Tech-Schwäche hält an
Wall Street eröffnet etwas fester

Seit Wochenbeginn haben Anleger an der Wall Street nur wenig Grund zur Freude: Marktbreit gibt es kaum Aktien, die an die frühe März-Rally anknüpfen konnten. Auch am Donnerstag handeln Dow Jones und Nasdaq nur minimal im Plus, große Kursgewinne sind bislang nicht zu verzeichnen.

NEW YORK. Kurz vor Handelsbeginn waren die Futures noch unter Druck geraten, nachdem einige Daten aus dem konjunkturellen Umfeld schwächer ausgefallen waren als erwartet: So ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der vergangenen Woche zwar gesunken, allerdings nicht so stark wie die Wall Street erwartet hatte.

Außerdem sind zum ersten Mal seit Monaten die Lagerbestände in der Industrie leicht gestiegen. Ein Plus von 0,1 % sorgt auf dem Parkett und im Bond- und Futures-Handel aber nicht für Unruhe, zumal Industrie und Großhandel die Lager zuletzt schneller geräumt hatten als erwartet worden war.

Weiter problematisch scheint unterdessen die Tech-Schwäche: Seit Wochenbeginn hat es zahlreiche Abstufungen in allen Sektoren gegeben. Am Morgen handeln die Big Caps erneut mit Verlusten. Der PC-Sektor steht weiter unter Druck. Nach der Deutschen Bank und Salomon Smith Barney senkt die Credit Suisse die Wachstumsaussichten. Die schleppenden IT-Ausgaben der US-Unternehmen würden Umsätze und Gewinne der Branche weiter belasten, heißt es. Die PC-Verkäufe dürften in diesem Jahr nicht wie erwartet um 10 % steigen, sondern nur um 5 %. Bei Compaq, Dell, Hewlett-Packard und Tech Data werden die Prognosen für das Umsatzwachstum um 3 bis 6 % nach unten revidiert. Die Aktien verlieren um 1 %.

Anhaltende Schwäche bedrückt auch den Telekom-Sektor. Seit der Umsatzwarnung von Lucent Technology und einem erneuten Aufkeimen von "Enronitis" bei Worldcom steht der Sektor unter Beschuss. Die Analysten von Lehman Brothers stufen am Morgen die Aktien von Sprint auf "halten" ab. Das Kursziel des Telekom-Konzerns sinkt auf 18 Dollar. Der frei verfügbare Cash Flow im Bereich Ferngespräche sei bereits negativ und scheine sich weiter zu verschlechtern, sagen die Analysten. Lucent gibt 0,6 % ab.

Ebenfalls mit Verlusten handeln die meisten Finanzwerte. Die UBS Warburg stuft die Aktie von First Boston ab. Das Papier habe in den vergangenen sechs Wochen 18 % zugelegt und stärker angezogen als die übrigen Werte im Sektor. Dabei seien weder das nach wie vor schwache Umfeld für die Banken noch anstehende Kreditverluste in Argentinien berücksichtigt worden. Die Aktie sei nun überbewertet, sagen die Experten. First Boston verliert 2 %, der Sektor notiert mit etwa 1 % im roten Bereich. Auch JP Morgan gibt erneut 1,5 % ab, obwohl die UBS Warburg der Aktie nach jüngsten Kursverlusten ein "attraktives Preisniveau" attestiert.

Außer der Schwäche in Tech- und Finanzwerten hatte die Angst vor Maul- und Klauenseuche bei einer Herde im Bundesstaat Kansas für Aufregung im Mittwochshandel gesorgt. Am Morgen scheint zumindest dies aus der Welt zu sein. "Ich bin hundertprozentig sicher, dass wir keine Maul- und Klauenseuche haben", sagt Sam Graham, zuständiger Tierarzt im Gesundheitsministerium von Kansas. Aktien einiger Steakhäuser und Fastfood-Ketten, darunter McDonald?s, Wendy?s und Smith & Wollensky?s sowie die Papiere der Fleischvertriebe Tyson Foods und ConAgra erholen sich von ihrer kurzzeitigen Schwäche. Gleichzeitig geben Aktien von SureBeam und Food Technology Services nach Kurssprüngen wieder ab. Beide Unternehmen stellen Geräte zur antibakterieller Bestrahlung von Lebensmitteln her.

Aktien der Ölbranche schaffen am Donnerstag den Sprung auf die Gewinnerseite nicht. Zwar hebt die UBS Warburg die Prognosen für den Ölpreis an, da man von einer anziehenden Nachfrage im Zuge einer konjunkturellen Erholung ausgeht. Doch folgen die meisten Anleger der Prognose von Salomon Smith Barney. Die Analysten setzen die Prognosen für die Förderunternehmen Transocean, Noble Drilling und Diamond Offshore für die Jahre 2002 und 2003 herab. Sie erwarten einen Nachfragerückgang und rechnen mit ein, dass man jüngst die Fördermengen beschnitten hat.

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