Technik noch nicht ausgereift
Verlage sehen Zukunft des E-Books skeptisch

In Deutschland ist es bislang ruhig geblieben um das E-Book. Vor allem Fachverlage sehen darin kein geeignetes Medium, um ihre Angebote an den Kunden zu bringen. Zum Buchmesse-Special von Handelsblatt.com.

HB DÜSSELDORF. Der US-Hersteller Nuvomedia hatte auf der vergangenen Buchmesse seinen großen Auftritt: Ein Jahr nach der Markteinführung in den USA stellte das Unternehmen auch in Deutschland sein "Rocket E-Book" vor. Doch die Resonanz des Publikums blieb ebenso deutlich hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück wie zuvor auch schon auf dem Heimatmarkt. "Es ist nach dem Rummel bei der Vorstellung sehr ruhig geworden um das E-Book", resümiert Eugen Emmerling, Sprecher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Die Hardware ist mit 675 DM zu teuer, das Gerät zu unkomfortabel und technisch noch nicht weit genug - die Liste der Kritikpunkte, die immer wieder aufgezählt wird, ist lang. Und das Angebot ist bislang sehr bescheiden: Nur wenige große Konzerne wie die Münchener Verlagsgruppe Bertelsmann oder die Stuttgarter Klett-Gruppe bieten heute Romane und Fachbücher für das Gerät an.

Höchstens für die Unterhaltungsliteratur ein Thema

Bei vielen großen deutschen Verlagsgruppen ist man denn auch äußerst skeptisch, was die Zukunft des E-Book betrifft. Arnoud de Kemp, Marketing-Manager elektronische Medien bei Bertelsmann-Springer und Sprecher des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren (Akep) im Börsenverein, will das Medium zwar längst nicht abschreiben. "Aber wenn überhaupt, dann ist es derzeit nur für die Unterhaltungsliteratur ein Thema. Im Bereich Fachinformationen ist die Entwicklung technisch längst noch nicht so weit, dass ein Angebot für E-Books Sinn macht."

Das hängt vor allem damit zusammen, dass das E-Book bislang Grafiken, Abbildungen und komplexe Tabellen vollständig unter den Tisch fallen lässt. Ausdrucke oder Kopien zu machen ist zudem genauso wenig möglich wie das Angebot von zusätzlichen Services, Applikationen und Tools und damit die interaktive Generierung von Problemlösungen. Gerade die sind es aber, die die neuen E-Business-Geschäftsmodelle der Zukunft ausmachen werden: Nicht nur Inhalte werden den Verlagsgruppen Umsätze bescheren, sondern vor allem das, was man damit machen kann, wie man diese kundenspezifisch aufarbeiten, am effizientesten zugänglich und möglichst wirtschaftlich nutzbar machen sowie mit anderen Systemen und Inhalten intelligent vernetzen kann. Genau deshalb sagt Uwe Renald Müller, Sprecher der Geschäftsführung des Freiburger Haufe-Verlags: "Das E-Book in seiner heutigen Form ist für unser Geschäft kein geeignetes Medium. Damit würden wir uns unserer eigenen Stärken berauben."

Neue Möglichkeiten durch UMTS

Andere E-Produkte scheinen deutlich erfolgversprechender. So wie der Chef der Klett-Gruppe, Johannes Leßmann, setzen viele für die Zukunft mehr auf Dienste wie print-on-demand oder pay-per-document und vor allem die umfangreichen Möglichkeiten, die die Einführung des neuen Mobilfunkstandards UMTS mit sich bringen wird. "Da werden sich noch ganz neue Anwendungsbereiche erschließen", ist er sicher.

Dass die Belletristik-Anhänger das E-Book noch nicht angenommen haben, liegt wohl nicht nur an der fehlenden Möglichkeit, es im Anschluss an das Lesevergnügen an Freunde verleihen, es als Trophäe in die Schrankwand zu stellen oder es weiter verschenken zu können. "Es ist nach wie vor auch einfach etwas anderes, ob man zur Entspannung ein gutes Buch zur Hand nimmt oder ein elektronische Gerät", sagt Eugen Emmerling. "Das E-Book wird deshalb in der Belletristik noch viele Jahre ein Randthema sein."

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Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst
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