Techniker am Flughafen München können Baupläne überall abrufen
Mobile Computer ersparen den Weg in die Werkstatt

Durch den Einsatz mobiler Computer will der Flughafen München seinen Gebäudetechnikern die Arbeit leichter machen. Künftig sollen die Mitarbeiter sämtliche Pläne online abrufen und sich damit lange Wege sparen. Noch steht aber nicht fest, welche Geräte sich in der Praxis bewähren.

HB MÜNCHEN. Wenn die Gebäudetechniker des Flughafens München kaputte Überwachungskameras reparieren oder Glühbirnen austauschen wollen, müssen sie oft lange Wege zurücklegen. 50 Kilometer Straße und 200 Gebäude - das Gelände von Deutschlands zweitgrößtem Flughafen ist viel zu groß, um zu Fuß voranzukommen. Bevor sich die Spezialisten zum Einsatzort begeben, drucken sie zurzeit noch in jedem Fall die entsprechenden Bau- und Schaltpläne aus, um im Gewirr der Räume und Leitungen auch den richtigen Ort zu finden.

Jeder der 220 Aufzüge und sämtliche 20 000 Brandmelder sind in riesigen Datenbanken registriert, auch die Standorte aller 23 000 Räume lassen sich in Sekunden am Computer finden und in farbigen Plänen ausdrucken. Künftig sollen die Service-Mitarbeiter des Flughafens auf diese geballten Informationen und die grafische Darstellung nicht mehr nur vom PC in Büro und Werkstatt aus zugreifen können. Wolfgang Haller, Chef der Technischen Dokumentation des Airports München, will die Informationen auf mobile Computer bringen. "Damit können wir die Wege optimieren", sagt Haller. Zeit raubende Fahrten von einem Einsatzort zurück an Schreibtisch und Werkstatt entfallen, da der nächste Auftrag und alle dazugehörigen Informationen an jedem Ort online zur Verfügung stehen. Bislang holen sich die Techniker ihre neuen Einsatzpläne im Büro ab und melden dort auch, dass der alte Auftrag abgeschlossen ist.

"Mit wenig Klicks alle Pläne abrufbereit" lautet die Vision von Haller, die noch in diesem Jahr wahr werden soll. Haller vertraut dabei auf OnSite Enterprise, ein neues Programm des Softwarehauses Autodesk. "Die Technologie stellt Daten überall und jederzeit bereit", sagt Autodesk-Managerin Michaela Schneeberger.

Für die Techniker wird sich an der Darstellung ihrer Pläne trotz des kleinen Bildschirms auch im mobilen Einsatz nichts ändern. Der Flughafen München vertraut schon seit langem auf Software von Autodesk, um die Inhalte der verschiedenen Datenbanken von Oracle und SAP in Bilder umzuwandeln. Das amerikanische Unternehmen hatte sich vor drei Jahren gegen den Wettbewerber Bentley Systems durchgesetzt. Beide Firmen sind ausgewiesene Spezialisten für Konstruktionssoftware. Wie genau die Techniker an die Daten kommen sollen, ist allerdings noch offen. Ob die Verbindung über Mobiltelefone oder lokale Funknetzwerke aufgebaut wird, hat Haller noch nicht entschieden. Schnelligkeit ist jedenfalls nicht ausschlaggebend: "Wir müssen die Pläne nicht in Sekunden übermitteln", sagt er. Weil die Fahrten zurück in die Werkstatt bislang oft eine Stunde dauern, ergebe eine Übermittlung in einigen Minuten schon einen wesentlichen Fortschritt - und im Notfall auch zusätzliche Sicherheit, weil die Techniker schneller reagieren können.

Zudem werden die Flughafentechniker bald wesentlich zügiger als früher einen Raum wieder freigeben können, in dem beispielsweise die Heizung kaputt war. In einer Probephase bis Mitte 2002 zusammen mit der TU München will Haller jetzt herausfinden, wie das neue System konkret aussehen wird.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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