Techniken wie Neurolinguistisches Programmieren und Mentaltraining helfen
Beruflicher Erfolg ist auch eine Frage der Psyche

Wer beruflich weiterkommen will, muss es verstehen, sich die richtigen Ziele zu setzen. Dabei hilft Autosuggestion: die Kunst, sich etwas einzureden.

Von brennendem Ehrgeiz konnte in Monika Brauns Leben bislang kaum die Rede sein. "Bis zu meinem Examen musste ich mich nie um etwas bemühen", sagt die 27-jährige Sportlehrerin. "Alles lief glatt." Erste Probleme tauchten im ersten Job auf. Das Fitness-Studio, in dem sie als Leiterin arbeitete, wurde verkauft, die neuen Eigentümer hatten andere Konzepte als die junge Lehrerin, und so war schnell klar, dass man sich besser trennen sollte.

Braun beschloss, sich selbstständig zu machen. Das war im November 1999. Drei Monate später eröffnete die junge Frau ihr eigenes Studio, das inzwischen 140 Frauen als feste Kunden hat. Braun unterrichtet außerdem Betriebssportgruppen und arbeitet als Personaltrainerin.

"Es ist alles eine Frage, welche Ziele ich mir setze", sagt die Gymnastiklehrerin, "Ich programmiere sie regelrecht in mein Unterbewusstsein." Dazu hat sie sich ein imaginäres Labor eingerichtet: Jeden Morgen, bevor sie aufsteht, wandert ihr Geist in dieses sonnige Altbauzimmer, wo ein weicher Futon, heißer Tee und zwei freundliche "Berater" warten. Auf einer imaginären Leinwand läuft der Film von Brauns Leben ab, denn die Leinwand ist die Projektionsfläche ihrer Wünsche. "Ich stelle mir genau vor, was ich erreichen will, bis ins kleinste Detail", sagt sie. "Dann wird das Bild auch Wirklichkeit."

Positives Denken ist kein Hokuspokus

Immer mehr Menschen - Existenzgründer, Vertriebsexperten, Sportler - suchen nach Wegen, um aus diffusen Wünschen erreichbare Ziele zu machen. Entsprechend groß ist das Angebot an Ratgeberliteratur und Trainings. Propagiert werden Techniken des Neurolinguistischen Programmierens (NLP), des autogenen Trainings und des Mentaltrainings, aber auch des einst viel geschmähten positiven Denkens. "Das ist kein Hokuspokus", versichert Jutta Portner, Geschäftsführerin des Starnberger Trainingsunternehmens Mind and more. "Eine positive Grundeinstellung öffnet die Menschen für Neues, für die Zukunft. Das lässt sich trainieren."

Egal, für welche Methode man sich entscheidet - die Prämisse lautet überall gleich: Die Kraft der Gedanken ist so groß, dass sie Wirklichkeit gestaltet. "Da, wo Sie heute stehen, stehen Sie auf Grund Ihrer früheren Gedanken", sagt Andreas Ackermann, ein Mentaltrainer aus der Schweiz. Warum also nicht im Geiste die Zukunft so formen, wie man sie gerne hätte? Doch so einfach ist das nicht. Viele Menschen scheiterten, weil sie nicht bereit seien, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, findet der Trainer: "Sie finden 100 Erklärungen dafür, dass sie selbst unmöglich etwas zu ihrer Situation beigetragen haben können."

Der erste Schritt zu einem effizienten Selbstmanagement ist also, sich selbst als Regisseur seines Lebens zu begreifen. "Man muss an seine Ziele glauben", erklärt Karin Kirsch. "Ein Quäntchen Zweifel reicht schon aus, um sie zu zerstören." Lassen sich die Zweifel nicht ausräumen, dann stimmen vielleicht die Ziele nicht, vermutet die in Kaiserslautern arbeitende Mentaltrainerin.

Sklavisch an Zielen zu hängen hilft nicht

Ist das Haus im Grünen wirklich der Traum aller Träume? Wiegt der Machtgewinn im Job den Verlust an Freizeit auf? "Sie haben die Freiheit, Ihre Ziele zu ändern", sagt Kirsch. "Sklavisch an ihnen zu hängen, hilft nicht."

Jochen Meyer beispielsweise war zufrieden in seinem Job als Marketingchef eines kleinen Verlags. Das Gehalt stimmte, der Dienstwagen hatte die richtige Klasse, es gab Messen, Reisen, interessante Kunden und viel Entscheidungsfreiraum. Und doch verspürte er nach drei Jahren ein gewisses Unbehagen. "Das Leben läuft an mir vorbei", klagte er seiner Lebensgefährtin, "ich weiß gar nicht mehr, was Muße heißt. Weniger arbeiten, das wär?s." "Führungskräfte sind keine Teilzeitkräfte", antwortete seine Lebensgefährtin. Genau dieser Satz verfolgte den Mittdreißiger. Er brauchte Monate, bis ihm die Lösung dämmerte: "Ich möchte freitags nicht mehr arbeiten."

Es dauerte ein weiteres Vierteljahr, bis er seinen Chef davon überzeugen konnte, dass ein Abteilungsleiter nicht immer präsent sein müsse. Erst das Argument, auf einer Dienstreise sei er schließlich auch nicht greifbar, überzeugte den mittelständischen Unternehmer.

Heute fragen die Kollegen zwar jeden Donnerstag: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag ohne uns?" Aber das stört Meyer nicht. "Mein Leben ist wieder im Lot, ich bin heute viel produktiver", strahlt er nach vier Monaten Vier-Tage-Woche. "Warum ist mir das nicht früher klar geworden?"

Ziele setzen ist wieder in

Nur wenige Menschen könnten ihre Ziele klar benennen, sagen Fachleute. Vielleicht hat das auch mit der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung zu tun: Mit dem Aufweichen starrer Strukturen in den 60er- und 70er-Jahren ging der Wunsch nach mehr Spontaneität und Lockerheit einher. Es galt als spießig, das Leben zu planen und sich Ziele zu setzen. Darüber denkt man heute anders: Wer sich keine Ziele setzt, überlässt die Karriere - oder gar das eigene Unternehmen - den Gezeiten der Konjunktur.

"Es geht nicht darum, sich bei einem möglichen Misserfolg zu strafen", sagt Jutta Portner von Mind and more. "Manchmal lassen sich Ziele auf Grund äußerer Umstände nicht erreichen. Aber das Ziel an sich kann trotzdem richtig gewesen sein." In ihrem Trainingsunternehmen gehören regelmäßige "Zielbesprechungen" mit Partner Frank Busch zum Alltag. Gemeinsam stecken sie künftige Positionen ab und überprüfen, wie weit bereits begonnene Projekte gediehen sind.

"Erfolgreiche Menschen denken auf Papier"

"Es ist wichtig, Ziele schriftlich zu fixieren", heißt Portners Devise. "Erfolgreiche Menschen denken auf Papier", ergänzt Karin Kirsch, denn erst bei der präzisen Formulierung zeige sich, was man wirklich wolle. Das bedeutet auch, dass die Wünsche konkret, positiv und in der Präsenzform festgehalten werden müssen.

Und sie müssen realistisch sein: Der Trainee, der sich vornimmt, "bald Chef zu sein", darf ruhig weiterträumen, während der Diplom-Betriebswirt, der dies nach zwei Jahren im Beruf anstrebt, seine Wünsche präziser benennen sollte. "In einem Jahr bin ich Leiter einer Abteilung mit zehn Mitarbeitern und verantworte den Vertrieb des Produkts xy", könnte beispielsweise sein Glaubenssatz lauten.

Einige Berater, darunter Jutta Portner, empfehlen, "magische Sätze" zu formulieren. "Es hilft, wenn man sich diese kurzen Sätze immer wieder vorsagen kann", sagt die Trainerin. Mit dieser Form der Autosuggestion soll sich schon mancher Sportler zu olympischen Höhen getrieben haben. Bestes Beispiel ist der Skispringer Karl Schnabl, der sich stets als zu schwer empfand. Im autogenen Training lernte er, sich das Gegenteil zu suggerieren - und genau vorzustellen. 1976 wurde er Olympiasieger.

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