Technische Erholung
Analysten sehen Trendwende am Neuen Markt erst auf mittlere Sicht

Analysten zeigen sich trotz der starken Gewinne am Neuen Markt in den vergangenen Handelstagen vorsichtig, ob eine Trendwende am deutschen Wachstumssegment bereits eingeläutet sei.

Reuters FRANKFURT. "Das ist noch keine Trendwende. Das dritte Quartal wird nicht gut laufen und damit werden die schlechten Nachrichten anhalten", sagte Volker Borghoff, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Ein Rückfall auf die erst in der vergangenen Woche markierten Tiefstände sei jederzeit möglich. Mittelfristig werde sich das Segment aber nach den Worten von Klaus Tafferner, technischer Analyst bei Concord Effekten, deutlich erholen. Die Erholung könne jedoch nur von den Schwergewichten am Markt angeführt werden, sagte Guiseppe Amato, Analyst beim Handelshaus Lang & Schwarz.

"Was wir sehen, ist eine technische Erholung", sagte HSBC-Analyst Borghoff mit Blick auf die dramatischen Verluste seit den Höchstständen im März 2000. Vom Rekordhoch bei 9 665 Zählern fiel der Blue-Chip-Index des Neuen Marktes bis zum vergangenen Mittwoch auf 1 061 Punkte - ein Verlust von rund 89 %. "Ein Rückfall auf die Tiefstände ist möglich", so die Einschätzung von Borghoff. Der Wendepunkt des Segmentes dürfte dann im September, wenn alle Ergebnisrevisionen der Unternehmen verarbeitet sind, erreicht sein. "Von Herbst bis zum Sommer 2002 wird es dann eine Zweiteilung des Marktes geben." Die Investoren werden in erster Linie solide Werte suchen, die sich dann deutlich erholen dürften. Zu den soliden Titel zählt Borghoff unter anderem die Nemax 50-Werte Aixtron, Biodata, Pfeiffer Vacuum und Medion. "Diese Titel sind auf sechs Monate gesehen attraktiv."

Bodenbildung unter starken Schwankungen

Lang & Schwarz-Analyst Amato warnt vor der bereits bekannten Situation stark steigender Kurse als kurze technische Reaktion auf zuvor markierte Tiefstände. "Das haben wir zuletzt Ende Juni bei rund 1 450 Punkten im Nemax 50 gesehen", sagte Amato. Danach sei der Markt doch deutlich gefallen. Der jetzige Aufschwung sei aber ein weiterer Ansatz auf dem Weg zu einer Stabilisierung. Die Bodenbildung werde sich dabei unter starken Schwankungen vollziehen. Falls die US-Technologiebörse Nasdaq mit hohem Volumen wieder steige, habe auch das deutsche Wachstumssegment - angeführt von starken Gewinnen bei den Schwergewichten - eine gute Chance auf eine endgültige Bodenbildung.

Dagegen glaubt Klaus Tafferner von Concord Effekten, dass der Boden bei rund 1 060 Zählern bereits gefunden sei. "Ein Testen der Tiefstände ist in diesem Marktumfeld aber noch denkbar." Besonders für die letzten Monate des laufenden Jahres zeigt sich Tafferner aber optimistisch. Auf mittlere Sicht - bis Ende 2001 - werde der Markt zulegen. "Ich wage eine mutige Schätzung von 2 600 Punkten im Nemax 50", sagte Tafferner. Aus technischer Sicht seien dabei die Widerstandsmarken bei 1 250, 1 380, 2 000 und 2 140 Zählern zu durchbrechen. Verhalten optimistisch stimmen Tafferner nach eigenen Angaben die weitgehend ausbleibenden Kursverluste trotz schlechter Quartalszahlen bei den großen US-Technologieunternehmen in den vergangenen Wochen. "Folgt der Neue Markt dem US-Trend, dann werden die Kurse bald steigen", lautet seine Einschätzung.

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