Tech und Telekom auf 5-Jahres-Tief
Europas Börsen: Auf breiter Front schwächer

Die europäischen Börsen haben am Freitag deutlich nachgegeben und die Stände vom vergangenen September erreicht. Der DJ Stoxx50-Index gab um 2,32 Prozent auf 3012,10 Punkte nach.

Reuters LONDON. Viele Anleger hätten gebannt auf die Kursverluste gestarrt und nicht gewusst, ob sie nun kaufen oder verkaufen sollten, sagten Marktteilnehmer. Sie machten für die Abgaben Zweifel bezüglich der Erholung der US-Wirtschaft verantwortlich. Das US-Verbrauchervertrauen fiel schwächer als von Analysten prognostiziert aus. Händler verwiesen zudem auf die Angst vor weiteren Anschlägen, nachdem vor dem US-Konsulat in Pakistan eine Autobombe explodiert war. Die zyklischen Automobil- und Grundstoffwerte verzeichneten die stärksten Verluste. Auch die übrigen Marktsektoren lagen ausnahmslos im Minus. Die Technologie- und Telekomtitel sackten auf die vor fünf Jahren üblichen Kurse ab. Bevor nicht verschiedene Vertreter dieser Branche ihre Verschuldung abbauen, dürften Kursanstiege der europäischen Aktien begrenzt sein, hiess es. Zudem werde die negative Auswirkung der Verschuldung dieser Unternehmen auf die Banken unterschätzt. LONDON - Die Börse London notierte zum Wochenschluss aufgrund von Sorgen über die künftigen Unternehmensgewinne auf einem Neun-Monate-Tief. Der FTSE-100-Index sackte 2,96 Prozent auf 4630,8 Zähler ab. Zu den grössten Verlierern gehörten die Bankaktien. HSBC verlor drei Prozent, Royal Bank of Scotland gaben 2,7 Prozent nach. Händler verwiesen auf Aussagen von Verantwortlichen der Bank of England, die Zentralbank erhöhe möglicherweise die Zinsen. Die Vodafone-Papiere büssten 3,7 Prozent ein. Zuvor hatte die japanische Tochter J-Phone als Reaktion auf den erhöhten Konkurrenzkampf angekündigt, Handys zur Kundenakquirierung noch günstiger abzugeben. Schwächer waren auch die Ölwerte BP und Shell mit Abgaben von 3,5 und 4,2 Prozent. ZÜRICH - Die Schweizer Aktien gaben auf breiter Front nach. Dabei nahmen nach Angaben von Händlern die Umsätze stetig zu. Ob dies der befürchtete und auch allmählich ersehnte "Sommerschlussverkauf" gewesen sei, sei nicht sicher, hiess es. Gegen Schluss hätten sich die Kurse noch etwas erholen können. Der SMI, vor einer Woche noch auf 6250,9 Punkten, sackte zeitweise über drei Prozent ab auf das neue Jahrestief von 5862,2 Punkten. Davon konnte er sich etwas lösen und schloss noch um 1,16 Prozent tiefer auf 5980,7 Zähler. Von den 27 SMI-Aktien waren Swisscom und Syngenta gut gehalten, während etwa Rentenanstalt mit über fünf Prozent überdurchschnittlich stark verloren. Aber auch Zurich, Technologiewert Kudelski, Richemont, ABB oder Adecco litten mit Verlusten von über drei Prozent kräftig. PARIS - Der Pariser Aktienmarkt rutschte unter Führung von Technologiewert Cap Gemini erneut deutlich ins Minus. Der CAC-40-Index fiel 2,89 Prozent auf 3843,07 Punkte, den tiefsten Stand seit neun Monaten. Cap Gemini verloren nach der Zurückstufung durch Merrill Lynch 4,6 Prozent. Händler verwiesen auch auf die düsteren Prognosen des US-Softwareerzeugers Adobe. Indexschwergewicht Alcatel büsste 3,3 Prozent ein und France Telecom gaben 6,7 Prozent nach. Societe Generale lagen 3,2 Prozent im Minus. FRANKFURT - Ein deutlich schwächer als erwartet ausgefallener Index für das Verbrauchervertrauen in den USA löste enormen Verkaufsdruck an den deutschen Aktienmärkten aus. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel zeitweilig um knapp fünf Prozent auf den tiefsten Stand seit Anfang Oktober 2001. Am Neuen Markt brachen die Indizes auf neue Rekordtiefstände ein. Ein neues Rekordtief markierten auch die Aktien der Deutschen Telekom, die zum ersten Mal unter die psychologisch wichtige Marke von zehn Euro rutschten. Der Dax verzeichnete am frühen Abend einen Verlust von 3,7 Prozent auf 4306 Stellen. Unter Druck standen auch die Technologiewerte. Epcos fielen zeitweilig um mehr als acht Prozent auf 33,22 Euro. Siemens gaben um mehr als sieben Prozent auf 56,70 Euro nach. BENELUX - Die Benelux-Börsen gaben deutlich nach. Der Amsterdamer AEX-Index verlor 2,72 Prozent auf 429,95 Punkte und der Brüsseler Bel20-Index büsste 1,94 Prozent auf 2472,25 Zähler ein. Die negativen Meldungen aus den USA belasteten Technologiewerte wie Philips oder CMG. In Brüssel verloren die Titel des Chip-Herstellers Melexis 8,5 Prozent. MAILAND - Im Zuge nachgebender Bankwerte fiel der Mib30-Index 1,9 Prozent auf 27.600 Punkte. Fusions-Spekulationen belasteten die Papiere von Banca Nazionale del Lavoro und Monte dei Paschi di Siena. Die Aktien des grössten europäischen privaten Energiekonzerns Italenergia lagen 1,6 Prozent im Minus. MADRID - Der Ibex-35-Index notierte 2,3 Prozent im Minus bei 7128,2 Zählern auf einem neuen Neun-Monate-Tief. Abwärtsdruck kam von Sorgen bezüglich der wirtschaftlichen Zukunft Brasiliens; die Titel der dort engagierten Unternehmen wie etwa Telefonica oder der Grossbanken Santander Central Hispano und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria gaben zwischen 1,5 und 3,4 Prozent nach. SKANDINAVIEN - An den skandinavischen Aktienmärkten konnten sich die Telekom-Ausrüster von frühen Verlusten erholen und in die Gewinnzone vorstossen. Damit verringerten sich die Verluste des Gesamtmarktes. Der Stoxx Nordic Index verlor 1,4 Prozent auf 269 Punkte. Ericsson legten vier Prozent zu. Die dänischen Windturbinen-Hersteller Vestas und NEG Micon litten unter den schlechten Aussichten für den weltgrössten Windenergiemarkt und verzeichneten Verluste. WIEN - Der Wiener Aktienmarkt verlor prozentual weniger als die Leitbörsen. "Der Weg hinunter ist bei uns relativ moderat", meinte ein Händler zu dem ATX-Rückgang um 0,8 Prozent auf 1253,39 Punkte. Tiefer notierten Telekom Austria sowie RHI. Bei RHI gehen Marktteilnehmer von Gewinnmitnahmen nach den jüngsten Anstiegen aus. Flughafen gaben ebenfalls nach.

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