Technische Schwierigkeiten sorgen für Verzögerungen
Start ins UMTS-Massengeschäft 2004 angepeilt

Die UMTS-Technik ist noch nicht ausgereift. British Telecom und NTT Docomo, die ihr Testnetz in diesem Monat in Betrieb nehmen wollten, müssen Rückschläge hinnehmen. Experten überrascht das wenig. Sie erwarten, dass UMTS erst im nächsten halben Jahr dem Labor entwächst und 2004 die Massen erreicht.

HB DÜSSELDORF/LONDON. Selten waren sich die Manager der beiden großen Mobilfunknetze in Deutschland so einig. Frühstens im Jahr 2004 werden die Deutschen mit der neuen Handy-Generation telefonieren. Dann erst werde es eine signifikante Anzahl von UMTS-Nutzern geben, sagt René Obermann, Chef der Telekom-Tochter T-Mobil. Und Jürgen von Kuczkowski vom Konkurrenten D2 Vodafone ist ebenfalls überzeugt: "Nennenswerte Umsätze mit UMTS werden wir nicht vor 2004 haben."

Die Branchenführer haben aus den vollmundigen Ankündigungen der Vergangenheit gelernt und üben sich in Besonnenheit. Denn die einstige Boombranche, die lange Zeit jede Marktprognose einfach übertraf, erlebt zur Zeit einen großen Dämpfer: Marktforscher und Analysten sagen voraus, dass der neue Mobilfunkstandard UMTS - und damit das Zeitalter des mobilen Multimediageschäft - später beginnt, die Massen langsamer erreichen und geringere Umsätze als geplant einbringen wird.

Neue Technik noch nicht praxistauglich

Die neue Technik ist noch nicht praxistauglich. Sowohl der japanische Mobilfunkkonzern NTT Docomo als auch British Telecom (BT) haben ihre UMTS-Einführung um ein Vierteljahr verschoben. Der Grund: Die Anpassung der so genannten Funkzellen sei ein Problem, heißt es bei BT. Solch ein Funkraum wird im Prinzip von einer Antennenstation gebildet. Innerhalb dieser "Zelle" ist es inzwischen kein Problem mehr, ein UMTS-Handy zu nutzen. Verlässt man aber den Radius - etwa im Auto oder im Zug - bricht das Gespräch plötzlich ab. Das ist aber kein reines UMTS-Problem, betont Rudolf Siegert vom Münchener Siemens-Konzern, der mit BT das erste kommerzielle UMTS-Netz auf der Isle of Man starten will. "Solche Übergabeprobleme kennen wir bereits im Mobilfunk." Durch die hohen Datenmengen bei UMTS werde die Lösung nicht einfacher, Aber den Sinn von UMTS deswegen grundsätzlich in Frage zu stellen, hält Siegert für "absolut falsch".

Auch Lars Godell, Telekomanalyst bei Forrester Research sagt: "Jede neue Technologie kommt mit Verspätungen auf den Markt." Aus Sicht der potenziellen Nutzer gebe es keinen Grund zur Sorge. "UMTS wird kommen. Die Kinderkrankheiten müssen auskuriert werden."

Dabei dürften noch weitere Wehwechen auftauchen, räumt Siemens-Projektleiter Siegert ein. "Es gibt in einem so frühen Stadium wie diesem bei jedem Produkt Schwierigkeiten", sagt er. Das Funkzellen-Problem sei nur eines von vielen, wenn auch das, das am schwersten wiegt. "Weil es genau das nicht möglich macht, was der Sinn eines Handys ist - nämlich Mobilität."

Diskussion über einheitliche Standards

Aber auch Diskussionen in der Branche über einheitliche technische Standards für UMTS haben zu Verzögerungen geführt. "Die Technik hat daher im Moment noch Laborcharakter", sagt ein Manager eines Netzausrüsters, der nicht zitiert werden will. Die Netzbetreiber können solche Verzögerungen teuer zu stehen kommen. Bei den ersten UMTS-Auktionen haben sie sich zu Milliardengeboten verleiten lassen. Die Verschuldung europäischer Telekomgesellschaften hat sich nach einer Studie von Morgan Stanley in den vergangenen zwei Jahren auf 150 Mrd. $ mehr als verdoppelt. Für Zinszahlungen müssen einzelne Betreiber bis zu 100 Mill. DM monatlich aufbringen. Mit jeder Verzögerung bei UMTS verschieben sich die neuen Einnahmen, die sie dringend brauchen.

Bei UMTS zeigt sich zudem auch die Abhängigkeit der Netzbetreiber von Ausrüstern und Geräteherstellern. Erst wenn die Funkstationen und Vermittlungsstellen stehen, die pünktliche Lieferung der Endgeräte sichergestellt ist, können sie anfangen, ihre Dienste und Produkte zu vermarkten. In den vergangenen Jahren haben Ausrüster und Hersteller ihre Terminzusagen nicht eingehalten, auch bei der UMTS-Vorläufertechnik GPRS. Die Netzbetreiber haben zwar den kommerziellen Start der GPRS-Netze eingeläutet. Doch die Hersteller liefern nur wenige Geräte und verzögern so den Start ins Massengeschäft. "Letztendlich entscheidet der Langsamste, wann die neue Technik an den Start geht", so T-Mobil-Chef Obermann.

Und manche Probleme haben gar nichts mit der komplizierten Technik zu tun. So wurde das von Siemens, NEC und BT mit viel Elan gestartete UMTS-Projekt auf der Isle of Man "mehrere Wochen lang" durch die Politik behindert, klagt BT-Manager Mark Briers. Grund: die Maul- und Klauenseuche. Die Wiesen der Insel blieben gesperrt - auch für den Aufbau weiterer UMTS-Masten.

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