Technik und Personal von insolventer Systracom Bank AG übernommen
Merrill Lynch und HSBC starten neuen Online-Broker

Die beiden Großbanken HSBC Holdings Plc und Merrill Lynch & Co. wollen im kommenden Jahr einen gemeinsamen Online-Finanzservice in Deutschland starten. Dazu wurden die Handelsplattform sowie Mitarbeiter aus der Konkursmasse des insolventen Brokers Systracom Bank AG übernommen, bestätigte Nathan Moss dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Er ist Chief Operating Officer des Gemeinschaftsunternehmens der beiden Banken, Merrill Lynch HSBC. Deutscher Geschäftsführer des Joint Venture wird am 1. September Klaus-Peter Möritz, der ehemalige Vorstandssprecher von Systracom. "Wir wollen keinen klassischen Direktbroker aufbauen. Wir nehmen nicht jeden Kunden", erklärte Moss. Zielgruppe seien so genannte "mass affluent investors", also besserverdienende Privatkunden.

Das Joint Venture der beiden Bankhäuser ist bereits in Großbritannien, Australien und Kanada aktiv. Als Mindestanlagesumme müssen britische Kunden zum Beispiel 10 000 Pfund mitbringen. Zu der Zahl der Kunden wollte Moss keine Angaben machen. Wie hoch die Mindestanlage für deutsche Kunden sein wird, stehe noch nicht fest.

Analysten sehen angesichts der schwierigen Marktlage in Deutschland für das Projekt nur wenig Erfolgschancen. "Diese Kundengruppe nur über Internet und Telefon bedienen zu wollen, scheint mir wenig erfolgversprechend", sagte Jeroen Julius, Analyst der Investmentbank Fox-Pitt, Kelton. Als Konkurrenten im Kampf um Kunden des gehobenen Mittelstandes nennt er Unternehmen wie MLP, den Verbund aus Allianz und Dresdner sowie das neue Angebot für Privatkunden der Credit Suisse Group (siehe Seite 13). Im April erst hatte die CS Group ihre pan-europäische Online-Brokerage-Plattform "credit-suisse.net" wegen der schwierigen Marktlage eingestellt. Der Broker hatte eine ähnliche Ausrichtung wie das Gemeinschaftsunternehmen von Merrill Lynch und HSBC. Die CS-Plattform Suisse wurde in das neue Angebot für Privatkunden integriert, bei dem den Kunden mehrere Zugangskanäle offen stehen.

Laut Moss will Merrill Lynch HSBC indes seinen Kunden nur über die Wege Internet und Telefon Möglichkeiten zum Vermögensmanagement bieten. Geplant sei aber auch, die Kunden zu beraten. Über Details schwieg er sich noch aus. Filialen mit vollem Beratungsservice seien aber nicht geplant. "Wir bieten unseren Kunden Zugriff auf das Research beider Häuser an und zwar zur selben Zeit, wie den institutionellen Anlegern", kündigte Moss an.

Studien gehen davon aus, dass es in Deutschland rund 5 Mill. Investoren der gehobenen Mittelschicht gibt, die über frei verfügbare Anlagegelder ab 50 000 bis 250 000 Euro verfügen. "Diese Kundengruppe ist aber nicht homogen", erklärt Analyst Julius. "Ein Teil ist sicherlich bereit, Transaktionen direkt vorzunehmen. Aber viele suchen auch die persönliche Beratung", erklärt er. Daher sei es ein Manko, dass Merrill Lynch HSBC keine persönliche Beratung in direktem Kunden-Kontakt plane. Auch Simon Fößmeier, Analyst bei Julius Bär, sieht nur wenig Erfolgschancen. "Research bieten auch Consors und die DAB. Ich sehe nicht, wie sich das Angebot spürbar von den Wettbewerbern abhebt", meint der Experte.

Interessant: Im Juni/Juli wurde der Kauf von Technik und Personal aus der Konkursmasse von Systracom abgewickelt. Dabei hatte die Düsseldorfer HSBC-Tochter, die Bank Trinkaus & Burkhardt, erst Anfang März den Broker pulsiv.com an die Sparkassen verkauft. "Als der Verkauf von pulsiv anstand, stand der Beschluss noch nicht, den Marktstart in Deutschland konkret anzugehen", erklärte Moss.

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