen analysieren Kosten und Nutzen ihres Formel-1-Engagements - und beschließen oft den Ausstieg.

Wie Infineon: Der Chip-Hersteller war seit 1999 beim Jordan-Team dabei. Doch die Flaute in der Halbleiter-Branche erwischte die Münchner voll. Zudem fährt Jordan seit langem nur selten um die vorderen Plätze mit, die Boliden erschienen kaum im Fernsehen. Die Vertragssumme - geschätzt werden sechs Mill. ? pro Saison - war gemessen am Werbewert zu hoch. Birgit Fischer-Harrow, Infineon - Sponsoringleiterin: "In einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld darf man kein Loser-Image haben. Es nutzt nichts, um die Plätze fünf und sechs zu fahren." Andere Unternehmen werden dem Beispiel folgen, glauben Experten.

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