Teamwork-Pleite gingen viele Alarmsignale voraus
Den Neuen Markt sollte man am besten den Fonds überlassen

afp BERLIN. Mit der zweiten Pleite innerhalb weniger Wochen haben Hoffnungen auf schnelles Geld am Neuen Markt einen weiteren Dämpfer erhalten. Experten zeigten sich am Freitag nicht überrascht, dass nach Gigabell mit der Softwarefirma teamwork ein weiteres Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht ist. Weitere Pleiten werden nach einhelliger Einschätzung folgen. Aktionärsschützer raten Anlegern deshalb zu höchster Vorsicht bei Investitionen in das Börsen-Wachstumssegment.

"Der Neue Markt ist ein Markt für Risikokapital", warnt Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. "Unternehmen müssen sich dort erst noch durchsetzen. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht." Wie Krüll ist auch Burkhard Pahnke vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) in Frankfurt am Main erstaunt, wie sorglos Privatanleger Geld noch immer in einzelne Firmen stecken, ohne sich vorab über Chancen und Risiken zu informieren. "Wir hatten schon Leute, die haben Tausende Mark in Unternehmen investiert und konnten noch nicht mal den Namen richtig aussprechen, von der dahinter stehenden Geschäftsidee ganz zu schweigen."

Teamwork war im Juli 1999 mit einem Ausgabepreis von 19 Euro (37,16 Mark) pro Aktie an die Börse gegangen. Die Konsortialbank WestLB hatte damals ein "beeindruckendes Wachstum" vorhergesagt. Nach einem Kurshöchststand von 59,50 Euro (116,37 Mark) im März fiel teamwork ins Bodenlose und notierte vor der Aussetzung des Handels am Donnerstag bei gerade noch 3,55 Euro (6,94 Mark).

DSW-Expertin Krüll warnt Anleger grundsätzlich davor, sich allein auf die Angaben der Bank zu verlassen, die einen Börsengang begleitet. "Die Konsortialbanken wünschen sich einen erfolgreichen Börsengang und tun sehr viel dafür, damit das ein Erfolg wird", sagt Krüll. "Das entbindet den einzelnen Anleger nicht aus seiner Sorgfaltspflicht. Gerade am Neuen Markt muss man sich immer die Frage stellen: Ist die Technologie meines Unternehmens derjenigen der Konkurrenten überlegen?"

Auch nach dem Börsengang müsse die Firmenentwicklung ständig überprüft werden, raten die Experten. Dabei sollten Anleger nicht blind auf einzelne Analystenstimmen vertrauen. "Meinungen zu einer Aktie gibt es so viele wie Analysten - manchmal sogar mehr", sagt DAI-Experte Pahnke. Nur wer sich ein umfassendes Stimmungsbild verschaffe, könne sicher sein, über mögliche Gefahren auf dem Laufenden zu sein. Pahnke empfiehlt, in jedem Fall die einschlägige Presse zu lesen und sich auf der Homepage des Unternehmens über die Entwicklung zu informieren.

Dort waren auch bei teamwork Alarmsignale zu finden. Im Juli hatte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung seine Umsatzerwartung füpr das Gesamtjahr von 74 auf 62 Millionen Mark herabgesetzt und einen Verlust von 8,2 Millionen Mark vorhergesagt. Gleichzeitig kündigte teamwork weit reichende personelle Veränderungen an, wodurch unter anderem das "Vorstandsressort Finanzen gestärkt" werden sollte.

"Wenn nach so kurzer Zeit so massive Änderungen im Management vorgenommen werden, ist das ein Warnsignal", sagt Krüll. Gerade bei jungen Firmen müsse für einen Erfolg das Management-Team "für längere Zeit konstruiert sein". "Wenn das Austauschkarussell läuft, muss ich genauer hinschauen." Komme wie bei teamwork eine Gewinnwarnung hinzu, sei dies Ausdruck einer "gravierenden Fehleinschätzung" und höchste Zeit für einen kritischen Blick.

Für die teamwork-Aktionäre kommt diese Warnung zu spät. Vieles deutet darauf hin, dass sich wie schon bei Gigabell andere Unternehmen die "Rosinen" wie Kundenkarteien oder bestimmte Aufträge herauspicken. Auf Geld aus einem Insolvenzverfahren brauchen Anleger nicht zu hoffen. "Dass Aktionäre hier zum zum Zuge kommen, ist so gut wie ausgeschlossen", sagt Krüll. Nach Paragraph 400 Aktiengesetz sei zwar auch eine Schadensersatzklage möglich, aber nur, wenn die Firmenführung die Anleger vorsätzlich getäuscht hat. Dieser sei nur schwer zu beweisen.

DAI-Experte Pahnke warnt Privatanleger angesichts der jüngsten Erfahrungen grundsätzlich davor, in Einzelunternehmen am Neuen Markt zu investieren. "Das sollte man am besten den Fonds überlassen", sagt er. "Auch die haben hohe Wachstumsraten, und im schlimmsten Fall kann eine Pleite wegen des gestreuten Risikos noch verkraftet werden.

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