Technische Vorteile
Österreich kauft 24 Eurofighter

Der als technisch besser bewertete Eurofighter Typhoon des EADS-Konsortiums hat das Rennen um den größten Rüstungsauftrag in der Geschichte der Republik Österreich gemacht.

Reuters WIEN. Die österreichische Luftwaffe kauft 24 Typhoon um 1,79 Milliarden Euro, die die veralteten Saab Draken von 2005 an ersetzen werden.

Dem Eurofighter wurde der Vorzug gegenüber dem schwedischen Saab Gripen, dem Nachfolgemodell des Draken, gegeben, obwohl Saab billiger angeboten hatte. Die von Lockheed Martin angebotenen, überholten, deutlich billigeren F-16 wurden als nicht mit der Ausschreibung konform gehend ausgeschieden.

Der österreichische Verteidigungsminister Herbert Scheibner begründete am Dienstag die Entscheidung für den Eurofighter mit den technischen Vorteilen, die in der Gesamtbeurteilung die preisliche Komponente überwogen hätten.

"Starke technische Vorteile haben für den Eurofighter gesprochen. Preislich war der Gripen zu favorisieren. Der Gripen lag um drei Prozent unter dem Angebot des EADS-Angebots. Letztlich haben wir uns in der Gesamtsicht für das technisch beste Gerät entschieden", sagte Scheibner.

"Das Bundesheer geht in völlige neue Zeit und hat das derzeit beste, zukunftsorientierte Gerät auf dem Markt angeschafft", sagte Scheibner.

Der Eurofighter wird seit den 80-er Jahren gemeinsam von der französisch-deutschen EADS, der britischen BAE Systems Plc und der italienischen Finmeccanica SpA entwickelt. Von 2002 an soll der Eurofighter sukzessive bei den Luftstreitkräften Deutschlands, Italiens, Großbritanniens und Spaniens eingesetzt werden. Nach Angaben der EADS-GmbH, der Österreich-Tochter, lägen bislang Bestellungen für 620 Stück vor.

EADS konkurriert am Markt mit dem Kampfflugzeug Rafale der französischen Dassault Aviation SA.

Eurofighter ersetzt den Draken

In Österreich werden die Eurofighter mit Beginn Juli 2005 die über 30 Jahre alten Saab Draken ersetzen, die Mitte der 80er-Jahre gebraucht von der schwedischen Luftwaffe erworben worden waren. Bis Juli 2007 sollen dann alle 24 Flugzeuge ausgeliefert sein. Der laufende Betrieb, über dessen Kosten Scheibner keine Angaben machte, soll aus dem Budget des Ministeriums gedeckt werden.

Die im November 2000 initiierte Beschaffung von Abfangjägern war in Österreich teilweise heftig umstritten. In Umfragen hatte sich die Mehrheit der Bevölkerung gegen den Kauf ausgesprochen.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel begründete am Dienstag nach dem Ministerrat die Entscheidung damit, dass Österreich zur Verteidigung und Sicherung des Luftraumes verpflichtet sei.

Finanzminister Karl-Heinz Grasser, bis zuletzt ein heftiger Gegner der Beschaffung, sagte am Dienstag, dass er die gefundene Lösung mittrage. Der Eurofighter war die beste im Konsensus zu erzielende Entscheidung. Ich trage diese voll mit", sagte Grasser, fügte aber hinzu, dass dies eine große Belastung für den Haushalt darstelle.

Grasser lehnte es aber ab, einen Zusammenhang zwischen der Finanzierung der Flugzeuge und der für 2003 geplanten ersten Etappe der Steuerreform herzustellen.

"Man muss diese Dinge voneinander trennen. Das eine ist die Finanzierung der Abfangjäger, die über einen Zeitraum von neun Jahren finanziert werden müssen. Das andere ist eine Steuerreform, die nachhaltig wirken soll und die zwingend über eine Ausgabenrestrukturierung, also Einsparungen - finanziert werden muss", sagte Grasser. Vor 2004 seien keine Zahlungen an EADS zu leisten, sagte der Finanzminister.

Die heute getroffene Entscheidung muss laut Scheibner in den nächsten Wochen mit EADS in eine endgültige Vertragsform gebracht werden.

Großen Wert lege man dabei auf Kompensationsgeschäfte, sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. "EADS wird Gegenschäfte im Wert von über 200 Prozent über einen Zeitraum von 15 Jahr garantieren. Diese Geschäfte sollen in den Verhandlungen auch pönalisiert werden". Bartenstein bezifferte den Wert der Gegenschäfte mit 5,482 Milliarden Euro. Für ein Volumen von 2,176 Milliarden Euro gebe es bereits ein "Memorandum of Understanding". Der Hauptteil davon betreffe die Luftfahrtzulieferindustrie - etwa für den Airbus, aber auch andere Hersteller -, aber auch den Autozulieferbereich, den IT-Bereich bzw. die Verkehrstechnik.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hatte zuvor gesagt, dass 60 Prozent des Anschaffungsvolumens wieder budgetwirksam werden könnten.

Analysten überrascht

Analysten bezeichneten die Entscheidung als eine politische. "Das ist definitiv überraschend. Ich glaube, die Experten hatten den Gripen vor der F-16 favorisiert", sagte Nick Fothergill, Global Aerospace Analyst der Banc of America.

Eine politische Entscheidung deshalb, so Fothergill, weil sich vom Preis her für Österreich wohl der Gripen und die F-16 besser dargestellt haben, die Wahl des Eurofighters aber auch so zu sehen sei, "dass Österreichs sich mehr als Teil der künftigen europäischen Verteidigungsstruktur sehen möchte".

Fothergill sagte, für Eurofighter habe der Zuschlag aus Österreich auch eine wichtige psychologische Komponente, weil es der erste Auftrag eines Landes außerhalb des EADS-Konsortiums sei.

Lockheed bleibt aber nach Einschätzung von Fothergill trotz des Zuschlages für den Eurofighter ein starker Mitbewerber mit dem neuen F-35 Joint Strike Fighter. Erst jüngst hatten Dassault und Eurofighter einen Rückschlag erlitten, als sich Australien für den noch gar nicht in Produktion befindlichen F-35 entschied.

Eine Reihe von europäischen Staaten, vornehmlich Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes, modernisieren in den nächsten Jahren ihre Luftwaffe. Polen will 50 neue Flugzeuge im Wert von etwa drei Milliarden Dollar kaufen, die die russischen MIG 21 ersetzen sollen. Offen ist auch, ob die Tschechische Republik den Auftrag über 24 Gripen im Wert von 1,9 Milliarden Dollar erfüllen wird, nachdem das Parlament ein Finanzierungsgesetz an die Regierung zurück verwiesen hat. EADS notierten zuletzt in Paris mit 15,90 (15,67) Euro.

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