Technische Probleme möglich
E-Plus erwägt UMTS-Netzkauf von Mobilcom

E-Plus erwägt anscheinend eine Teilübernahme der UMTS-Mobilfunktechnik des angeschlagenen Konkurrenten Mobilcom. Allerdings sehe das Unternehmen erhebliche technische Probleme bei der Zusammenlegung.

Reuters FRANKFURT. "Angesichts der Forderungen in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro an Mobilcom erwägt E-Plus, Teile des bereits installierten UMTS-Netzes von Mobilcom zu übernehmen", verlautete am Dienstag aus den Kreisen. "Es ist eine verlockende Idee, für die Forderungen Mobilfunkstandorte und Netztechnik zu bekommen." Dies sei eine von mehreren Optionen, um eine Lösung für die Zahlungsverpflichtungen von Mobilcom zu finden. Allerdings gebe es zahlreiche Probleme bei der Übernahme der Netztechnik, da sich die Netze beider Anbieter "deutlich" überlappten. Dies mache eine Übernahme schwierig. E-Plus lehnt eine Stellungnahme zu entsprechenden Medienberichten bislang ab.

Mobilcom schuldet E-Plus aus einem bis 2006 laufenden Dienstleistervertrag rund 600 Millionen Euro. Diese Summe war zwischen den Unternehmen im vergangenen Jahr dafür vereinbart worden, dass Mobilfunkkunden von Mobilcom das bestehende Mobilfunknetz von E-Plus im GSM-Standard mitbenutzen dürfen. Die zum Frühjahr geplante Einführung eigener GSM-Mobilfunkangebote von Mobilcom für die Kunden scheiterte jedoch bislang an dem Streit der Hauptgesellschafter. Bei einer Insolvenz von Mobilcom müsste E-Plus voraussichtlich auf einen Großteil seiner Forderungen verzichten und versucht daher mit Mobilcom eine Lösung für die aus dem Dienstleistervertrag resultierenden Zahlungsverpflichtungen zu finden.

Die Büdelsdorfer Mobilcom ist von der Insolvenz bedroht, da das Unternehmen aus der Ersteigerung der UMTS-Mobilfunklizenz und dem Netzaufbau für die künftige Mobilfunkgenerationen Schulden in Milliardenhöhe hat. Diese von einem Bankenkonsortium zur Verfügung gestellten Kredit wurden schon im Sommer fällig geworden, jedoch wurde Mobilcom von den Banken unter Vermittlung von Mobilcom-Großaktionär France Telecom bereits mehrmals ein Aufschub gewährt.

Mobilcom und France Telecom liegen seit Jahresbeginn im Streit über die Strategie von Mobilcom im deutschen UMTS-Mobilfunkmarkt und die Höhe der Investitionen. Der Streit führte zur Abberufung von Mobilcom-Gründer und-Vorstandschef Gerhard Schmid. Vor wenigen Wochen kündigte France Telecom zudem an, Mobilcom nicht länger mit Kapital zu versorgen. Seitdem ist das Unternehmen von der Zahlungsunfähigkeit bedroht, da ohne die finanzielle Unterstützung von France Telecom weder die Kredite bedient noch das operative Geschäft mittelfristig finanziert werden können.

France Telecom und Mobilcom-Großaktionär Schmid hatten in den zurückliegenden Monaten vor allem keine Einigkeit darüber erzielt, ob Mobilcom wie von Schmid verlangt möglichst früh mit hohem Investitionsbedarf in den UMTS-Markt einsteigen soll. Ungeachtet der anhaltenden Weigerung von France Telecom baute Mobilcom aber ein vergleichsweise weit reichendes UMTS-Netz auf. Branchenkennern zufolge soll das bereits installierte Netz in der Lage sein, rund 17 Prozent der deutschen Bevölkerung mit UMTS-Mobilfunkdiensten zu versorgen. Bis zum Jahresende 2003 müssen die sechs UMTS-Lizenznehmer laut den Lizenzbedingungen 25 Prozent der Bevölkerung versorgen können. Ende 2005 muss die Hälfte der Bevölkerung UMTS-Dienste nutzen können. Derzeit liegt der Netzaufbau wegen der Zahlungsschwierigkeiten bei Mobilcom auf Eis. Bislang wurden jüngsten Angaben zufolge 1,1 Milliarden Euro für den Netzaufbau ausgegeben.

Das fortgeschrittenen Entwicklungsstadium des UMTS-Netzes von Mobilcom könnte jedoch bei den Verhandlungen mit E-Plus oder anderen Interessenten ein Hindernis darstellen, da zwischen den Netzen Überlappungen bei der räumlichen Mobilfunk-Versorgung wahrscheinlich sind. Grund dafür ist, dass die Netzausbauverpflichtungen von 25 Prozent der Bevölkerung rund zwei Prozent der Fläche der Bundesrepublik entsprechen. Um mit möglichst geringen Investitionen in die Netzinfrastruktur die Netzaufbauverpflichtungen erfüllen zu können, konzentrieren sich alle Mobilfunkanbieter beim Netzaufbau daher zunächst auf die Ballungsräume. In diesen Ballungsräumen ergeben sich daher Überschneidungen zwischen den Netzen der Konkurrenten.

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