Technikchef fordert niedrigere Preise und mehr Qualität
Deutsche Bahn will neue Züge billiger einkaufen

Deutsche Bahn und die französische Staatsbahn SNCF planen zurzeit gemeinsam einen Europa-Zug als Nachfolger von TGV´und ICE. Er soll schnell, aber auch preiswert sein - und pro Sitz 40 Prozent weniger kosten. Schlechte Noten bekommt die Industrie immer noch für die Zuverlässigkeit neuer Fahrzeuge.

FRANKFURT/M. Die [FIRMEN]Deutsche Bahn AG will für neue Züge erheblich weniger ausgeben als bisher. Gemessen an den Durchschnittskosten je Sitz müssten beispielsweise Nahverkehrstriebzüge um bis zu 20 % günstiger sein. Dies forderte der Technik-Vorstand der Bahn AG, Karl-Friedrich Rausch, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Noch deutlicher solle der Kaufpreis für die nächste Generation der Hochgeschwindigkeitszüge sinken, die die Deutsche Bahn gemeinsam mit der französischen Staatsbahn SNCF beschaffen will. Beim "High Speed Train Europe" (HTE) erwarteten beide Bahn-Gesellschaften, dass sie pro Sitzplatz bis zu 40 % weniger Geld ausgeben müssten als heute für ICE und TGV. Auf Grund des gemeinsamen Einkaufs ergäben sich künftig wesentlich höhere Stückzahlen. Dazu müsse man allerdings alle Sparpotenziale ausloten und "nichts Vergoldetes" einbauen, räumte Rausch ein. Der promovierte Wirtschaftsingenieur war Anfang des Jahres von der Lufthansa zur Bahn gewechselt.

Erste Entwürfe von ihrem künftigen Top-Zug wollen deutsche und französische Bahn Ende des Jahres präsentieren; ein detailliertes "Lastenheft" mit technischen Vorgaben soll ein Jahr später auf dem Tisch liegen. Unbedeutend sei für die Arbeitsgruppen beider Bahnen, ob der künftige Zug "mehr TGV oder mehr ICE" sei, sagte Rausch. Das "beste technische System" solle realisiert werden.

Noch sei offen, von wem der HTE gebaut werde - von nur einem Hersteller als Ausschreibungssieger oder von einem Industriekonsortium. "Weder der TGV-Bauer Alstom noch die deutschen Hersteller haben bislang die Summe aller Forderungen erfüllen können", sagte Rausch. Er machte kein Hehl daraus, dass ihm Prinzipien der Luft- und Raumfahrtindustrie für die Zugproduktion vorschweben: "Wie es für einen Flugzeugtyp Triebwerke von mehreren Herstellern gibt, muss es auch bei der Bahn möglich werden, wesentliche Komponenten unterschiedlich einzukaufen."

In der Industrie werden die Preisvorstellungen der Bahnen gelassen kommentiert. "Wenn die technischen Anforderungen fest stehen und die Stückzahlen klar sind", könne man darüber sprechen, sagte Dieter Klumpp, Mitglied der Geschäftsführung bei Alstom und Präsident des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland (VDB), dem Handelsblatt. Allerdings müsse das Geschäft halbwegs planbar bleiben. Was der Industrie im Umgang mit ihren Großkunden bislang fehle, sei ein gewisser "Bestandsschutz". "Wir wollen nach der Auftragsannahme während der Produktion nicht immer wieder durch neue Normen und Änderungswünsche überrascht werden, das geht ins Geld", betonte Klumpp.

Während der Verbandspräsident auf der Jahrestagung des VDB die hohe Innovationsstärke und Leistungskraft der Branche rühmte, bemängelt Bahn-Technikchef Rausch fehlende "Kontinuität und Optimierung, was das Thema Zuverlässigkeit und Kosten angeht". Nach jahrelangen Problemen mit den Neigetechnik-Regionalzügen der Baureihe 611 hat die Bahn derzeit mit dem Diesel getriebenen Neigetechnik-ICE der Baureihe 605 massiven Ärger. Die seit Frühsommer vor allem zwischen Nürnberg und Dresden eingesetzten Züge haben erhebliche Schwierigkeiten mit der Neigetechnik, die die Fahrzeiten verkürzen sollte. Eine Rollkur soll Besserung bringen, bis Dezember hat die Bahn der Industrie dafür Zeit eingeräumt. Rausch: "Wenn das nichts nützt, fange ich eine ganz neue Diskussion an."

Es gehe nicht, "dass die Kinderkrankheiten neuer Fahrzeuge an den Kunden ausprobiert werden." Um "Quantensprünge bei den Stückkosten und der Zuverlässigkeit" zu erreichen, schwebt Rausch vor, den gesamten Bahn-Fahrzeugpark von heute rund 100 verschiedenen Typen auf 16 bis 18 Modelle zu reduzieren - weitgehend standardisiert und modular aufgebaut. Dann könne die Industrie auch "Menge produzieren, preiswert und zuverlässig".

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