Technikzulieferer profitieren von der wachsenden Bedeutung mobiler Datendienste
Mobile Dienste

Die Branche ist sich einig: Mobile Dienste werden den Telekomfirmen helfen, sich aus der Abhängigkeit vom Sprachtelefonie-Geschäft zu lösen. Die Datenübertragung soll sich für die Netzbetreiber in Deutschland zum zweiten Standbein entwickeln. Mehr zur mobilen Zukunft im Mobile Special

DÜSSELDORF. Vor allem mit Informationen, die auf den Standort des Nutzers abgestimmt sind, wollen Vodafone, T-Mobil, Viag Interkom und E-Plus zwei Ziele erreichen: Die Kunden sollen lernen, dass ein Telefon nicht nur zum Telefonieren genutzt werden kann, und Analysten und Anleger sollen sehen, dass die Milliarden für die UMTS-Lizenzen gut angelegt sind. Während die Inhalte-Anbieter um einen Platz auf den neuen Mobil-Portalen der Netzbetreiber noch kämpfen müssen, sehen sich die Zulieferer der Technik als klare Gewinner.

Kenneth Hart, Europa-Geschäftsführer des Unternehmens Airflash, kommt ins Schwärmen, wenn es um die Möglichkeiten der Datenübertragung geht. "Netzbetreiber können ihren Kunden jetzt völlig neue Service-Angebote machen und sie dabei genau ihren Bedürfnissen anpassen." Airflash sieht sich auf jeden Fall auf der Gewinnerseite.

In Deutschland nutzen Viag Interkom und E-Plus die von dem Unternehmen entwickelte Technologieplattform Smartzone. Mit Vodafone ist das noch nicht börsennotierte Unternehmen aus Saratoga, Kalifornien, in der asiatisch-pazifischen Region ins Geschäft gekommen; auch die France-Telecom-Tochter Orange hat sich für Airflash entschieden.

Die an der Nasdaq notierte Firma Cellpoint erwartet dagegen erst jetzt eine Auftragswelle. Geschäftsführer Lars Persson konnte erst vor kurzem "einen Durchbruch" verkünden. E-Plus werde die Cellpoint-Technologie zur Positionsbestimmung einsetzen. Persson spricht von der "ersten Anwendung auf einem Massenmarkt". Das Unternehmen hofft nun auf Folgeaufträge. "Die Netzbetreiber sehen jetzt gespannt auf ortsabhängige Dienste", hat Persson beobachtet. Nach seinen Angaben kann mit dem netzwerkbasierenden System des Unternehmens jedes GSM-Mobiltelefon lokalisiert werden. Änderungen an den Telefonen wie bei Konkurrenzsystemen seien nicht erforderlich, die Qualität der Dienste auch im Standby-Betrieb "definitiv ausreichend".

Airflash-Manager Hart sieht die Sache differenzierter. Die Genauigkeit der Signale sei "okay", urteilt er. Die Software seines Unternehmens aber erlaube es, die tatsächliche Position des Mobilfunkkunden exakt zu bestimmen. Dazu bediene sich das Unternehmen geographischer Informationen, die das US-Unternehmen Navigation Technologies - bislang vor allem als Lieferant digitaler Straßenkarten für Navigationssysteme bekannt- zur Verfügung stelle. Die Software seines Unternehmens sei so ausgefeilt, dass sie zum Beispiel einen Kunden, der auf einer Seite eines Flusses stehe, nur zu einem zu Fuß auch schnell erreichbaren Restaurant lotse. Eine Anfrage um 2 Uhr Mittags erbringe, je nach Öffnungszeiten der Lokale, eine andere Empfehlung als eine nach Mitternacht.

Während die Ausrüster wenig Pardon kennen, die eigene Stärke auch gegenüber Partnern auszuspielen, geben sie sich in dreierlei Hinsicht einig: Über die unterschiedlichen Modelle ihrer (zahlenden) Kunden äußern sie sich nur ungern. Hart sagt, das sei wie mit den eigenen Kindern, man liebe jedes auf seine Weise. Allerdings gibt es beispielsweise selbst zwischen den Diensten bei Viag Interkom und E-Plus erhebliche Unterschiede. So verlässt sich Viag Interkom zur Lokalisierung auf den Genion-Dienst und verzichtet auf Zusatztechnologie. Die Angebote zum Start wie Restaurantführer, Lotsendienste, Suche nach Geldautomaten, sind zwar recht ähnlich, aber E-Plus will sie nicht nur WAP-Kunden zugänglich machen. Als erster Netzbetreiber wird E-Plus die Dienste auch über SMS anbieten. Auf diese Weise können die mehr als 6 Millionen Kunden die Dienste nutzen und nicht nur eine Minderheit.

Dass die Dienste gefragt sein werden, gilt den Ausrüstern aus nahe liegenden Gründen ebenfalls als selbstverständlich. Jedoch zeigen die eigenen Zahlen, dass der Bedarf in Deutschland noch nicht allzu hoch ist. So ergab eine repräsentative Umfrage im Airflash-Auftrag, dass nur 42 Prozent der Deutschen ortabhängige Dienste für wertvoll halten; in Frankreich lag das Interesse mit 59 Prozent deutlich höher.

Schließlich sind sich die Ausrüster noch in einem dritten Punkt einig: Eine Diskussion über den Datenschutz wollen sie unbedingt vermeiden. Da jeder Kunde selbst bestimmen könne, ob und wann er die Positionsbestimmung zulassen wolle, sei das Unternehmen auch nicht in Gefahr, mit "Big-Brother-Gefühlen" in Verbindung gebracht zu werden, meint Persson.

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