Techniker hoffen auf Gegenreaktion
Experten uneins über Entwicklung des Neuen Marktes

Die schlechte Stimmung am Neuen Markt mit immer neuen Tiefstständen bei den Indizes wird von Marktteilnehmern derzeit unterschiedlich interpretiert. Während die befragten Händler, Analysten und Fondsmanager weiterhin negativ gestimmt sind, erwarten technisch orientierte Analysten eine zumindest kurzfristige Gegenreaktion auf die Kursabschläge der vergangenen Tage.

Reuters FRANKFURT. Die schlechte Stimmung am Neuen Markt mit immer neuen Tiefstständen bei den Indizes wird von Marktteilnehmern derzeit unterschiedlich interpretiert. Während die befragten Händler, Analysten und Fondsmanager weiterhin negativ gestimmt sind, erwarten technisch orientierte Analysten eine zumindest kurzfristige Gegenreaktion auf die Kursabschläge der vergangenen Tage.

Die Märkte glaubten derzeit nicht an eine Erholung der für die Aktien so wichtigen US-Konjunktur, sagte Christian Saalfrank, Fondsmanager bei der BfG-Bank. Würden die Anleger daran glauben, würde sich dies in steigenden Kursen zeigen, hieß es. Dies sei bislang nicht der Fall. Da ohne die US-Aktien am Neuen Markt nichts laufe, rechne er zunächst nicht mit steigenden Kursen. Für Michael Riesner, technisch orientierter Analyst der DG Bank, ist gerade die schlechte Stimmung am Markt ein gutes Zeichen. Sollte der Auswahlindex des Neuen Marktes, Nemax50, am Donnerstag oberhalb der wichtigen Marke von 2080 Punkten schließen, rechne er mit steigenden Kursen. Er hält sogar eine echte Trendwende für möglich.

Der Nemax50-Index verlor am Donnerstag bei dünnen Umsätzen mehr als vier Prozent auf ein neues Rekordtief von 2049 Punkten. Der Auswahlindex steht damit den fünften Handelstag in Folge im Minus. Steigende Preise in den USA und Deutschland machten Hoffnungen am Markt zunichte, die Notenbanken könnten demnächst die Zinsen senken und damit die Aktienkurse beflügeln, erklärten Börsianer das Absacken der Kurse am Donnerstag.

Händler beklagten die Mutlosigkeit der Anleger, die zu sehr geringen Umsätzen und starken Kursschwankungen führen. Derzeit überließen institutionelle Anleger den Privaten fast völlig das Feld. Viele hielten ihr Pulver trocken, nachdem sie sich in der vergangenen Zeit die Finger verbrannt hätten, hieß es.

Aus Sicht Riesners wäre es ein Zeichen für ein deutliches Anziehen der Kurse, wenn die Marke von 2080 im Nemax50 halten würde. Dann sei sogar eine echte Trendwende zu erwarten. Der Markt, vor allem die Nasdaq, habe sich trotz der Vielzahl schlechter Meldungen verhältnismäßig gut gehalten. Daher rechne er nun mit einer Gegenreaktion. Dabei wurde auch darauf verwiesen, dass die Fonds auf großen Barmitteln säßen.

Reza Montasser, technischer Analyst beim Bankhaus Reuschel, sieht ebenfalls positiv in die nahe Zukunft. Die technischen Indikatoren der Nasdaq und am Neuen Markt ließen kurzfristig steigende Kurse erwarten.

Robert Suckel, Analyst bei SES Research, erwartet bis Mitte des Jahres indes bestenfalls leichte, charttechnisch bedingte Zwischenerholungen. Zwar sehe er den Nemax50-Index bei rund 3250 Stellen als fair bewertet an. "Aber ich weiß nicht, woher die Impulse für einen Anstieg auf diese Marke im Moment kommen sollen", sagte er. Erst durch positive Unternehmensergebnisse vor allem in den USA mit Ablauf des zweiten Quartals sei möglicherweise wieder mit einer nachhaltigen Besserung zu rechnen. Die aktuelle Entwicklung der Kurse ist aus seiner Sicht jedoch eine Übertreibung nach unten, vor allem mittelgroße Werte wie Qiagen, Singulus und Heyde seien derzeit unterbewertet und überverkauft.

Fondsmanager Saalfrank bestätigte, dass sich die Fonds derzeit trotz weiterer Mittelzuflüsse stark zurückhielten. In der Branche würden derzeit eher Barmittelbestände aufgebaut. Es gebe im Moment keinen Grund, die Gelder am Neuen Markt zu investieren, da eine Reihe nicht eingehaltener Ergebnisprognosen gerade auch bei Nemax50-Werten das Vertrauen der Anleger in den Markt nachhaltig gestört habe. Hoffnung gebe es nur, wenn es endlich gute Unternehmensnachrichten in Deutschland gebe oder sich die US-Konjunktur bessere.

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