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Technik zwischen Vergessen und ComebackDPA-Datum: 2004-07-13 09:50:29

Offenbach/Stuttgart (dpa/gms) - Innovation ist eine der beliebtesten Vokabeln, wenn es um neue Automodelle geht. Doch nicht alles, was so angepriesen wird, ist wirklich neu. Hinter mancher vermeintlich neuen Idee steckt ein Jahrzehnte alter Geniestreich.

Offenbach/Stuttgart (dpa/gms) - Innovation ist eine der beliebtesten Vokabeln, wenn es um neue Automodelle geht. Doch nicht alles, was so angepriesen wird, ist wirklich neu. Hinter mancher vermeintlich neuen Idee steckt ein Jahrzehnte alter Geniestreich.

Auf dem Weg zum großen Durchbruch ist das Kurvenlicht: Die Scheinwerfer strahlen dabei in der Kurve nicht stur geradeaus, sondern leuchten in die vom Fahrer gewählte Richtung. Tatsächlich ist das Grundprinzip alles andere als neu: Vor mehr als 30 Jahren konnten bereits Fahrer eines Citroën DS sich den Weg leuchten lassen. Allerdings war die Sache noch nicht so ausgeklügelt - außerdem hatten die Konstrukteure mit den Gesetzen zu kämpfen. «Das Kurvenlicht gab es damals ausschließlich als Fernlicht», erklärt Citroën-Sprecher Thomas Albrecht in Köln. «Erst kürzlich wurde die Gesetzgebung so gelockert, dass es beim Abblendlicht erlaubt ist.»

«Innovation bedeutet nicht, immer etwas gänzlich Neues zu entdecken», sagt Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer vom Prognoseinstitut B & D Forecast in Bochum. Laut Dudenhöffer haben viele Entwickler bekannte ältere Techniken im Hinterkopf, die sie weiter entwickeln, wenn die nötigen Technologien vorhanden sind.

Als Mercedes mit dem SLK den Klappdach-Trend begründete, konnte man gleich auf mehrere Vorbilder schauen. Eine erste Umsetzung eines Cabrios mit festem Dach stammt von Peugeot aus den dreißiger Jahren. Aktuelleres Anschauungsmaterial lieferte ein gewisser Walter Treser. Der plante 1987 in Berlin die Produktion seines Treser-Roadster mit entsprechendem Dachprinzip - was am Geld scheiterte.

Ein weiteres Beispiel für Zukunftstechnologie von gestern ist die Benzin-Direkteinspritzung. Schon der Flügeltüren-Sportwagen 300 SL von Mercedes hatte Mitte der fünfziger Jahre ein Aggregat mit Direkteinspritzung unter der Haube. Ähnlich sieht es bei einer anderen Innovation der vergangenen Jahre aus - den stufenlosen Automatikgetrieben. Mit einer vergleichbaren Kraftübertagung zuckelte seit Ende der fünfziger Jahre ein viel belächelter Kleinwagen aus den Niederlanden durch die Gegend: der DAF. Als die Marke schließlich von Volvo übernommen wurde, baute man die Autos noch eine Weile weiter. Dann jedoch war Schluss - auch mit dem stufenlosen Vorankommen.

Zur Jahrtausendwende tauchte das Prinzip bei Audi als Multitronic wieder auf. «Die alte Technik beruhte auf der Nutzung von Keilriemen», so Jürgen Kühl von Volvo in Köln. Die seien nur begrenzt haltbar gewesen. «Aktuelle Multitronic-Getriebe haben damit keine Gemeinsamkeiten mehr - außer dem Ursprung», so Josef Schlossmacher von Audi in Ingolstadt. «Statt Riemen kommen heute stabile Ketten zum Einsatz, die auch hohen Leistungen standhalten können.»

Manchmal allerdings gibt es auch echte Innovationen. So führte Honda 1987 den ersten Pkw mit Allradlenkung ein. «Der größte Vorteil war der extrem kleine Wendekreis», so Alexander Heintzel von Honda in Offenbach. Nur konnten sich die Kunden eben nicht mit dem ungewohnten Verhalten des Wagens anfreunden. So verschwand die Allradlenkung Ende der neunziger Jahre aus dem Programm. Möglicherweise steht diese Technik aber bereits vor einem Comeback: Der amerikanische Zulieferer Delphi hat im Herbst 2003 eine neue Hinterradlenkung vorgestellt.

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