Technisch aber noch viele Fragen offen
UMTS verändert die Medienwelt

ddp BERLIN. Mit dem Einzug des neuen multimedialen Mobilfunknetzes UMTS im Frühjahr 2001 wird sich auch der Alltag der Menschen ändern. Grenzenlose mobile Kommunikation soll möglich werden, via Sprache aber auch per mobilem Bildtelefon. Davon sind zahlreiche deutsche Wissenschaftler und Ingenieure überzeugt, die im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die "Mobilkommunikation von morgen" bestimmen sollen.

Herkömmliche Medien, wie etwa das Radio, werden demnach bald der Vergangenheit angehören. "Diese Dauerberieselung will doch künftig keiner mehr haben", sagt Werner Wiesbeck, Leiter der Forschungsgruppe "UMTSplus". Wer Musik oder Infopakete brauche, könne sich mit dem Handy Internetfiles herunterladen. Hörfunkstationen wären damit nur noch ein kleiner Teil des Masseninformationsmarktes.

Statt stationärer Autoradios und CD-Spieler soll es bald ein handliches Endgerät geben, das mit einer Vielzahl von Anwendungen ausgestattet sein soll. Die Größe dürfte irgendwo zwischen Handy und Laptop liegen. Da das bisherige GSM-Mobilfunknetz ausschließlich zur Übertragung von Sprache konzipiert war, baut beim Thema Bild- und Paketübertragung ein Großteil der Experten auf das Datennetz UMTS. Genauso muss es aber zu UMTS auch andere Ergänzungsnetze geben. "Wichtigster Teil mobiler Kommunikation wird künftig der Bildschirm sein", sagt ein Firmensprecher von Ericsson. Autofahrer könnten - über einen an der Armatur befestigten Flachbildschirm - auf dem Weg zum Flieger schon mal die Hostess anrufen und einchecken.

Kinder könnten sich unterwegs via Bildschirm zum Spielen verabreden - oder sich auch gleich online ein "Game" herunterladen und zusammen loslegen. Vater und Mutter planen am mobilen Bildtelefon ihre Geschäftsgespräche und Abendtermine. Und wenn ein Grafiker am Heimarbeitsplatz seinem Chef in der Firma den Entwurf zeigen will, spielt er diesen während des Gesprächs eben mal auf den Bildschirm.

Doch über einen einheitlichen Transportweg für diese Daten sind sich die Wissenschaftler bei weitem noch nicht einig. Und ein paar technische Schwierigkeiten gilt es auch noch zu lösen. So setzt sich die Technische Hochschule Aachen für das schnelle Breitbandnetz HiperLAN/2 ein und belächelt das demgegenüber langsamere UMTS-Netz. "Außerdem ist UMTS voraussichtlich viel zu teuer", sagt HiperLAN/2-Forscher Professor Bernhard Walke.

Wissenschaftler der BMBF-Forschungsgruppe UMTSplus sehen hingegen die einzige Zukunftslösung in UMTS. Zwar erkennen sie auch die Kapazitätsgrenzen des neuen Mobilfunkstandards. UMTS sei aber "ein flächendeckendes Netz, dass 24 Stunden erreichbar ist, während HiperLAN/2 kein Flächennetz ist", sagt UMTSplus-Sprecher Markus Sailler. Bei der Frage nach der optimalen Nutzung der Netze arbeite das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR an kombinierten technischen Lösungen mit anderen Systemen wie DAB (Digital Audio Broadcasting) und DVBT (Digital Video Broadcasting), ergänzt Sailler.

Doch was die Firma Ericsson in einem UMTS-Imagefilm bereits demonstriert - nämlich grenzenloses mobiles Surfen und Live-Bildübertragungen in alle Himmelsrichtungen - mag dem kühlen Mathematiker noch nicht so recht überzeugen. Für das Herunterladen eines 15 Minuten-Videos (Filmqualität), das beim herkömmlichen GSM-Netz noch drei Tage dauern würde, brauche auch UMTS noch knapp zwei Stunden, bemängelt Walke. Und die Experten der UMTSplus-Gruppe räumen ein: UMTS sei eigentlich als Sprachnetz konzipiert worden. Große Datenmengen wie Filme und umfangreiche Dateien müssen daher über alternative Datenwege versandt werden. Eine flächendeckende Alternative zu UMTS gebe es allerdings bisher noch nicht.

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