Technik, Optik und Diesel
Reich der aufgehenden Sonne auf dem Vormarsch

Nach jahrelanger Abstinenz erobern sich die japanischen Autobauer ihren Platz in den Garagen in Deutschland und Europa zurück. Auf der IAA in Frankfurt treten Sie in diesem Jahr so selbstbewusst auf wie lange nicht mehr. Nippons Erfolgsrezept ist die neue Kundennähe.

HB/dpa FRANKFURT. Während die deutschen Autobauer um ihre Kundschaft bangen und auf dem Heimatmarkt weiter Anteile verlieren, gewinnen derzeit die Japaner an Terrain. Mit einer Zuwachsrate von 18 % bei den Neuzulassungen drehte etwa Mazda bis Juli in Deutschland kräftig auf. Konkurrent Honda legte dank guter Verkaufszahlen des Modells Accord um 10 % zu. Japans größter Autokonzern Toyota schaffte allein im vergangenen Monat einen Zuwachs von knapp 27 % im Jahresvergleich.

Nach den früheren Anfangserfolgen der Japaner rechneten viele Beobachter in den 80er Jahren für Deutschland und Westeuropa bereits mit einem ähnlichen Japan-Boom wie zuvor in den USA. Mit hochwertiger Ausstattung serienmäßig und zu günstigeren Preisen als die heimische Konkurrenz eroberten sie damals die fremden Märkte. Doch dann wurde es in Europa wieder still um die Hersteller aus dem Fernen Osten.

"Die Japaner hatten den Anschluss an die Wünsche der Kunden verpasst", sagt Tim Schuldt, Autoanalyst bei der DZ Bank. Das Design der japanischen Karossen wirkte auf westliche Fahrer altbacken und unförmig. Völlig verschlafen wurde zudem in den japanischen Ingenieurbüros der beginnende Dieselboom in Europa.

Die Fehler der Vergangenheit sind inzwischen ausgebügelt. "Die Japaner haben sich beim Design auf den westeuropäischen Geschmack eingestellt", so der Tenor der Autoexperten. Die neuen Modelle können sich selbst nach Meinung sonst skeptischer Autojournalisten technisch und optisch mit der deutschen Konkurrenz von BMW, Audi oder Volkswagen messen. Pannensicherer waren die Japaner ohnehin schon immer.

Diesel ist kein Fremdwort mehr

Auch Diesel ist für die japanischen Hersteller kein Fremdwort mehr. So startete etwa Nissan im Frühjahr auf dem deutschen Markt eine Werbekampagne und verkaufte fast die gesamte Modellpalette mit Dieselmotor zum selben Preis wie seine Benziner. Honda bringt in diesem Jahr seinen ersten in eigener Regie gebauten Diesel auf den Markt. Toyota präsentiert zur IAA in Frankfurt ein für die gesamte Industrie neuartiges System, das nochmals verschärfte Abgasnormen erfüllen soll.

Dass die in den 90er Jahren vor dem Ruin stehenden Konzerne Mazda, Nissan und Mitsubishi unter das Dach von Ford, Renault und Daimler-Chrysler schlüpften, kommt ihnen nun zu Gute: Sie profitieren in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht von der Zusammenarbeit.

Als größter Konkurrent für Europas Autobauer gilt derzeit aber Japans Nummer Eins, Toyota. Der Konzern schickt sich an, die Konkurrenz auch weltweit zu überholen. Hierzu soll bald der westeuropäische Markt erobert werden, der bislang nur einen Bruchteil in der Konzernbilanz ausmachte. Toyota konzentriert sich dabei vor allem auf Deutschland, wo der Konzern anders als in einigen europäischen Nachbarländern noch hinterherhinkt.

"In Deutschland haben wir noch großes Potenzial", sagt der neue Toyota-Deutschland-Geschäftsführer Markus Schrick. Er will den Absatz bis zum Jahr 2010 auf 200 000 Fahrzeuge steigern - eine Verdoppelung in zehn Jahren. "Es gibt keinen Grund, warum wir das nicht schaffen sollten", gibt sich der ehemalige Ford - und Audi-Mann selbstbewusst.

Toyota ist auch nach Ansicht des Automobilwissenschaftlers Ferdinand Dudenhöffer auf dem richtigen Weg: "Der Konzern ist sehr systematisch vorgegangen. Man hat das untere Kleinwagensegment erweitert, die bestehenden Kapazitäten aufgestockt und bietet nun auch noch Dieselmotoren an." Wenn Toyota seine Ziele in Deutschland und Westeuropa tatsächlich erreichen kann, sei der Konzern kaum noch zu stoppen.

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